Nach historischen Tiefständen will die SPD bei der nächsten Landtagswahl in NRW Landtagsfraktionschef Jochen Ott ins Rennen schicken. Als Spitzenkandidat soll Ott Ministerpräsident Wüst herausfordern.
NRW-LandtagswahlSPD setzt auf Spitzenkandidat Jochen Ott

SPD-Landtagsfraktionschef Jochen Ott überzieht die schwarz-grüne Landesregierung in NRW immer wieder mit scharfer Kritik. (Archivbild)
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SPD-Landtagsfraktionschef Jochen Ott soll die Sozialdemokraten als Spitzenkandidat in die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen 2027 führen. Das Parteipräsidium habe dem Landesvorstand einstimmig den 51-jährigen Kölner zur Nominierung vorgeschlagen, verlautete aus Parteikreisen.
Ott wird damit voraussichtlich zum Herausforderer von CDU-Ministerpräsident Hendrik Wüst. Dieser ist seit Oktober 2021 Regierungschef und führt seit 2022 das erste schwarz-grüne Bündnis in NRW. Die SPD ist seit 2017 nicht mehr an der Regierung im bevölkerungsstärksten Bundesland beteiligt.
Die Landtagswahl in NRW findet im Frühling 2027 statt. Die CDU will erst im kommenden Jahr ihren Spitzenkandidaten für die Wahl nominieren. Ott soll bereits bei einem am 13. Juni geplanten Aufstellungsparteitag der NRW-SPD offiziell zum Spitzenkandidaten gekürt werden.
Schwere Aufgabe für SPD
Auf den ehemaligen Oberstudienrat, der sich einen Ruf als angriffslustiger und scharfzüngiger Kritiker der CDU-geführten Landesregierung gemacht hat, kommt eine schwere Aufgabe zu. Die Wahlergebnisse der SPD erreichen in dem Bundesland, das einst als ihr Stammland bezeichnet wurde, seit mehreren Jahren historische Tiefstände.
Bei der Landtagswahl 2022 war die SPD in NRW auf 26,7 Prozent abgesackt, während die CDU mit 35,7 Prozent klar siegte. Bei der Kommunalwahl im vergangenen September erreichten die Sozialdemokraten landesweit 22,1 Prozent, die CDU kam auf 33,3 Prozent. Jüngere Umfragen sehen die SPD nur noch bei 18 bis 19 Prozent.
Bas und Link wollten nicht
Auf der Suche nach einem Spitzenkandidaten oder einer Kandidatin hatten die bundesweit bekannte Arbeitsministerin und SPD-Bundesvorsitzende Bärbel Bas sowie der Duisburger Oberbürgermeister Sören Link abgewunken. Als mögliche Spitzenkandidatin war auch die Co-Landesparteichefin Sarah Philipp aus Duisburg gehandelt worden.
Der leidenschaftliche Bildungspolitiker Ott hatte den SPD-Landtagsfraktionsvorsitz im Mai 2023 übernommen, nachdem der 2022 an Wüst gescheiterte damalige SPD-Spitzenkandidat Thomas Kutschaty seinen Rückzug aus dem Amt angekündigt hatte. Ott war 2010 in den Landtag eingezogen. Zuvor hatte der Vater von drei Töchtern an der Gesamtschule in Brühl Geschichte, Sozialwissenschaften und katholische Religion unterrichtet. (dpa)
