Der Trump-Putin-Gipfel war für den Kreml ein Erfolg. Eine Panne von US-Unterhändler Steve Witkoff soll dazu erheblich beigetragen haben.
Brisante Berichte über InkompetenzWie Trumps Unterhändler zu „Putins Sechser im Lotto“ wurde

Gute Laune in Moskau: Trump-Unterhändler Steve Witkoff am 6. August bei einem Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin. Der US-Sondergesandte soll die Worte des russischen Präsidenten bei dem folgenden Gespräch falsch verstanden haben.
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Beim Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin Mitte August in Alaska wollte US-Präsident Donald Trump unbedingt einen Durchbruch erzielen. Der russische Präsident spielte dabei allerdings nicht mit – und eskalierte den Krieg mit Angriffen auf die Fabrik eines US-Unternehmens in der Ukraine und Büros der Europäischen Union in Kyjiw seitdem immer weiter.
Nun sind Details zu den Hintergründen des Treffens bekannt geworden, in dessen Vorfeld die US-Regierung von Zugeständnissen des Kremls berichtet hatte. Maßgeblich verantwortlich für den zwischenzeitlichen Optimismus in Washington soll ein Fehler von Trumps Unterhändler Steve Witkoff gewesen sein.
Der Trump Gesandte ist seit dem Amtsantritt des US-Präsidenten immer wieder für Gespräche mit Putin nach Moskau gereist ist – und hat dort stets einen auffällig herzlichen Umgang mit dem Kremlchef gepflegt, Umarmungen und warme Worte inklusive.
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Witkoff trifft Putin: Plötzlich ist von „Landtausch“ die Rede
Nach einem Gespräch mit Putin am 6. August soll Witkoff, ein enger Freund Trumps, fälschlicherweise berichtet haben, dass Moskau mittlerweile zu Zugeständnissen bereit sei. Von einem „Landtausch“ war den Enthüllungen zufolge plötzlich in Washington die Rede.

Steve Witkoff steht bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus neben US-Präsident Donald Trump. Der Unterhändler zählt zu den engeren Vertrauten des Republikaners. (Archivbild)
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Wenn die Ukraine auf die Krim und den Donbass verzichten würde, werde Russland sich aus den besetzten Regionen Cherson und Saporischschja zurückziehen, erklärte Witkoff auch gegenüber den Europäern, wie die Nachrichtenagentur Reuters und die US-Zeitschrift The Atlantic nun übereinstimmend berichten.
Fehler von Trumps Unterhändler: Wladimir Putin falsch verstanden
Die Planungen für das Gipfeltreffen nahmen kurz darauf Fahrt auf – und die US-Regierung erweckte dabei zwischenzeitlich den Eindruck, dass der von Trump bereits im Wahlkampf vollmundig versprochene Frieden in der Ukraine nun zum Greifen nah sei.
Witkoff ruderte da im Hintergrund aber offenbar schon wieder zurück: Putins Ausführungen hatte der Sondergesandte, der den Berichten zufolge gegen das diplomatische Protokoll verstoßen und ohne Stenografen und einen Beamten des US-Außenministeriums mit dem Kremlchef gesprochen hatte, demnach falsch verstanden.
Witkoff und Putins Zugeständnisse, die es nie gegeben hat
Tatsächlich soll der russische Präsident lediglich angeboten haben, sich damit zufriedenzugeben, wenn der Westen die beiden besetzten Regionen nicht offiziell anerkennen würde.
Völlig ungeklärt blieb den Quellen zufolge beim Gespräch von Witkoff mit Putin derweil die Frage, was mit den russischen Streitkräften in Cherson und Saporischschja geschehen würde, also ob Moskau zu einem tatsächlichen Rückzug aus den beiden Regionen bereit wäre.

Vor einem zerstörten Wohnhaus in Kyjiw stehen nach dem russischen Großangriff am Donnerstag (27. August) zerstörte Autos.
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Ein solches Zugeständnis hätte eine deutliche Abkehr von der bisherigen Haltung Moskaus bedeutet. Bereits bevor Witkoff seine Falschangaben wieder einzufangen versuchte, hatte es den Berichten zufolge deshalb Zweifel an den Worten von Trumps Unterhändlers gegeben, vor allem in Europa.
Russland kann sich über den roten Teppich für Putin freuen
Das geplante Treffen zwischen Trump und dem Kremlchef fand trotz Witkoffs Malheur schließlich wie geplant statt – den erhofften Durchbruch gab es nicht, dafür aber Bilder von Putin, dem in den USA ein roter Teppich ausgerollt. Für das seit Kriegsbeginn weitgehend international isolierte Russland waren die Aufnahmen aus Anchorage ein Glücksfall, Moskau zurück auf der Weltbühne.
Um echt Friedensbemühungen scheint es dem Kreml bei dem Gipfeltreffen jedenfalls nicht gegeben zu sein. Im Gegenteil: Die russischen Großangriffe gegen die Ukraine gehen seitdem ungebrochen weiter. Auch in den russischen Staatsmedien findet sich in diesen Tagen von Entspannung keine Spur.
Europa rätselt über Trumps Kurs: „Es herrscht große Verwirrung“
„Russland wird weiterhin machen, was auch immer es will“, versicherte etwa TV-Moderator Jewgeni Popow in dieser Woche. Sein Kollege Wladimir Solowjow fantasierte unterdessen von russischen Truppen, die bis nach Paris marschieren. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron werde den Soldaten die Stiefel polieren müssen, verkündete der Propagandist in seiner Sendung im Staats-TV.
Während Moskau sich nach dem pompösen Empfang für Putin in Alaska als Gewinner fühlen kann, rätselt man in Europa offenbar weiterhin darüber, was der Kremlchef mit Trump in Anchorage und zuvor mit Unterhändler Witkoff in Moskau besprochen hat.
„Die versuchen nicht zu verbergen, wie amüsant sie das alles finden“
„Es herrscht derzeit große Verwirrung“, zitierte The Atlantic einen mit den Vorgängen vertrauten hochrangigen europäischen Beamten. „Es ist nicht klar, was Putin Witkoff oder Trump gesagt hat und ob sie ihn richtig verstanden haben. Es ist ein Rätsel, das wir alle zu lösen versuchen.“

US-Präsident Donald Trump begrüßt Kremlchef Wladimir Putin vor Gesprächen am Flughafen in Anchorage auf einem roten Teppich. (Archivbild)
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Eine andere europäische Quelle zeigte sich derweil konsterniert angesichts der Posse um die von Witkoff berichteten Zugeständnisse, die es offenbar nie gegeben hat. „Die russischen Medien machen nicht einmal den Versuch zu verbergen, wie amüsant sie das alles finden“, sagte der hochrangige Beamte dem US-Magazin.
„Für Putin ist Witkoff mit das Beste, was ihm hätte passieren können“
„Für Putin ist Witkoff mit das Beste, was ihm hätte passieren können“, kommentierte unterdessen der Kölner Politikwissenschaftler Thomas Jäger im Gespräch mit n-tv das bisherige Wirken von Trumps Unterhändler.
Der ehemalige Immobilienmakler, der ohne diplomatische Vorkenntnisse als Sondergesandter angetreten war, habe „keinen Sinn dafür, was Putin umtreibt“ und schnell „russische Positionen übernommen“, führte der Professor für Internationale Politik der Universität Köln aus. „Für Putin ist er wirklich der Sechser im Lotto.“
Politologe Thomas Jäger: Russlands Position hat sich nicht geändert
Die Ukraine müsse jedoch dennoch „gute Miene zum bösen Spiel machen“, so Jäger. „Witkoff ist der Mann, der Trumps Ohr erreicht.“ Kyjiw bleibe nichts anderes übrig, als zu versuchen, den amerikanischen Unterhändler ihrerseits mit Informationen zu ihren Gunsten zu beeinflussen.
Ein Frieden, der Trump möglicherweise den vom US-Präsidenten erhofften Friedensnobelpreis einbringen würde, sei derweil weiterhin nicht in Sicht, erklärte Jäger jedoch auch. „Die russische Position hat sich seit Februar 2022 nicht ein Jota geändert.“
„Darunter macht der es nicht – außer er wird dazu gezwungen“
Aus Putins Perspektive gebe es dafür auch keinen Grund, führte der Politikwissenschaftler aus. Der Kremlchef werde einerseits weiterhin „von China gestützt“ und habe andererseits auch von den USA „keinerlei Druck zu erwarten“, erklärte Jäger.
Trumps Strategie, keine schärferen Sanktionen gegen Russland zu verhängen, um die vermeintliche Gesprächsbereitschaft Putins nicht zu zerstören, diene tatsächlich nur Russland. Der Kremlchef könne so weiterhin ohne westlichen Widerstand „die Ukraine zermürben“, um das Land so näher an die Kapitulation zu treiben. „Das ist es, was Putin anstrebt, die Kapitulation der Ukraine“, erklärte Jäger dem Sender. „Darunter macht der es nicht – außer er wird dazu gezwungen.“
Witkoff sagt, Putin wolle Frieden – dann starten die Raketen
Dazu scheint man in Washington jedoch weiterhin nicht bereit zu sein. Putin wolle Frieden, versicherte ausgerechnet Witkoff noch am Mittwoch in einem Interview mit Fox News mal wieder. „Ich denke, er hat sich ernsthaft bemüht, sich zu engagieren“, entgegnete Trumps Unterhändler auf die Frage des Moderators, ob Putin die US-Regierung nicht viel eher ausgetrickst habe.
„Ich hoffe nur, dass, wenn es darum geht, Trumps Arbeit aus der Perspektive eines Friedensnobelpreises zu beurteilen, die Geschehnisse auf der Weltbühne allgemein anerkannt werden“, fügte Witkoff an. Wenige Stunden später starteten rund 600 Kampfdrohnen, Raketen und Marschflugkörper aus Russland. Mehr als 20 Menschen, darunter vier Kinder, starben beim zweitgrößten Angriff seit Kriegsbeginn.