- Die Gemeinden der Protestanten und Katholiken sind auch 2019 wieder deutlich geschrumpft – unsere Region bildet da keine Ausnahme.
- ührende Geistliche ringen um Lösungen, um den Trend zu stoppen.
Köln – Die Zahl der Kirchenaustritte steigt dramatisch, die Zahl der Taufen geht zurück: Die beiden großen Kirchen verlieren weiter Mitglieder. Allein in der Evangelischen Kirche im Rheinland ist die Zahl der Kirchenaustritte um knapp 23 Prozent gestiegen.
Am 31. Dezember 2019 zählte die Landeskirche noch 2453379 Gemeindeglieder, ein Jahr zuvor waren es noch 2,5 Millionen. Und auch das Erzbistum Köln schrumpfte im vergangenen Jahr um rund 40000 Gläubige – von 1942733 Mitgliedern Ende 2018 auf 1905902.
Wie sieht die Entwicklung bundesweit aus?
Die Kirchen der Region spiegeln einen bundesweiten Trend wider: Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) verlor 2019 rund zwei Prozent ihrer Gemeindeglieder und zählt jetzt bundesweit noch etwa 20,7 Millionen Protestanten (siehe Grafik). Ähnlich stark fallen die Verluste bei den Katholiken aus: Die katholische Deutsche Bischofskonferenz meldete am Freitag noch 22,6 Millionen Gemeindeglieder – gegenüber dem Vorjahr, als man noch bei 23 Millionen lag, entspricht das einem Verlust von fast 400 000 Gläubigen in einem Jahr.
Welche Folgen hat das für die Kirchen?
Die schwierige Gesamtsituation wird in diesem Jahr noch durch die Folgen der Corona-Krise erschwert. Bundesweit rechnet die EKD mit einem Rückgang von zehn bis 25 Prozent der Kirchensteuereinnahmen. Bei den Katholiken dürfte die Entwicklung ähnlich sein. Langfristig – das wurde bereits mit der Anfang 2019 vorgestellten „Freiburger Studie“ des Wirtschaftsweisen Bernd Raffelhüschen und des Forschungszentrums Generationenverträge der Universität Freiburg klar – werden sich die Mitgliederzahlen beider großer Kirchen halbieren.
Wie kommt es zu dem Mitgliederschwund?
Schuld an diesem ist nicht zuletzt auch die demographische Entwicklung: Jährlich sterben mehr Kirchenmitglieder als Kinder oder Erwachsene getauft werden. Doch die Freiburger Forscher hatten den Kirchenvertretern damals auch klargemacht, dass man gegen den Mitgliederschwund auch etwas tun könne: Zumindest am Verhältnis von Eintritten und Austritten könnten die Kirchen theoretisch etwas ändern.
Doch danach sieht es derzeit gerade nicht aus: Aus der Evangelischen Kirche traten bundesweit im Jahr 2019 mit 270 000 Menschen rund 22 Prozent mehr Menschen aus als noch im Vorjahr. Und bei den Katholiken stieg die Zahl der Austritte von 216 000 auf 272 000.
Wie reagieren Kirchenvertreter auf die Zahlen?
Zu beschönigen gab es am Freitag nichts mehr. „Wir müssen selbstkritisch feststellen, dass wir zu wenig überzeugend leben und zu wenig Attraktivität ausstrahlen“, sagte der Kölner Generalvikar Markus Hoffmann am Freitag. „Trotz unseres konkreten pastoralen und sozialen Handelns motivieren wir eine Vielzahl von Menschen nicht mehr für das kirchliche Leben“, sagte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Limburgs Bischof Georg Bätzing.„Jeder einzelne Austritt schmerzt, nicht zuletzt, weil alle Mitarbeitenden hochmotiviert arbeiten“, sagte der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm.

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Die Corona-Krise habe gezeigt, dass Seelsorge und Trost, Orientierung und Solidarität für jeden einzelnen, aber auch für die Gesellschaft wichtiger denn je seien. „Um Menschen künftig für den Glauben und die Kirche zu gewinnen oder zurückzugewinnen, braucht es neben geicher Ausstrahlung und orientierender Kraft auch einen selbstkritischen Blick auf gewachsene Formate und Strukturen.“
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Die Gründe für die erhöhten Austrittszahlen will die evangelische Kirche nun mit einer eigenen Studie ermitteln. Einzig der leitende Geistliche der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, äußerte sich am Freitag relativierend. „Die Relevanz des Evangeliums spiegelt sich nicht allein in Trends und Zahlen“, sagte Rekowski. Mit der Seelsorge gebe es Seite von Kirche, die keine Öffentlichkeit vertrage. „Davon nimmt nur derjenige Notiz, der besucht, der persönlich begleitet, mit dem gebetet wird.“ Jesus Christus habe sich um diejenigen gekümmert, die am Rand standen und die in Not waren. „Solange wir in seiner Spur unterwegs sind, sind wir als Kirche ganz bei uns. Und unsere Kirche ist ganz bei sich, wo sie nah bei den Menschen ist.“
Zahlen aus dem Erzbistum Köln
Im Jahr 2019 haben 1 905 902 Katholiken dem Erzbistum Köln angehört – 36 831 weniger als im Jahr davor. Die Zahl setzt sich zusammen aus 24 298 Austritten (2018: 18 472) sowie 18 722 Bestattungen (19 976), denen 13 438 Taufen gegenüberstehen (13 988). Die Zahl der Eintritte und Wiederaufnahmen belief sich auf 248 (243) beziehungsweise 573 (653). Das geht aus der kirchlichen Statistik des Erzbistums hervor. Durchschnittlich feierten 150 485 Menschen sonntags die Heilige Messe mit (152 115). Das entspricht rund 7,9 Prozent der Katholiken im Erzbistum Köln (7,8).


