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Schnellere Corona-ImpfungenBringen Hausärzte nun die Trendwende?

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Viele Bürger warten im Moment auf die ersehnte Impfung gegen das Coronavirus.

  1. Der Corona-Impfungen sind vielerorts nur schleppend angelaufen.
  2. Bürokratische Hürden, zu wenig Impfstoff und eine komplizierte Terminvergabe bremsten die Kampagne.
  3. Die Hausärzte sollen nun die Wende bringen.

Berlin – In die schleppenden Corona-Impfungen soll endlich mehr Schub kommen. Viele warten darauf nach dem Frust über knappen Impfstoff und überlastete Termin-Hotlines. Den Durchbruch bringen sollen größere Liefermengen, die Einbeziehung des dichten Netzes der Praxen und Änderungen der Impfverordnung. Bei den Hausärzten soll es möglichst Anfang April losgehen. Genauer Termin noch offen. Denn die Umstellung fällt Bund und Ländern nicht ganz leicht. Ein Überblick:

Wer gibt den Startschuss für die Praxen?

Das ist jetzt Chefsache von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten. Regierungssprecher Steffen Seibert nannte zwei Fragen: „Wann ist genau der Übergang in die Arztpraxen zu organisieren, und was ist dabei praktisch zu beachten?“ Beides sollen Merkel und die Länderchefs „sehr zeitnah“ auf Basis einer Empfehlung der Gesundheitsminister festlegen – und zwar noch vor der nächsten anstehenden Corona-Runde am 22. März.

Warum wurde nicht von Anfang an in den Praxen geimpft?

Weil der Impfstoff teils sehr empfindlich ist und anfangs sehr rar war. So muss das Mittel von Biontech und Pfizer stark gekühlt werden. Dennoch kann er nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) auch in Praxen verimpft werden, weil er 120 Stunden bei Kühlschranktemperaturen lagerfähig ist. Geimpft wurden am Anfang generell vor allem Über-80-Jährige und Beschäftigte und Bewohner von Pflegeheimen, weitere Gruppen rückten nach.

Wo steht Deutschland beim Impfen aktuell?

Bis Dienstag wurden laut Gesundheitsministerium 12,5 Millionen Impfdosen ausgeliefert und knapp 8,2 Millionen Dosen gespritzt. Knapp 5,6 Millionen Personen bekamen mindestens eine erste Impfdosis, 2,6 Millionen davon bereits beide nötigen Dosen. Gespritzt werden die Produkte von Biontech/Pfizer, Astrazeneca und Moderna.

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Immer mehr Bundesländer impfen nun aber auch schon mehr oder weniger umfangreich Lehrkräfte, Erzieherinnen oder Polizisten. Mertens warnte allerdings, so könnten Schwächste und Gefährdetste erstmal leer ausgehen. Zum Beispiel in Baden-Württemberg, wo Lehrer bereits geimpft werden könnten, gelten neuerdings auch Über-70-Jährige als impfberechtigt.

Was soll das Impfen in den Praxen bringen?

Schub – und das unbürokratisch. Mehr als 70000 Praxen in der ganzen Republik haben Erfahrung mit Impfungen gegen anderen Erreger. Die Impfzentren können laut KBV rund 550000 Impfungen pro Tag leisten, das wären in sieben Tagen knapp vier Millionen. Die Praxen könnten rund fünf Millionen pro Woche schaffen, so die KBV. Kassenärzte-Chef Andreas Gassen hatte darauf hingewiesen, dass für die Verbreitung des Virus die Priorisierung zweitrangig sei – wichtig sei, dass viele geimpft würden.

Clever gebauter russischer Impfstoff

Der Chef der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens, hat sich zuversichtlich über eine Zulassung des russischen Impfstoffs Sputnik V in der Europäischen Union geäußert. „Das ist ein guter Impfstoff, der vermutlich auch irgendwann in der EU zugelassen wird“, sagte Mertens der „Rheinischen Post“. „Die russischen Forscher sind sehr erfahren mit Impfungen. Sputnik V ist clever gebaut.“ Wie bei Astrazeneca handele es sich bei Sputnik V um einen Vektorimpfstoff, der auf einem genetisch veränderten Schimpansen-Adenovirus basiere. „Aber anders als bei Astrazeneca verwendet er zwei unterschiedliche Vektorviren für die erste und zweite Dosis“, sagte Mertens. „Das ist sehr klug, denn dadurch kann er potenziell auftretende Wirksamkeitsverluste durch Immunantworten gegen die Vektoren verhindern.“ (afp)

Wie soll das Impfen in den Praxen funktionieren?

Dafür gibt es eingespielte Abläufe. Großhändler sollen die Impfstoffe in Apotheken liefern, von wo sie in die Praxen gebracht werden. Die Ärztinnen und Ärzte sollen anhand der Priorisierungsempfehlungen selbst entscheiden.

Ändert sich bei den Impfungen noch mehr?

Ja. Eine neue Impfverordnung von Spahn tritt rückwirkend zu Montag in Kraft. Dann kann der Astrazeneca-Impfstoff, der zunächst mangels ausreichender Daten zu Älteren bisher Jüngeren vorbehalten war, nun allen über 18 gespritzt werden. In Sachsen, Bayern, dem Saarland und gegebenenfalls weiteren Länder können in Corona-Hotspots an der Grenze alle geimpft werden, jenseits aller Priorisierungen, um so eine Art Schutzriegel von Geimpften zu schaffen. Und es soll in geringerem Umfang Impfstoff für die nötige Zweitimpfung zurückgelegt werden.