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Abschied steht bevor

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BRÜHL.„Ich werde viele liebe Menschen vermissen und die Natur, denn ich bin gerne durch den Villewald gejoggt.“ Bei Pfarrvikar Johannes Krautkrämer stehen die Zeichen auf Abschied. Er muss die Pfarrgemeinden in Badorf, Schwadorf und Pingsdorf in Kürze verlassen, weil er sich in einem Brief an Kardinal Joachim Meißner gegen das vom Erzbistum Köln beschlossene Rotationsprinzip für die vier katholischen Pfarrer in Brühl ausgesprochen und sich geweigert hatte, abwechselnd in allen zehn Gemeinden des Pfarrverbundes Messen zu lesen. Der Pfarrvikar wird voraussichtlich in Köln eingesetzt.

Krautkrämer hat in Köln sein Abitur gemacht. Nach seinem Theologiestudium in Bonn und Tübingen folgte sein, wie er es nennt, „erster Seitensprung“. Er betreute bei der Emmaus-Gemeinschaft in Köln ein Projekt mit Arbeitslosen und Obdachlosen. „Wir führten Kleider- und Papiersammlungen durch und entrümpelten Wohnungen“, erinnert sich der 65-Jährige. „Das war die härteste Zeit in meinem Leben, denn ich war für rund 15 Mitarbeiter verantwortlich und musste dafür sorgen, dass sich das Projekt finanziell trug.“

Nach der Priesterweihe in Köln 1972 folgten Kaplanstellen in Niederpleis und Monheim, ehe er für acht Jahre zur Christlichen Arbeiterjugend wechselte und als Religionslehrer an einer gewerblichen Schule in Leverkusen arbeitete. Dann kam sein „zweiter Seitensprung“: Krautkrämer war ein Jahr lang Hilfsarbeiter und Arbeiterpriester in einer Kölner Druckwalzenfabrik. Anschließend wirkte er 18 Jahre lang als Pfarrer in Köln-Zollstock, ehe er in einem Sabbatjahr Zen-Meditation betrieb und durch Mexiko und Spanien wanderte („dritter Seitensprung“). „Dabei habe ich viel von der Welt gesehen.“ Nach der Auszeit wurde ihm vom Erzbistum mitgeteilt, dass er nur noch als Pfarrvikar eingesetzt werde. So kam der heute 65-Jährige vor sechs Jahren in die Schlossstadt und war zunächst mit Pfarrer Günther Liewerscheidt für die Pfarrgemeinden in Kierberg, Vochem und Heide zuständig.

Zahlreiche Besuche in

den vergangenen Tagen

Als dann vor etwa einem Jahr Pfarrer Karl-Ernst Sebastian in den Ruhestand ging, kamen Badorf, Schwadorf und Pingsdorf hinzu. „Ich habe mit Diakon Bogdan Sadowski die komplette Seelsorge für die drei Gemeinden übernommen und versucht gute Stimmung zu verbreiten. Ich hatte das Gefühl, dass es in den drei Gemeinden eine Aufbruchsstimmung gibt“, sagt Krautkrämer. Diesen Prozess habe er weiter begleiten wollen. Er habe den menschlichen Umgang, die herzliche Atmosphäre beispielsweise mit den Pfarrsekretärinnen und die partnerschaftliche Arbeit genossen. Krautkrämer engagiert sich in der Pax-Christi-Gruppe und in der Initiative für Völkerverständigung in Brühl sowie in der KAB in Köln. Die vom Erzbistum verordnete Zentralisation als Reaktion auf den Priestermangel hält er für falsch: „Man kann eigenständige Pfarrgemeinden nicht so schnell vereinheitlichen. Dabei muss man die Menschen mitnehmen. Die Gläubigen wollen kein Kirchenzapping. Sie wollen einen festen Ansprechpartner und gewählte Gremien vor Ort. Viele sind enttäuscht und resigniert.“ In den vergangenen Tagen seien zahlreiche Menschen bei ihm vorbeigekommen, um sich zu verabschieden. „Die Kirche legt sich selbst einen Strick um den Hals, wenn sie angesichts des Priestermangels daran festhält, dass ein Pfarrer eine Pfarrgemeinde leiten muss.“ Einige Kollegen würden seine Meinung teilen, aber damit nicht nach oben durchdringen.

Kritik an Kardinal Meißner und der katholischen Kirche hat Krautkrämer schon mehrfach geäußert. 1989 protestierte er auf der Kölner Domplatte bei Meißners Einführung, „weil für seine Wahl eigens die Wahlordnung geändert worden war. Statt einer Zweidrittel-Mehrheit reichte eine einfache Mehrheit“. Später prangerte er in einem Brief an den Kardinal Missstände in der Kirche an. Ärger brachte ihm auch ein, dass er den in Ungnade gefallenen Theologen und Psychologen Eugen Drewermann in seiner Kirche in Zollstock hatte sprechen lassen.