OBERBERG – „Ein Stern, der deinen Namen trägt“ von DJ Ötzi erklingt am Sarg des Verstorbenen. Während der Schlager läuft, können die Angehörigen in der Wiedenester Kreuzkirche Abschied nehmen. Ein weltliches Lied, das eine christliche Trauerfeier ergänzt. Laut Superintendent Jürgen Knabe vom Evangelischen Kirchenkreis An der Agger haben immer mehr Trauernde den Wunsch, Lieblingslieder des Verstorbenen bei der Beerdigung zu hören.
Das sei unproblematisch, solange das Lied eine christliche Interpretation zulässt, sagt Knabe. Die Pfarrer sollten trotzdem im Vorgespräch einige geistliche Liedern vorschlagen. „Unser Liedgut hat schließlich große Tiefe und Aussagekraft.“ Hier ist er sich mit Pfarrer Peter Pietschmann aus Müllenbach einig. „Die Inhalte des christlichen Glaubens müssen im Vordergrund stehen.“ Im Angesicht des Todes ein Stück wie Eric Claptons „Tears in Heaven“ einzubeziehen - der Musiker verarbeitet darin den Tod seines Sohnes - ist laut Knabe kein Problem. Die Balance zwischen weltlicher Musik und dem Verkündigungsauftrag zu halten, sei schwierig.
Ein Wunsch, weit über diese Grenzen hinaus, erreichte den Wiedenester Bestatter Uwe Pfingst. „Es gab Angehörige, die ,Highway to Hell von AC / DC vorschlugen. Aber da war ich mir selbst nicht sicher, ob das nicht ein Scherz sein sollte.“ Es wurde nicht gespielt.
Auch Bestatter Pfingst beobachtet, dass Angehörige die Trauerfeier durch persönliche Musikstücke individualisieren möchten. Dass es nötig sein kann, CDs zu nutzen, hat Norbert Kriesten, katholischer Diakon im Seelsorgebereich Mitte, festgestellt. „Es gibt Trauernde, die einfach nicht in der Lage sind, zu singen.“ Er achtet im Kondolenzgespräch darauf, wie christlich die Angehörigen eingestellt sind und passt die Musik daran an. „Trude Herrs ,Niemals geht man so ganz“ wurde gewünscht und gespielt. Warum auch nicht?“
Für eine Gratwanderung hält das Thema der evangelische Kreiskantor Hans-Peter Fischer. „Wir sitzen nicht in einem theologischen Elfenbein-Turm, dürfen aber die christliche Botschaft nicht vergessen. Da kann man sich ruhig auch konservativ geben.“ Paveier- oder Höhner-Lieder sind bei Fischer entsprechend auf Ablehnung gestoßen. Manche Angehörige überfordern sich selbst mit individuellen Wünschen. So weist Kirchenmusikdirektor Hans Wülfing aus Bergneustadt Trauernde darauf hin, dass ein Lieblingsstück des Verstorbenen, in einer so emotional belastenden Situation wie der Beerdigung gehört, den Schmerz sogar noch vergrößern kann.
