Abo

Dauerregen38 Meter hohe Welle

3 min

Aus 16 Hohlpfeilern besteht die 1959 fertiggestellte Staumauer der Oleftalsperre bei Hellenthal. Sie wur de aus Sicherheitsgründen zweimal verstärkt. (Archivfoto: Hilgers)

EIFELLAND – Nach dem Bruch des Witka-Staudamms in Polen macht sich jetzt vielleicht auch der ein oder andere Bewohner von Olef- und Rurtal Sorgen, dass die Sperrbauwerke bei Dauerregen nicht halten und es zu einer Katastrophe kommen könnte. Dies ist allerdings ein sehr unwahrscheinliches Szenario, zumal hierzulande in Sachen Sicherheit enorm viel getan wird. So war 1959 im französischen Malpasset eine Bogenstaumauer, die der Olef-Staumauer entfernt ähnelt, gebrochen. Damals wurden 400 Menschen getötet. In Hellenthal wurde daraufhin die „Hohlpfeilerzellen-Staumauer“ gleich zweimal verstärkt.

Herbert Polczyk vom Wasserverband Eifel-Rur berichtet, dass die sehr sicheren Anlagen für Regen-Ereignisse, die statistisch gesehen einmal in 10 000 Jahren auftreten können, gebaut seien. „Natürlich ist es nicht auszuschließen, dass ein Ereignis eintritt, das alles bisher Dagewesene übertrifft. Aber das ist eben das so genannte Restrisiko“, sagt Polczyk. Zusammen mit der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH) hat der Wasserverband Szenarien entwickelt, was passieren würde, wenn die Staubauwerke tatsächlich einmal brechen.

Kein Anlass, Bruch zu befürchten

Sollte sich das Wasser der Rurtalsperre im Falle eines Bruchs Richtung Heimbach ergießen, würde eine gigantische Flutwelle mit einer Mindesthöhe von 38 Metern losschießen. Diese würde relativ schnell Heimbach erreichen - der Ort hätte nur wenige Minuten Zeit, sich darauf einzustellen. Die Welle würde drei Stunden später und deutlich verkleinert Düren erreichen. Im Oleftal würde bei einem Bruch der Staumauer, wie er bei einem - rein fiktiven - Versagen eines der 16 Pfeiler vorkommen könnte, eine Flutwelle von 22 Metern entstehen. Diese würde in 12 bis 13 Minuten bei einer Höhe von acht bis neun Metern Schleiden erreichen. In Gemünd würde sie sich ins Urftbecken zurückstauen, aber auch bis nach Kall weiterschwappen.

„Es besteht nirgendwo eine Gefahr, diesen Fall ernsthaft anzunehmen“, sagt Polczyk. Mit „allem Wenn und Aber“ sei dieses Szenario jedoch mit den Aufsichtsbehörden besprochen worden. Daraufhin fanden Stabsstellen-Übungen statt, um das Zusammenspiel der Retter zu proben. An der Oleftalsperre wurde die Übung 2007 mit Kreisbrandmeister Udo Crespin als Koordinator durchgeführt, Ende 2009 wurde der „Notstand“ im Kreis Düren geprobt.

Katastrophen wie ein Damm- oder Talsperrenbruch kommen nicht aus heiterem Himmel. „Ein solches Ereignis würde sich vorher ankündigen, so dass Zeit bestünde, die Bevölkerung zu warnen“, sagt Polczyk. Wenn es über mehrere Tage zu einem Dauerregen käme, wären die Fachleute vom Wasserverband schon lange vorher unterwegs, um die Situation zu prüfen. Irgendwann käme dann der Punkt, wo die Bevölkerung evakuiert werden müsste. „Dann bestünde Kontakt zu den Katastrophenstellen, damit die einzelnen Warnstufen sehr früh greifen“, sagt Polczyk. Organisationen wie THW, Feuerwehr oder DRK müssten die Ernstfallpläne dann realisieren.

Die Eifeler Notfallszenarien sind offenbar besonders fortschrittlich: Vor zwei Jahren informierte sich die Bezirksregierung Dresden ausführlich über die für Rur und Olef entwickelten Notfallpläne. Weitere Katastrophenübungen sollen in den Kreisen Düren und Euskirchen folgen. Die Verantwortlichen werden dabei auf Hochwasser-Gefahrenkarten zurückgreifen können, die beim Kölner Regierungspräsidium derzeit erarbeitet werden. „Das alles sind aber fiktive Betrachtungen. Es gibt keinen Anlass, einen Deich- oder Mauerbruch zu befürchten“, beruhigt Polczyk.