KERPEN-BRÜGGEN.Nein, es handelt sich nicht um Rasenmähen im Akkord. Die Sichel ist auch nicht das geeignete Arbeitsgerät, und der Rechen fällt als solches völlig aus. Stichwort Rasenkraftsport: Was für den Laien allenfalls nach Gewichtheben im Garten klingt, ist für den Profi schweißtreibender Ernst, wie Dr. Claus Dethloff schildert. Hammerwurf, Gewichtwurf und Steinstoßen sind die drei Disziplinen, die von den Vertretern dieser Zunft gemeistert werden müssen. Dafür, dass der Rasenkraftsport mehr Aktive und ein größeres Forum erreicht, will Dethloff sorgen. Er ist Vizepräsident beim Deutschen Rasenkraftsport- und Tauziehverband (DRTV) - und dazu einer der Bundestrainer.
Während Niklas und Nina neben Mutter Janet Dethloff auf dem Sofa herumtoben - für Timon, den jüngsten Spross der Familie, ist bereits abendliche Bettruhe befohlen - telefoniert Dethloff. Lange. Es geht, wie könnte es anders sein, um den Sport. Und wenn er von seiner Funktionärstätigkeit erzählt, die er nach seinem richtigen Job in der Finanzwelt ehrenamtlich ausübt, nimmt dies die Ausmaße einer Vorlesung an.
Ein Kadersystem hat er vor eineinhalb Jahren angestoßen, damit der Nachwuchs nicht fern bleibt, mit Lehrgängen und Einrichtung eines Bundesligateams. Das Kampfrichterwesen hat er von Karteileichen entrümpelt und die Qualifikation gesichert. Während alledem galt es, den Wettkampfbetrieb in Gang zu halten - einschließlich Verlegungen in letzter Sekunde. Erstmalig gab es Trainerfortbildungen, auch in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Leichtathletik-Verband.
Mit den Leichtathleten verbindet den DRTV insbesondere eines: der Hammerwurf. Und gerade diese Gemeinsamkeit schafft Konkurrenz, die den DRTV-Vizepräsidenten ein wenig plagt. Konkurrenz sowohl um die Sportler als auch die Zuschauer. Auch Dethloff übrigens kam seinerzeit über den Hammerwurf zum Rasenkraftsport. Nach dem Abitur hatte sich der gebürtige Lübecker dem Leistungssport verschrieben, zog nach einem Intermezzo in Frankfurt in den Kölner Raum um, wo er für Bayer Leverkusen antrat. Zweimal nahm der Deutsche Meister an den Olympischen Spielen teil, wurde Dritter bei der Rasenkraftsport-Europameisterschaft im Jahr 2001. Dass seine Frau Janet, die in dem Haus der beiden in Brüggen die Geschäftsstelle des DRTV eingerichtet hat, auch einen sportlichen Hintergrund vorweisen kann, ist keine Überraschung. Ausgebildet in der Sportschule Cottbus, holte sie 1997 bei den U 23-Europameisterschaften die Silbermedaille. Mein bestes Jahr, wie sie sagt. Dann machte ihr die Achillessehne zu schaffen, woraufhin sie den Leistungssport an den Nagel hängte. Um fit zu bleiben, kickt sie bei der Spielvereinigung Brüggen / Balkhausen / Türnich - die Landesliga hatte sich für die dreifache Mutter als zu zeitintensiv herausgestellt.
Die Leute stehen nicht Schlange, um Sport zu treiben, das hat Dethloff zu seinem Leidwesen erfahren müssen. Und die Jugend, ja die setze mehr auf Trendsportarten als auf Leistung. Trotz allem: Die Nachwuchssituation beurteilt Dethloff als sehr erfreulich. Prominentes Beispiel ist Martin Putze, der 2000 mit dem Deutschen Rekord der Schüler im Steinstoßen aufwartete. Weithin bekannt ist er allerdings durch eine andere Sportart: Bei der Winterolympiade in Turin holte er Gold im Vierer-Bob mit Andre Lange.
Jedes dritte Wochenende ist Dethloff in Sachen Rasenkraftsport - Meisterschaften, Lehrgänge und mehr - unterwegs, und zusätzlich ist jeder Abend seiner Funktionärstätigkeit geweiht. So hat Dethloff sich auch die Vorgabe gesetzt, neue Mitstreiter zu gewinnen und langfristig Arbeit zu übertragen. Der Familie dürfte das gefallen.