WACHTBERG.Es ist acht Uhr am Montagmorgen und eine in Stiefeln und Reitsachen gekleidete Person öffnet das Haupttor des Pferdestalls in der Reitanlage Rodderberg. Der gelernte Pferdewirt (Schwerpunkt Reiten) Karl Schneider beginnt seine alltägliche Arbeit. Im Stall empfangen ihn schon ein Pferdepfleger und eine Bereiterin, die Schneider den ganzen Tag über unterstützen werden.
Zunächst steht das Training von vier der 22 Pferde auf dem Programm. Nach einer kleinen Mittagspause hält Schneider Reitstunden ab, ehe gegen 19 Uhr nochmals vier Pferde von ihm geritten werden. Karl Schneider, der erfolgreichste Reiter des Reit- und Jagdclubs Rodderberg, ist auf dem Weg in die deutsche Springreiterelite.
Noch vor wenigen Jahren durchlebte er die Olympischen Spiele nur im Traum, doch der Wunsch einer Teilnahme kann für den 27-Jährigen l in Erfüllung gehen. Dass er vereinzelt mit den internationalen Topreitern mithalten kann, bewies er unter anderem beim Deutschen Spring-Derby 2002 in Hamburg, als er in der Qualifikation Ludger Olympiasieger Beerbaum hinter sich ließ. Auch mit zwei zweiten Plätzen bei Turnieren in Helsinki und Drammen / Norwegen ließ er die Konkurrenz aufhorchen.
Karl Schneider, der aus einer reitbegeisterten Familie stammt, sammelte seine ersten Reiterfahrungen mit neun Jahren auf einem Pony. Am Anfang hat man doch großen Respekt vor den Pferden, erklärt Schneider. Doch als ihn seine Eltern mit zwei erwachsenen Pferden ausstatteten, entdeckte Schneider seine Leidenschaft zum Springreiten. Auch in der Vielseitigkeit probierte sich der gebürtige Bonner, doch sein Herz schlägt nach wie vor für das Springreiten. Bei rund 30 Turnieren im Jahr heißt die Devise für Schneider, möglichst viele Hindernisse in einer guten Zeit unberührt zurückzulassen.
Garant für so manche Überraschung ist sein Pferd Giorgio, mit dem er rund 15 Mal im Jahr an den Start geht. Mit Giorgio besitze ich ein international erfahrenes Pferd, aber dennoch sind wir auf der Suche nach ein bis zwei Spitzenpferden, um uns langfristig unter den Elitereitern zu etablieren, meint Schneider. Doch wie nah Erfolg und Tristesse beieinander liegen, verdeutliche der ehemalige Olympiasieger Ulrich Kirchhoff, der nach seinem Erfolg in Atlanta nach dem Tode seines Pferdes Jus des Pommes aus der Liste der erfolgreichsten Reiter verschwunden ist.
Geld spielt im Reitsport eine große Rolle, doch wollen wir nicht 500 000 Euro für ein fertiges ausgebildetes Pferd ausgeben, verrät Schneider seine Philosophie. Unser Ziel ist es, junge Pferde mit Potenzial, deren Marktwert auch schon bei 25 000 Euro liegt, zu erwerben und auszubilden.
Als sein großes Vorbild bezeichnet Schneider den mehrfachen Olympiasieger Ludger Beerbaum, dessen Pferdebetieb internationale Klasse besitzt. Ich bewundere, dass Beerbaum immer zum richtigen Zeitpunkt seine Tiere in Form gebracht hat, sagt Schneider. Somit glaubt Karl Schneider mit einem sehr guten Pferd in den nächsten Jahren den Durchbruch zu schaffen. Dabei erinnert er sich gerne an die Olympischen Spiele in Atlanta, wo ein bis dahin unbekannter Reiter namens Ulrich Kirchhoff mit einem Mal den Sprung unter die besten Reiter der Welt schaffte.