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Kirche im KarnevalSogar auf einem Grabstein verewigt

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Innenstadt – Kirchliche Trauungen gehören zu den Aufgaben eines Priesters. Auch wenn die Brautleute im Karneval aktiv sind und an Rosenmontag heiraten wollen. So stand Pfarrer Gerhard Herkenrath gern zur Verfügung, als sich Gerti Breuer und Hans Weißenbach an Rosenmontag 1986 in seiner Kirche St. Alban das Jawort geben wollten (sie fuhren dann als ganz frisch getrautes Ehepaar im Rosenmontagszug mit). Nach der Heirat kam Präsident Köbes Pütz vom Reiterkorps Jan von Werth in der Kirche nach vorn und verkündete: „Dat hät der Pastur jot jemaht. Der es jetz unser Feldkaplan.“ Pfarrer Herkenrath nahm es mit Humor: „Dagegen konnte ich mich gar nicht wehren. In der Theologie nennt man das ,Berufung und Gnade“, lächelt er. Es gibt jedoch viele Zeitgenossen, die der Meinung sind, Herkenrath sei einfach nur himmlisch jeck.

Mittlerweile ist Professor Herkenrath auch Regimentspfarrer bei den Blauen Funken und Funkepastur (Spitzname „Himmelspöözje“) bei den Roten Funken, er ist geistlicher Ehrenrat oder Beirat bei der Traditionsgemeinschaft und der Bürgergesellschaft. Zu seinen regelmäßigen Pflichten gehören eine Messe für die Lebenden und Verstorbenen der Gesellschaften oder eine Mess op Kölsch, Taufen, Trauungen und Beerdigungen. „Mittlerweile habe ich durch den Karneval mehr derartiger Termine als in der Pfarrei. Ich glaube, dass ich mit meiner rheinischen Art ganz gut ankomme - ohne dass ich damit angeben will. ,Der Karneval ist ein eigener pastoraler Sandkasten , sage ich immer.“

Wobei sich oft ernsthafte Gespräche ergeben. So wird Herkenrath auch angesprochen von Vereinsmitgliedern, die sich mit ihrem Heimatpfarrer nicht verstehen, seit Jahren keinen Kontakt mehr mit der Kirche haben oder sogar ausgetreten sind. Dass die Vereine Wert auf Gottesdienste legen, empfindet Gerhard Herkenrath als „schönes Zeichen“: „Es ist ihnen bewusst, dass im Brauchtum das Christliche mit enthalten ist.“

Bei den Uniform tragenden Korpsgesellschaften besteht ein Anknüpfungspunkt darin, dass die Militärs immer einen Feldgeistlichen hatten. „Heute sind auch die karnevalistischen Haudegen um pastorale Erleichterung bemüht“, stellt der Pfarrer amüsiert fest (genau genommen ist er, seit seine Gemeinde in die Pfarrgemeinde St. Gereon inkorporiert wurde, nur mehr „Pfarrvikar“).

Dass so viele Karnevalsgesellschaften geistliche Begleitung suchen, zeigt den Stellenwert der Kirche auch heute noch. „Karneval beinhaltet christliches Kulturgut. Letztlich gehören wir zur Ganzheit einer Schöpfung, deren Schöpfer es uns ermöglichen will, uns zu freuen“, sagt der Geistliche. Die Lebensfreude gehöre zu den Gegenkräften gegen die Widrigkeiten des Alltags. „In sehr vielen Liedtexten aus dem Karneval, vom ,Stammbaum der Bläck Fööss bis zu dem Sebus-Lied ,Lor ens vun Düx noh Kölle , hat der liebe Gott seinen Platz.“

Dem Pfarrer imponiert am Karneval auch, dass sich so viele Aktive im Sozialen und Kulturellen engagieren von den Muuze bis zu den Erdmännchen. „Da gibt es auch gegenseitig Hilfe, wenn jemand in Schwierigkeiten ist. Die Hilfestellungen sind vielfältig. Das Reiterkorps Jan von Werth beteiligt sich etwa an einer Aktion, die Jan von Werth in seiner Geburtsstadt Büttgen mit einer Stiftung initiiert hat. Einmal im Jahr werden dort an Bedürftige Milchbrötchen verteilt.“ Herkenrath kennt viele solcher Beispiele.

Der kölsche Siegburger hat es sogar bis auf einen Grabstein auf Melaten geschafft. Als Heri Blum beerdigt wurde, der als Büttenredner „Ne ärme Deuvel“ einer der Großen im Karneval war, sagte Gerhard Herkenrath bei den Exequien: „Heri wor ene Jode“ („Heri war ein Guter“). „Darf ich das auf den Grabstein schreiben?“, fragte seine Witwe. Der Pfarrer sagte: „Selbstverständlich.“ So geschah es - mitsamt dem schriftlichen Zusatz, von dem das Zitat stammt.