KERPEN. Für Frank Esser hat die Zukunft die Form eines Kubus. Mit hellen, luftigen Räumen, energiesparend und basierend auf dem Prinzip der Einfachheit. Ein Gebäude in Leichtbauweise, bestehend aus unbelasteten, recycelbaren Materialien, hat der Ingenieur in den vergangenen drei Jahren ersonnen. Technik und Bauwerk sollen eine ökologische Einheit bilden, das ist eine von Essers Maximen, und noch dazu soll die Wohn-Schöpfung bezahlbar bleiben.
Die Quadratur des Kreises? Esser könnte sie mit seinem Lichtkubus gemeistert haben, einem 100-Quadratmeter-Haus mit zwei Etagen, geeignet für drei bis vier Personen, im Passivhausstandard. Preis: 79 850 Euro. Reine Bauzeit: zwei Wochen.
In seinem Büro in Blatzheim hält Esser eines der Bau-Elemente hoch, mit dem er sein ehrgeiziges Unterfangen verwirklichen will: eine mehrere Zentimeter dicke Konstruktion aus milchigem, undurchsichtigem Plexiglas. Daraus soll die gesamte, fensterlose Fassade bestehen, die zwar die Sonnenstrahlen durchlässt, neugierige Blicke von außen auf das Hausinnere jedoch nicht. Ebenfalls Bestandteile des Lichtkubus sind hölzerne Doppel-T-Elemente, deren Zwischenräume mit einer Isolation aus Hanf gefüllt werden, der neben anderen Vorzügen Sonnenwärme speichern und wieder abgeben kann. Auch die anderen Materialien wie etwa Platten aus einer Mischung von Holz mit Zement, sollen sowohl für eine gute Energiebilanz sorgen als auch sicherstellen, dass keine Gifte wie Formaldehyd verbaut werden.
Unbelastete Naturbaustoffe eben, wie Esser betont, und alles keine Sachen aus dem Regal. Die Bauteile werden bei Bedarf nach seinen Entwürfen gefertigt, eine maßgeschneiderte Herstellung, die aber schnell zu bewerkstelligen sei, wie er versichert. Höchste Wichtigkeit haben für ihn die Details, die später bei der Zusammenfügung der Bauteile beachtet werden müssen.
Passivhausstandard verspricht Esser für sein Gebäude, das ist eine 90-prozentige Reduktion der Heizkosten gegenüber konventionellen Häusern. Pro Quadratmeter fallen bei dieser Norm nur 15 Kilowattstunden Energieverbrauch pro Jahr an, das sind umgerechnet weniger aus 1,5 Liter Heizöl.
Hausrückseite
komplett verglast
Ein Keller wird nicht gebraucht, in einem schallgedämmten Technikschrank im Erdgeschoss, wo Küche und Wohnbereich angesiedelt sind, werden die großen Haushaltsgeräte wie Waschmaschine Platz finden. Der Rest der Technik wie eine Naturell-Klima- und Solaranlage ist in dem Dachaufsatzkasten untergebracht, der schräg aus dem Flachdach herauslugt.
Einige Kompromisse hat Esser gemacht, um seine Vision vom Passivhaus für den schmalen Geldbeutel - die soziale Komponente ist ihm ebenso wichtig wie die ökologische - in das konkrete Produkt übersetzen zu können. Die komplett verglaste Rückseite des Gebäudes in Richtung Garten etwa wird nur aus einer Zweifachverglasung bestehen, die auch nicht mit einem Edelgas befüllt wird. Ein technischer Rückschritt, der aber durch die anderweitigen energetischen Einsparungen andernorts nicht ins Gewicht falle, so der Ingenieur. Eine Photovoltaikanlage lehnt er ab: Zu teuer und ineffizient, findet er. Besser ist aus seiner Sicht die Herangehensweise, den Stromverbrauch zu senken.
Zahlreiche konventionelle Projekte hat der Ingenieur in der Region verwirklicht, wie er berichtet. Neben der Sanierung der Villa Sophienhöhe und dem Bau eines Studentenwohnheims für das Erzbistum Köln ist das Medienstudio am Adolf-Kolping-Berufskolleg in seiner Reverenzmappe vertreten. Und mehr. Jetzt hat er sich auf ein neues Terrain begeben. Auch, um den von der Politik propagierten Aufbruch aus der Wirtschaftskrise voranzutreiben. Irgendeiner muss es ja anstoßen, findet er.