Die letzte Woche vor der Priesterweihe am 27. Juni ist für die Weihekandidaten mit Exerzitien ausgefüllt. In dieser Zeit werden wir in uns hören, über die Weihehandlung und die Gebete nachdenken und viel schweigen. Ihre Entscheidung, Priester zu werden, müssen Malwin März und Dr. Michael Rieger in dieser Zeit nicht noch einmal grundsätzlich überdenken; das ist längst abgeschlossen. Sie sind zwei der neun Diakone, die am Herz-Jesu-Fest im Dom die Priesterweihe empfangen, und man spürt, wie sehr sie sich darauf freuen.
Mit einer gewissen Anspannung, aber auch mit Gelassenheit, schaut Michael Rieger auf den Tag. Ich erwarte nicht, sagt Malwin März, dass der Himmel nach der Weihe plötzlich rosa ist. Dr. Manfred Becker-Huberti, Chef des Erzbischöflichen Presseamtes, findet für ihre Stimmung ein schönes Bild, dem beide zustimmen: Sie sind wie eine Pfingstrose in der Knospe, die erwartet, dass sie sich öffnet.
Malwin März (30) aus Brühl hat den klassischen Weg hinter sich: In Holweide aufgewachsen, reges Messdiener- und Gruppenleiterleben, nach dem Abitur Studium an der Universität in Bonn. Aus meiner Jugendarbeit ist das Interesse gewachsen, Glaube weiterzugeben und substanziell mit Leuten zu arbeiten.
Der Seitenweg, wie ihn Michael Rieger (39) beschritten hat, wird zunehmend zur Regel. Er stammt aus einer Winzerfamilie bei Deidesheim in der Pfalz, hat fünf ältere Schwestern und einen jüngeren Bruder. Ich hätte der Hofnachfolger werden sollen, sagt der Beinahe-Winzer und hat seinen Spaß an dieser Symbolik, da er ja nun im Weinberg des Herrn arbeiten wird. In jungen Jahren wollte Rieger Priester werden, eine Vorstellung, die er mit 25 verworfen hat. So studierte er Theologie, Erwachsenenpädagogik und Philosophie, promovierte in Dogmatik und wurde im Erzbistum Köln Pastoralreferent.
Er arbeitete auch im Hospizbereich. In der Begleitung Kranker und Sterbender erfuhr er einen geistlichen Impuls, der mich nicht mehr losließ. Der Wunsch, Priester zu sein, erwachte wieder und stärkte sich in Gesprächen mit der Bistumsleitung, vor allem mit Weihbischof Dr. Friedhelm Hofmann.
Was hat man für Erwartungen an das Priesterdasein, in diesen Zeiten? Mich, unterstreicht März, fasziniert die Offenheit des Weges, der vor mir liegt. Ich werde Priester sein in einer Zeit radikaler Änderung. Wir erleben den Abschied von der Volkskirche, ich werde den Glauben übersetzen an ein Publikum, das viele Fragen hat und wenig Konkretes weiß übers Christentum. Der Rahmen ist der Wettbewerb der Religionen, was auch eine Chance ist. Den Rückgang der Gläubigenzahl, wenn er kommt, kann man positiv gestalten.
Beim Menschen sein möchte der 30-Jährige, und ihn fasziniert, dass er an einem Tag etwa ein Trauergespräch führt, sich um den Kindergarten kümmert und ein Brautgespräch leitet. Ich wünsche mir, dass mir Menschen freundschaftlich, ehrlich und kritisch zur Seite stehen, ich will Lehrender und Lernender in einem sein.
Diakon Rieger hofft, dass er weiterhin gute Seelsorge machen kann in größer werdenden kirchlichen Strukturen. Er möchte den Menschen zugewandt Dienst tun, nicht versponnen oder eigenbrötlerisch werden. Ich will keine Sonderstellung in der Gemeinde, sondern mit ihr leben, an Krisenpunkten stehen, Gott entdecken, feiern, dem Leben eine Ausrichtung geben. Transzendenz ist ihm ein wichtiges Stichwort.
Beiden Diakonen ist bewusst, dass sie gerade eine sehr beschützte Zeit erleben. Eine Luxuszeit, sagt Michael Rieger. Eine Zeit der Erwartung, wie es ist, wenn die Pfingstrose sich öffnet.