WINDECK – Von einem Luftschloss kann keine Rede mehr sein. Der Traum vom genossenschaftlichen Wohnen und Arbeiten im alten Waldkrankenhaus wird allmählich Realität. Ende dieses Jahres hofft die Zauberberg-Gruppe, die Großimmobilie an der Hurster Straße in Rosbach erwerben zu können. Nachdem der Sanierungsbedarf berechnet ist, konnte man konkret mit der Kölner Kliniken GmbH verhandeln und sich auf einen „von uns leistbaren Preiskorridor“ einigen, wie Wolfgang Kiehle von der Wohnbund-Beratung NRW gestern der Presse erläuterte, ohne Zahlen zu nennen. Entlocken ließ sich nur, dass ein sechsstelliger Betrag nicht ausreiche, um Sanierung und Kaufpreis zu decken.
Ein Millionenprojekt also, auf das sich die künftigen Genossen einlassen. Deren Kreis ist nach wie vor offen. Interessenten, die sich auf dem „Zauberberg“ niederlassen wollen, können die Initiatoren um Klaus Schröder nun schon genauere Konditionen nennen. So müssen Bewohner eine Einlage von 300 bis 350 Euro pro Wohnquadratmeter leisten, die sie beim Ausscheiden aus der Genossenschaft zurückerhalten. Dazu kommt ein monatliches Nutzungsentgelt von 4,70 Euro pro Quadratmeter plus zehn Prozent für gemeinschaftliche Einrichtungen wie die geplante Bibliothek, einen Salon, Großküche, Speiseraum, Spielzimmer und den parkähnlichen Garten, auf den alle 30 Wohnungen und Appartements auf vier Etagen ausgerichtet sind.
Die gleichen Tarife gelten für Büros. Bei Werkstätten und Künstlerateliers liegt der Genossenschaftsanteil bei 30 bis 50 Euro, die „Miete“ bei 2,25 Euro. Eine Schmuckwerkstatt zählt zu den feststehenden Nutzungen, wie auch Fahrradtourismus, Tagungen und Seminare, Yoga-Schule, Kunst und Kultur durch derzeit 15 Gründer gesetzte Themen sind. Um die Mammutaufgabe der Fenster- und Fassadensanierung, die nicht in einem Rutsch zu bewältigen ist, sondern peu à peu angegangen werden muss, soll sich eine ewige Bauhütte kümmern. „Wie am Kölner Dom“, so Schröder.
Auf der offenen Ideenliste stehen eine Tagesgastronomie, ein Café, Hofladen, Kulturveranstaltungen wie Theater und Dichterlesungen und auch ein Künstlerladen mit „Zauberhaftem vom Zauberberg“ in den Regalen. Vor allem die Kreativen sind von dem Ambiente angetan, insbesondere vom großen Jugendstilsaal der früheren Lungenheilstätte. „Wir hatten schon viele Künstler hier, die sagen: Das inspiriert einen sofort“, so Bildhauer Michael Althausen.
Immer wieder betonen die Zauberbergler, dass sie sich in ihrer Burg keineswegs einigeln wollen. Sowohl die gewerbliche als auch die künstlerische Belegschaft will Strahlkraft nach außen entwickeln. Was die Windecker Beigeordnete Andrea Thiel positiv sieht, wie auch das Einwohnerplus und die Tagungsgäste. „Es kommen Menschen, die sonst nicht nach Windeck gekommen wären.“ Bis es so weit ist, sind freilich noch einige Meilensteine, etwa die Änderung der Bauleitplanung, zu passieren. Laut Kiehle hat die Kliniken GmbH zugesagt, sich 2012 nicht um andere Käufer zu bemühen. Elf Monate Entwicklungszeit für den Zauberberg.
