Was Karnevalsmützen alles erzählen

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Statussymbole bei Männern - für die einen ist es das teure Auto, für die anderen das große Haus. Und bei Karnevalisten? Bei denen ist es die Mütze, die über Rang und Namen Auskunft gibt. Je mehr Strasssteine an der Mütze, je mehr Stickereien, am besten in Gold, desto bedeutender ist der Karnevalist. „Über die Mütze wird die Rangordnung nach außen dargestellt“, bestätigt Georg Steinhausen von den Greesbergern. „Und Männer sind doch ein bisschen wie Kinder“, erklärt sich Reinold Louis den Mützen-Tick, „wenn etwas glitzert, dann wollen sie das auch haben.“

Doch wie kann man überhaupt den Rang an der Mütze ablesen? „Das ist nicht so einfach“, meint Raymund Witte von den „Fidelen Zunftbrüdern“. Aber einige grobe Regeln gibt es doch: Eine normale Gesellschaftsmütze ohne besonderen Rang ist etwa bei den „Zunftbrüdern“ mit einfarbigen Steinen bestickt, ein Vorstandsmitglied kann dagegen bunte Steine aufweisen. Ein Senatsmitglied hat außer den bunten Steinen auch den Schriftzug „Senat“ mit silbernem Garn aufgestickt.

Die Präsidentenmütze - wie sollte es anders sein - ist natürlich auch mit bunten Steinen geschmückt, dazu kommen goldene Stickereien und ein Halbmond. Dieses Symbol ist auf den Präsidentenmützen der meisten Gesellschaften zu finden. Doch wenn man fragt, woher denn der Halbmond als Zeichen für den Präsidenten kommt, dann erntet man bei den meisten nur ratloses Schulterzucken. „Das ist eine ziemlich ungeklärte Sache“, bestätigt Louis.

Trotzdem hat er eine Erklärung parat: Ferdi Leisten war nach dem Zweiten Weltkrieg Präsident der „Ehrengarde“ und hat - wahrscheinlich, so vermutet Louis, um sich von den anderen Korpsmitgliedern abzusetzen - als erster seine Mütze mit einem Halbmond besticken lassen. Seinem Vorbild folgten dann im Laufe der Jahre immer mehr Präsidenten. Vor dem Krieg gab es dagegen solche deutlichen Unterscheidungsmerkmale nicht. „Die einen hatten etwas mehr, die anderen etwas weniger Strassbesatz an der Mütze“, weiß Louis.

Doch ursprünglich hatte die Mütze auch eine ganz andere Funktion, denn mit ihr wollten sich die ersten Karnevalisten des Festordnenden Comité von den Nicht-Karnevalisten abheben - übrigens ab 1827 auf Vorschlag eines preußischen Generalmajors. Später halfen dann die Farben der Mützen, die verschiedenen Korps und Komiteegesellschaften zu unterscheiden.

Und mittlerweile kann man eben sogar schon die Dienstgrade und Funktionen innerhalb einer Karnevalsgesellschaft ablesen. Für Reinold Louis ein ausufernder Trend: „Man sieht ja heute die abenteuerlichsten Mützen. Dass es nicht eine Mütze gibt, auf der Kartenverteiler' drauf steht, ist ja grad alles.“ Schließlich wisse man ja meistens in einer Gesellschaft, wer welche Funktionen innehat. Trotzdem legen die meisten Karnevalisten viel Wert auf ihre Mütze. Wer zum Beispiel bei den „Blauen Funken“ das Großkreuz verliehen bekommt, erhält zusammen mit dem Orden eine Großkreuz-Mütze, die extra mit blauem Strass bestickt ist. Und wer einmal im Dreigestirn war, der hat danach das jeweilige Symbol für Prinz (Pritsche), Bauer (Hut) oder Jungfrau (Spiegel) auf seiner Mütze verewigt.

Doch bei all den verschiedenen Symbolen und Strassbesätzen kann man schon mal den Überblick verlieren. „Wir haben so viele unterschiedliche Mützen, da blicke ich selbst nicht durch“, gesteht „Greesberger“ Steinhauser. „Aber bei unserer nächsten Prunksitzung gucke ich mal etwas genauer hin.“

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