Bei WermelskirchenSo mutig stoppte der Retter den führerlosen Lkw auf der A1

Mit einer waghalsigen Rettungsaktion hat ein Mann einen führerlosen Lkw auf der A1 gestoppt.
Copyright: Polizei Köln
Wermelskirchen – Ein Lkw-Fahrer stirbt am Steuer seines 40-Tonners, das Fahrzeug aber schlingert weiter führerlos über die A 1, schrammt immer wieder die Leitplanke. Erst ein waghalsiger Stunt eines weiteren Lkw-Fahrers beendet am Mittwochabend das Drama in Höhe der Anschlussstelle Wermelskirchen.
Gegen 21 Uhr hatten Zeugen die Polizei über den führerlosen Sattelzug informiert, der mit etwa 15 Stundenkilometern über die A1 zwischen Leverkusen und Remscheid in Richtung Dortmund rollte und in Höhe der Ausfahrt Wermelskirchen immer wieder an der Betonabtrennung entlangschrammte. Was die Zeugen nicht sehen konnten: der 54-jährige Fahrer war nach einem internistischen Notfall hinter dem Steuer zusammengebrochen und zwischen die Sitze gerutscht.
Ein folgender 43-jähriger Fahrer stellte sein eigenes Fahrzeug auf dem Seitenstreifen ab und lief neben dem rollenden Laster her, während andere Brummi-Fahrer, die die gefährliche Situation ebenfalls erkannt hatten, den nachfolgenden Verkehr auf der Autobahn mit ihren Lkws zum Erliegen brachten und weitere Gefahr bannten.
Alles zum Thema Bundesautobahn 1
- Zwischen Bliesheim und Friesheim Brücke bei Erftstadt über A1/61 wird erst 2026 fertig
- Sperrung Kölner Hauptbahnhof Software-Panne durchkreuzt Bahn-Pläne – Kritik an Vorgehen
- Bei Unfall beschädigt Kritik an langer Bauzeit für Brücke über die A1/61 bei Erftstadt
- Alltagshelden Elf Kölnerinnen und Kölner für ihre Zivilcourage geehrt
- ADAC-Modellstudie Was wäre, wenn plötzlich die Bonner Nordbrücke ausfällt
- A1-Weiterbau vor Gericht Wird der Grauspecht das neue Haselhuhn der Eifel?
- A1/A61 L495 in Erftstadt wird gesperrt – Sanierung auf 700 Metern
Versuche, Fensterscheibe einzuschlagen
Als die Autobahnstreife den führerlosen Sattelzug durch die Rettungsgasse kurze Zeit später erreichte, versuchten der 43-Jährige sowie ein 58 Jahre alter Autofahrer, der ihm zur Hilfe geeilt war, von der Beifahrerseite aus die Fensterscheibe des Führerhauses mit einem Stativ einzuschlagen, weil sich die Türen nicht öffnen ließen. Zunächst ohne Erfolg. Dann setzten sich die Polizisten mit ihrem VW Bulli leicht versetzt vor den 40-Tonner, um den Sattelzug herunterzubremsen. Gleichzeitig nutzte der 43 Jahre alte Lkw-Fahrer die Heckstoßstange des Polizeifahrzeugs als Steighilfe, erreichte die Seitenscheibe der Beifahrerseite, schlug sie mit einem Nothammer ein, griff durch das Fenster und öffnete die Tür. Nun konnte er die Trittstufen nutzen, ins Führerhaus einsteigen und das Gespann zum Stillstand bringen.
Der mutige 43-Jährige zog sich nach Polizeiangaben beim Einschlagen und dem Griff durch die Scheibe Schnittwunden zu, die vor Ort behandelt wurden. Anschließend setzte der mutige Mann seine Fahrt im eigenen Lastwagen fort.
Für den Fahrer des Sattelzuges kam hingegen jede Hilfe zu spät. Ein Notarzt stellte den Tod des 54-jährigen Deutschen fest.
Für die Dauer der Rettungsmaßnahmen und der Unfallaufnahme sperrten Polizisten die Fahrbahn in Richtung Dortmund bis 2 Uhr morgens. Der Verkehr staute sich mehrere Kilometer. Die Spedition schickte einen Ersatzfahrer, der den Sattelzug in Wermelskirchen abholte.
Am Donnerstag bemühten sich viele Journalisten um ein Interview mit dem mutigen Lastwagenfahrer. Der aber war nicht zu erreichen, auch wenn die Kölner Polizei versuchte, einen Kontakt herzustellen. Durch sein beherztes Eingreifen hat der 43-Jährige Schlimmeres verhindert. Ein Kollege der Autobahnpolizei kann eine Nachahmung aber nicht empfehlen: „Das hätte auch böse für den Mann enden können, wenn er gefallen und unter den Sattelzug geraten wäre.“

