- Zum 75-jährigen Bestehens der Servais-Werke engagierten die Chefs 1977 Costa Cordalis.
- Irene Ossowski aus Volmershoven-Heidgen war damals 16 Jahre alt.
- Nach dem Tod des Schlagersängers hat sie ihre Erinnerungsfotos wieder hervorgekramt.
Alfter-Witterschlick – „Ganz Witterschlick war damals im Ausnahmestand, das war eines dieser Ereignisse, die man ein Leben lang nicht vergisst!“ Irene Ossowski gerät ins Schwärmen und ein wenig Sehnsucht schwingt in ihren Worten mit. Auf ihrem Gartentisch hat sie Fotos ausgebreitet, teilweise schon etwas vergilbt, manche ein wenig unscharf. Doch den abgebildeten prominenten Sänger erkennt man sofort: Costa Cordalis. 42 Jahre ist es her, als der damals 33-jährige Schlagerstar, der jüngst verstorben ist, die Herzen der meist weiblichen Fans im Sturm eroberte. Es war das Jahr 1977, der Sänger mit den griechischen Wurzeln und Sirtaki im Blut feierte gerade seinen größten Hit: „Anita“. Und er sang ihn auch in Witterschlick.
Irene Ossowski erinnert sich: Anlässlich des 75-jährigen Bestehens der Servais-Werke (heute Deutsche Steinzeug AG) hatten die Chefs für ihre Belegschaft und für die Witterschlicker ein riesiges Geburtstagsfest organisiert. Auch die legendären, 1970 gegründeten Bläck Fööss waren dabei, und eine türkische Folkloregruppe. Doch es waren nicht die „Fööss“, die zu dieser Zeit eher noch eine regionale Größe waren und auch nicht die Folkloregruppe, die das Dorf auf den Kopf stellten, sondern „CC“, wie Cordalis genannt wurde. Es sollte bewusst ein Fest für alle Mitarbeitergruppen sein, so Irene Ossowski. Für die deutschen Kollegen spielten die Bläck Fööss, für die türkischen Arbeiter die Folkloregruppe und für die zahlreichen griechischen Gastarbeiter, wie man damals noch sagte, wurde Costa Cordalis verpflichtet.
Bravo-Starschnitt im Zimmer
Irene Ossowski aus Volmershoven-Heidgen war damals 16 Jahre alt. Gemeinsam mit zwei Freundinnen besuchte sie das große Festzelt, das auf dem Parkplatz gegenüber dem Verwaltungsgebäude an der Servaisstraße aufgebaut war. Ossowski, mittlerweile 58, erinnert sich noch, wie ihr Idol aus Jugendzeiten, von dem sie damals auch einen Bravo-Starschnitt in ihrem Zimmer hatte, ganz unspektakulär mit seinem Chauffeur in einem Audi vorgefahren kam. Die mittleren Buchstaben auf dem Nummernschild lauteten „CC“, das weiß sie noch ganz genau: „Dann stieg er mit seiner Gitarre aus, ging durch die Menschenmenge, grüßte freundlich, nicht arrogant und ganz ohne Starallüren und Security. Ein richtiger Star zum Anfassen.“ Die Landsleute begrüßte er von der Bühne aus in seiner Heimatsprache. Es herrschte ein herzliche Atmosphäre.
Vor allem den weiblichen Fans hatte es der braun gebrannte Barde mit seinen schneeweißen Hemden, dem mediterranen Temperament und dem zarten Schmelz der Stimme angetan: „Es gab viel Geschrei, aber niemand fiel in Ohnmacht. Wir haben uns gefühlt wie im siebten Himmel, wie hypnotisiert“, lacht Irene Ossowski und zeigt stolz ihr Autogramm, das sie neben ihren Bildern wie einen Schatz in ihrem Fotoalbum hütet.
Dauergast in der Hitparade
Costa Cordalis kam als Konstantin Cordalis am 1. Mai 1944 in Elatia in Griechenland auf die Welt. Mit 16 kam er nach Deutschland. 1965 nahm er seine erste Single „Tränen in den Augen“ (im Original „Crying In The Chapel“ von Elvis Presley) auf und landete damit seinen ersten Hit in den deutschen Charts. In den 70ern und 80ern war er Dauergast in den Charts und in der ZDF-Hitparade. Zu seinen größten und bekanntesten Hits zählten „SOS“, „Carolina, komm“, Steig in das Boot heute Nacht, Anna Lena“, „Es stieg ein Engel vom Olymp“, „Pan“, „Dich berühren“ „Wenn der Regen auf uns fällt“ (mit Lena Valaitis) und natürlich „Anita“ (1976, Platz 3 in Deutschland und Platz 1 in der Schweiz).
Der Grieche war auch sportlich aktiv, startete beispielsweise für sein Heimatland Griechenland bei der Nordischen Skiweltmeisterschaft 1985 in Seefeld in Tirol mit. Gemeinsam mit Sohn Lucas feierte er 1997 mit „Viva la noche“ ein Comeback in den Charts und wurde seitdem wieder mehr für Auftritte gebucht. 2004 wurde er in der RTL-Show „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ erster Dschungelkönig. Am 2. Juli 2019 starb Costa Cordalis im Alter von 75 Jahren auf Mallorca. Er hinterließ seine Ehefrau Ingrid und drei Kinder (fes).
In Zeiten von Selfies und Smartphones werden soziale Netzwerke und PC-Festplatten mit Fotos nur so überflutet. Vor 42 Jahren sah die Welt noch ganz anders aus. Fast hätte es von diesem Ereignis überhaupt keine Fotos von Irene Ossowski gegeben. Heimlich hatte sie die kleine Kamera ihres Vaters mit zu dem Konzert genommen: „Mein Vater durfte das nicht wissen. Eine Kamera war sehr teuer, nur meine Mutter wusste Bescheid.“ Gut eine Stunde dauerte der Auftritt. Ossowski erinnert sich noch an Hits wie „Carolina, komm“, „Es stieg ein Engel vom Olymp“ und natürlich „Anita“.
Als am 2. Juli dieses Jahres der Schlagersänger mit 75 Jahren auf Mallorca verstarb, wurden bei Irene Ossowski die Erinnerungen wieder wach: „Da sind schon einige Tränchen gelaufen. Und weil ich die Singles von damals nicht mehr hatte, habe ich mir direkt ein paar seiner Songs heruntergeladen“, erzählt Irene Ossowski, greift zu ihrem Smartphone und es erklingt „Shangri-La“ von 1975. Zufällig entdeckte sie kurz nach Cordalis’ Tod beim Aufräumen einige alte Fotoalben wieder, darunter das von 1977 mit den Fotografien von dem Witterschlicker Konzert. Sie postete eines davon auf Facebook und war nicht die einzige, die sich daran erinnerte: „Die Kollegen reden noch heute gerne davon“, schrieb ein User, der Ossowskis Eintrag kommentierte.
Zum Urlaub geht es nach Griechenland
Musikalisch schlägt Ossowkis Herz seitdem voll und ganz für den Schlager und die Karnevalsmusik. Schließlich ist Ossowski, die übrigens selber 20 Jahre als Mitarbeiterin bei den Servais-Werken tätig war, Mitglied des Witterschlicker Karnevalsvereins „Tonmöhne“, deren Vorsitzende sie von 2013 bis Mai 2019 auch war. Und am 11.11.11 wurde sie zur Karnevalsprinzessin Irene I. von Volmershoven-Heidgen proklamiert. Einen Namen machte sie sich auch als „et Callas vum Heedche“.
„Wenn ich Musik höre, möchte ich sie auch verstehen“, sagt Irene Ossowski, die bestimmt schon 20 Mal bei einem Konzert der legendären Flippers war, aber auch bei den Kastelruther Spatzen, Heino oder Wolfgang Petry.
Doch nicht nur musikalisch prägte sie der „Anita“-Sänger. Wenn die Ossowskis in Urlaub fahren, dann geht es nämlich nach Griechenland, mit ihrem Mann Jürgen fliegt sie seit ihrer Hochzeit 1995 fast jedes nach Kreta.