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Geduld gefragtBahnhofsumbau in Roisdorf wird nicht vor 2030 fertig

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Schön ist anders: Das Bahnhofsumfeld schreckt viele Reisende ab.

Schön ist anders: Das Bahnhofsumfeld schreckt viele Reisende ab.

Die möglichen Maßnahmen verteilen sich auf insgesamt fünf Bauabschnitte.

Dass sich das Umfeld rund um den Roisdorfer Bahnhof in einem desolaten Zustand befindet, ist hinlänglich bekannt. Viele Bewertungen von Nutzern im Internet sind vernichtend: Von einem „Lost Place“, einer „Bauruine“ oder von „katastrophalen Zuständen“ ist die Rede. Dagegen klingt die Beschreibung des Infrastrukturbetreibers go.Rheinland fast schon beschönigend, wenn dieser von einem „noch akzeptablen Zustand“ spricht, wie aus der Sitzungsvorlage des Mobilitäts- und Entwicklungsausschusses (MoVA) hervorgeht. Hauptkritikpunkt: Die fehlende Barrierefreiheit des DB-Bahnhofs.

Rampenanlage muss bis 2028 fertig sein

Das soll sich aber in den kommenden Jahren endlich ändern. Dafür muss Bornheim allerdings auf die Tube drücken, denn bis spätestens 2028 muss die Stadt von beiden Seiten des Bahnhofs, also vom Rosental beziehungsweise von der Bonner Straße, zwingend die notwendigen Rampenanlagen für den barrierefreien Zugang zu den Gleisen gebaut haben, damit die Deutsche Bahn (DB) ihrerseits den barrierefreien Umbau des Bahnhofs in Angriff nehmen kann.

Gelingt der Stadt der Bau der Rampen bis dahin nicht, wird sich die Modernisierung des Roisdorfer Bahnhofs auf unbestimmte Zeit, sprich viele Jahre, verzögern, da die Bahn im Zuge ihrer Modernisierungsoffensive den Hochleistungskorridor zwischen Koblenz und Köln 2028 erneuern wird. Parallel dazu soll der Umbau des Roisdorfer Bahnhofs erfolgen, Bahnreisende müssen sich dann auf eine mindestens fünf Monate lange Totalsperrung der Strecke einstellen. Diese wird voraussichtlich von Anfang Februar bis Mitte Juli 2028 dauern.

Doch damit ist es nicht getan. Insgesamt verteilt sich der Umbau des Bahnhofsumfeldes auf fünf Bauabschnitte. Und der dürfte für die Reisenden eine weitere Geduldsprobe bedeuten, denn die komplette Maßnahme zieht sich noch bis in die 2030er Jahre hinein, wie jetzt im Ausschuss bekannt wurde.

Der Bahnhofsvorplatz an der Bonner Straße soll aufgewertet und attraktiver gestaltet werden, was sich aber noch lange hinziehen wird.

Der Bahnhofsvorplatz an der Bonner Straße soll aufgewertet und attraktiver gestaltet werden, was sich aber noch lange hinziehen wird.

Zur Erinnerung: Erste Ideen zur Umgestaltung des Areals rund um den Roisdorfer Bahnhof wurden bereits in zwei Bürgerwerkstätten 2017 und 2018 gesammelt. 2020 erfolgte die Aufnahme des Bahnhofs in die sogenannte Modernisierungsoffensive III (MOF III) der Deutschen Bahn und des Zweckverbands Rheinland, die das Projekt fördern. 2020 betonten die Verantwortlichen noch ehrgeizig, dass die in der MOF enthaltenden Bahnhöfe bis 2023 ausgebaut werden sollten. Lange Planungssprozesse, fehlendes Personal und fehlende Gelder sorgten für immer weitere Verzögerungen.

Erster Bauabschnitt: An der Straße Rosental soll eine Park-and-Ride-Anlage mit etwa 230 Pkw-Stellplätzen, 46 Fahrradabstellmöglichkeiten und Ladestationen für Elektrofahrzeuge entstehen, wie der Technische Beigeordnete Robert Lehmann vorgestellt hatte. Dafür hat die Stadt das Gelände des ehemaligen Emka-Marktes gekauft, das Gebäude wurde zwischenzeitlich bereits abgerissen. Wie mehrfach berichtet, sorgt nun der geplante Abriss der ehemaligen Versteigerungshalle der Firma Landgard für großen Zündstoff. Zum einen erachten die Heimatfreunde die Fassade des Gebäudes als historisch und schützenswert, zum anderen befinden sich in der Halle die Versorgungsanlagen der benachbarten „Marktschänke“, die sich wiederum auf dem Grundstück der Edeka befindet. Fördergelder für den Abriss wurden bereits beantragt.

Für den konkreten Abriss der Halle muss allerdings ein weiterer Beschluss aus dem MoVA eingeholt werden. Die Entscheidung wurde im März vertagt. Mit einer Vergabe der Planungs- und Ingenieurleistungen für die P&R-Anlage ist daher nicht vor Ende 2027 zu rechnen.

Zweiter Bauabschnitt: Dies ist die dringendste Etappe, um die Modernisierung des Bahnhofs bis 2028 zu erreichen. Hier teilen sich Stadt und Deutsche Bahn die Aufgaben. Die DB ist für den Bau der neuen barrierefreien Personenunterführungen zuständig, die Stadt für die beiden Rampenanlagen. Beides muss Anfang 2028 fertig sein, damit wiederum die Bahn die Gleise und das Gelände während der Sperrphase umbauen kann.

Die Planungen dafür sollen im laufenden Jahr abgeschlossen werden. Die Ausführungsplanung und die Ausschreibung für die Rampen sollen 2027 erfolgen. Bis die Straße Rosental endgültig umgebaut wird, muss die Anbindung der Straße provisorisch angepasst werden, da die Rampenanlagen in die derzeit genutzten Straßen hineinragen. Die dafür noch benötigten Grundstückskäufe von den Firmen Edeka und Landgard stehen laut Verwaltung kurz vor dem Abschluss.

Dritter Bauabschnitt: Dieser umfasst den Umbau der Straße Rosental. Die Planungsleistungen sollen 2028 ausgeschrieben werden, dann erfolgen weitere Vorentwurfs- und Ausführungsplanungen, sodass die Straße wohl erst in den 2030er Jahren umgebaut wird.

Vierter Bauabschnitt: Dieser Bereich betrifft den Bahnhofsvorplatz an der Bonner Straße, der attraktiver werden und autofrei umgebaut werden soll. Auch hier ist vor 2030 nicht damit zu rechnen, dass die ersten Arbeiten beginnen.

Fünfter Bauabschnitt: Schlussendlich soll die Bonner Straße umgestaltet und umgebaut werden. Die Planungsleistungen sollen aber erst ab dem Jahr 2030 von der Verwaltung ausgeschrieben werden.