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Kritik des ADFC Bonn/Rhein-Sieg„Von Verkehrswende noch weit entfernt“

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In Rheinbach stellte der ADFC mit seinem verkehrspolitischen Sprecher Dr. Georg Wilmers (rechts) auf einer Besichtigungstour durch die Innenstadt das Konzept der „Blauen Straßen“ vor, dass dem Radverkehr neue Impulse geben soll.

Rhein-Sieg-Kreis – Die Kreistagsfraktion der SPD unterstützt die Forderung des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) an die Politik, nach den Wahlen nun den Worten Taten folgen zu lassen. Der Kreis, so der ADFC, solle die Koordinierungsarbeit für die rasche Umsetzung von Radpendlerrouten in den Städten und Gemeinden leisten.

Die SPD ist sich mit den Radfahrern einig: „Die Verkehrswende muss endlich vorangebracht werden und Radpendlerrouten sind ein wichtiger Teil davon“, meint Denis Waldästl für die Kreistagsfraktion. „Gerade der Neubau der A 565 in Bonn wird dazu führen, dass die Pendler in den nächsten Jahren viel im Stau stehen werden. Es muss attraktive Angebote geben, auf’s Rad umzusteigen“, ergänzte Dietmar Tendler. Ute Krupp (Rheinbach) sicherte die Unterstützung der Fraktion im Kreistag zu.

Von Verkehrswende noch weit entfernt

Für die CDU teilt deren verkehrspolitischer Sprecher, der Alfterer Oliver Krauß, „im Grundsatz“ die Auffassung des ADFC, „dass wir von einer wirklichen Verkehrswende noch weit entfernt sind und wir hier auf allen politischen Ebenen nicht nur mehr tun können, sondern auch mehr tun müssen“. Die Kritik der Radfahrerlobby sei daher „unter’m Strich“ gerechtfertigt.

Krauß: „Im Vergleich zu den finanziellen Mitteln, die in das System ,Straße’ fließen, aber auch im Vergleich zur diesbezüglichen Personalausstattung, vor allem auf Bundesebene, müssen wir hier mehr zur Förderung des Fahrradverkehrs tun. Auf Landesebene erhoffen wir uns vom geplanten Fahrradgesetz dringend benötigte Impulse.“ Richtig sei aber auch, dass gerade der Rhein-Sieg-Kreis unter den gegebenen Voraussetzungen mit aller Kraft versuche, viel für den Fahrradverkehr zu erreichen, betonte der Alfterer.

Landesplanung

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub in Nordrhein-Westfalen begrüßt die Pläne des NRW-Verkehrsministeriums, im kommenden Jahr 54 Millionen Euro in den Ausbau des Radwegenetzes zu investieren und Personal bei Straßen.NRW für den Radwegebau aufzustocken. Eine Steigerung um 15 Millionen Euro sei zwar erfreulich, aber nur ein Siebtel des Geldes, das in Straßen gesteckt werde, sagte der ADFC-Landesvorsitzende Thomas Semmelmann: „Wir sehen auch am Beispiel der Autobahn A 40, dass die Reparaturarbeiten nach dem schweren Lkw-Unfall in nur drei Wochen möglich waren. Dagegen ist der erste Radschnellweg Deutschlands, bei uns im Ruhrgebiet, der RS1, seit Jahren ein Flickenteppich, bei dem es nicht vorangeht. Und die anderen geplanten Radschnellwege scheinen Lichtjahre entfernt. Kein Autofahrer würde es akzeptieren, wenn Autobahnen in dem Tempo gebaut oder repariert würden. Was wir brauchen, ist nicht allein Geld, sondern sind deutlich mehr Planer als bisher, damit Radschnellwege nicht nur auf dem Papier möglich sind, sondern auch endlich schnell gebaut werden können.“ Hendrik Wüst hatte am Montag den Verkehrsetat für das kommende Jahr vorgestellt. (Bir)

Er kritisiert, dass der ADFC nicht erwähnt habe, „was wir im Rhein-Sieg-Kreis – gerade im Gegensatz zu anderen – schon alles erreicht haben“. Das gehöre zu einer sachlichen Auseinandersetzung zwingend dazu.

Fest stehe, dass der Kreis seit Jahren aktiv daran arbeite, die Bedingungen für den Radverkehr zu verbessern, den Radverkehrsanteil zu erhöhen und so einen Beitrag zur Mobilitätswende/ Verkehrswende zu leisten. „Der Kreis – Politik und vor allem Verwaltung – koordiniert und organisiert, wenn das von den beteiligten Partnern gewünscht wird“, so Oliver Krauß, „er ist in viele Planungen involviert, kann aber faktisch aktiv nur Radwege an den eigenen Kreisstraßen planen und bauen“. Hierfür habe die Kreisverwaltung zwei neue Ingenieurstellen eingerichtet. Zudem habe er sich durch die Einstellung einer Radwegemanagerin eindeutig dazu bekannt, die Beschilderung und Themenrouten mit Hilfe von Wegepaten und durch eine Mängelbeseitigung in Zusammenarbeit mit den Bauhöfen vor Ort zu pflegen und zu sichern. Überall dort, wo der Rhein-Sieg-Kreis in eigener Zuständigkeit agieren könne und keine aufwendigen Planverfahren notwendig seien, könnten auch gute Ergebnisse vorgezeigt werden, erklärte Krauß weiter.