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RepaircaféEhrenamtlich in Meckenheim schrauben, kleben, nähen und löten 1500 Stunden

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Akribische Arbeit in der evangelischen Friedenskirche. In der Bildmitte mit rot-blauem Pulli: Günther Felten.

Akribische Arbeit in der evangelischen Friedenskirche. In der Bildmitte mit rot-blauem Pulli: Günther Felten. 

Die Ehrenamtlichen vom Meckenheimer Repaircafé können an ihrem dritten Geburtstag eine erfreuliche Bilanz ziehen.

Jutta LaegeMeckenheim Diese Truppe lässt (fast) nichts unversucht: Unter dem munteren Motto „Maach et widder janz“ werkeln seit genau drei Jahren inzwischen 20 Ehrenamtliche an all den Alltags- und Gebrauchsgegenständen, die unser Leben erleichtern – und ohne die wir meistens aufgeschmissen sind. Das wird immer dann klar, wenn das geliebte Gerät kaputt geht und die Frage im Raum steht: Kann das weg oder lässt es sich retten?

Sparschwein steht bereit

Die Freiwilligen von „Maach et widder janz“ würden ganz sicher sagen: Das kriegen wir schon hin! Gründer und leidenschaftlicher Reparierer Günther Felten ist stolz auf die Bilanz, die er mit seinen Mitstreitern nach drei Jahren ziehen kann: Gut 75 Prozent der kaputten Geräte konnten wieder in Funktion gebracht werden.  

„Wir haben bisher rund 1500 Stunden ehrenamtlich geleistet, um die Geräte der Bürger wieder instandzusetzen“, hat Felten errechnet. Und noch eine Zahl beeindruckt: Da keine Neugeräte gekauft werden mussten, sparten die Meckenheimer mit der „Maach et widder janz“-Hilfe rund   43.700 Euro und damit außerdem, so Feltens findige Berechnung: rund 11,4 Tonnen CO2.

Besonderer Hingucker: Eine Kindernähmaschine, die repariert wurde.

Besonderer Hingucker: Eine Kindernähmaschine, die repariert wurde.

Nachhaltigkeit liegt den Reparierern am Herzen, aber mehr noch das gemeinsame Tun und Helfen. Felten hatte die Idee zum Repaircafé, weil er selbst Leidtragender der Flut 2021 war und nach all der Unterstützung etwas zurückgeben wollte. Er startete in einem sozialen Online-Netzwerk in Meckenheim einen Aufruf und hatte ganz schnell aktive Mitstreiter. Aus sieben „Schraubern“, so nennen sie sich selbst, sind in nur drei Jahren 20 geworden: 16 Männer und vier Frauen. Außerdem gibt es inzwischen eine Kooperation mit der Kreativen Gruppe Altendorf, die aus mehreren Frauen besteht, die einmal im Quartal mit anpacken. Sie kümmern sich dann zum Beispiel um Näh- und Flickarbeiten, reparieren mit Nadel und Faden Teddybären und Puppen oder leimen Holzspielzeug.

Am gefragtesten sind aber die Reparaturdienste bei Haushaltsgeräten. Felten hat spannendes Zahlenmaterial dazu: Allein im Jahr 2025 wurden 19 Staubsauger, acht Kaffeevollautomaten, acht Nähmaschinen, sechs Dampfbügeleisen und fünf Mixer erfolgreich repariert. Und auch in diesem Jahr ist die Quote an Elektrogeräten ähnlich hoch.

Wir haben bisher rund 1500 Stunden ehrenamtlich geleistet, um die Geräte der Bürger wieder instandzusetzen
Günther Felten, Initiator von „Maach et widder janz“

Manchmal seien es nur kleine Ersatzteile, manchmal liege es einfach auch an schlechter Pflege der Geräte. Kalk ist da ein Thema, aber auch Verschmutzungen, die den Geräten schadeten. Kaputte Akkus oder Batteriefächer gehören zu den Klassikern, ebenso defekte Kabel oder Stecker.

Die Ersatzteile hat die Truppe meist vorrätig. Bei größeren Ausfällen oder notwendigem Austausch von Motoren oder ähnlichem muss auch schon mal bestellt werden. „Wenn es teurere Ersatzteile sind, müssen die natürlich auch bezahlt werden.“ Kleinstmaterial wie Schrauben, Federn oder Kabel haben die „Schrauber“ sofort da und können es einsetzen. Dann gibt es natürlich ein Sparschwein, in dem – möglichst großzügig – ein Obolus für Dienstleistung und Material hinterlassen werden kann.

Der Thermomix von 1961, Helfer Peter Smigielski mit einem defekten Kinderspielzeug, einem Hubschrauber.

Der Thermomix von 1961, Helfer Peter Smigielski mit einem defekten Kinderspielzeug, einem Hubschrauber.

Das Repaircafé bietet neben den rein technischen Hilfen aber auch die Gemeinschaft: „Man sollte das Soziale nicht unterschätzen“, betont Felten: „Wir geben vielen eine Aufgabe, die sie erfüllt. Und es fasziniert und überrascht mich immer wieder, mit welcher Ausdauer, oft über Stunden, jeder Versuch gemacht wird, das liebgewonnene Gerät des Kunden noch zu retten. Vor allem bei Spielzeugen oder schon sehr alten Teilen wird geschraubt, gelötet, geklebt, genäht, bis das Ergebnis alle zufrieden stellt.“

Die Kunden säßen dann oft dabei, unterstützten, fieberten mit und erzählten, warum sie an manchem   alten Teil so hingen. Zu den ältesten Geräten im Repaircafé gehörten übrigens, so erinnert sich Felten, ein Mixer von 1960 und ein Thermomix von 1961.

Apropos Alter: Dass ehrenamtliche Reparaturwerkstätten nur etwas für Rentner sind, stimmt nur bedingt. Auch wenn der gelernte Elektromeister Felten selbst im Rentenalter ist, kann er doch auf Nachwuchs in der Truppe verweisen. „Bei uns engagieren sich Leute von 17 bis 85“, erzählt er. Ein Junge aus einem Kinderheim und ein Junge aus einer integrativen Gruppe sind mit dabei. Wenn Kunden, umgekehrt, ein bisschen älter sind, gibt es sogar Hausbesuche. Wie bei der 92-Jährigen, die ihre defekte Nähmaschine verständlicherweise nicht mehr zum Café schleppen konnte. Eine Frau aus dem „Maach et widder janz“-Team fuhr hin, machte das Gerät fit und einen Menschen glücklich.

Repaircafé-Termine – vor Ort und auf Tour

Ob Akkusauger oder Toaster, Bohrmaschine oder Fön, Kassettenrekorder oder Zerkleinerer: Die Ehrenamtlichen vom Repaircafé Meckenheim kümmern sich um all Reparaturen von A bis Z. Sie sind anzutreffen jeden zweiten Freitag im Monat, jeweils von 16 bis 18 Uhr in der Friedenskirche, Am Neuen Markt/ LeeMee Platz.

Die nächsten Termine bis zu den Sommerferien sind dann wieder am 8. und 22. Mai, 6. und 19. Juni und 17. Juli. Neben dem „normalen Betrieb“ des Repaircafés gibt es auch Besuche im Kindergarten unter dem Titel „Repair for Kids“ , in denen mit der „Kreativen Gruppe Altendorf “Kinderspielzeug repariert wird und Kinder lernen, dass nicht alles sofort weggeworfen werden muss.

Am 5. Juni steht das Repaircafé zudem im Zeichen der Zusammenarbeit mit der Kuscheltierklinik. Dann stehen Plüschtiere im Mittelpunkt der Reparaturaufgaben. Es gibt weitere Projekte, die das „Maach et widder janz“ -Team in der Planung hat wie beispielsweise eine Fahrradreparatur, bei denen Migranten mithelfen können, eine Gebrauchtgerätebörse und Hilfen bei Näharbeiten.

Die Arbeit des Repaircafés wurde schon im Jahr der Gründung auszeichnet – mit dem Klimaschutzpreis der Westenergie und der Stadt Meckenheim. All das und noch mehr wollen die Ehrenamtlichen heute Abend anlässlich ihres dritten Geburtstages feiern. Ab 19 Uhr treffen sich die Schrauber mit dem gesamten Team. Auch Bürgermeister Sven Schnieber will zum Gratulieren kommen. (jul)