Abo

NeuerscheinungAlexander Ludwig zeigt erstaunliche Blicke auf die Eifel

6 min
Der Hohenzollernzurm bei Bad Bertrich in der Eifel ist vor einem in spektakulären Orangetönen gefärbten Himmel zu sehen.

In spektakulären Farben zeigt Alexander Ludwig den gusseisernen „Hohenzollernturm“ bei Bad Bertrich.    

Das Buch „Sagenhafte Eifel“, ein Bildband von Alexander Ludwig und Antje Bayer, bildet weite Teile der Region ab, hat aber auch Schwächen.

Zuweilen sieht Wasser wie Seifenlauge aus – ohne, dass auch nur ein Tropfen Spülmittel in den Fluss gelangt ist. Alexander Ludwig greift für die Fotos in „Sagenhafte Eifel“ immer wieder zum stilistischen Mittel dieses Schleier-Effekts. Damit ist eine Langzeitbelichtung gemeint, um die Fließgeschwindigkeit von Wasser abzubilden. Beispiele für diesen Effekt sind im Buch etwa ein Motiv der Rur in Monschau am Roten Haus, der Bayehon-Wasserfall im Naturpark Hohes Venn-Eifel beim belgischen Örtchen Longfaye oder der Dreimühlen-Wasserfall bei Nohn in der Vulkaneifel.

Kleine Flüsse und wilde Bäche gibt es in der wasserreichen Eifel genug, dazu Seen, Maare, Talsperren und die Palsen im Hohen Venn. Stehende Gewässer locken Fotograf Alexander Ludwig natürlich auch. Denn eine sagenhafte Atmosphäre sollen die Bildmotive immer haben. Deshalb war Ludwig oft im Morgengrauen oder zur Abenddämmerung auf Motivsuche, gerne auch bei Nebel oder Dunst.

Mit Filtern steigert Alexander Ludwig die dramatische Stimmung der Fotos

Der Einsatz von Filtern und die Nachbearbeitung gehören für Ludwig dazu. Da ist zum Beispiel der exotisch anmutende gusseiserne Hohenzollernturm oberhalb von Bad Bertrich – erstaunlich bunt der Eifelhimmel, erstaunlich satt die Farben. Kann das von Natur aus so sein? „Das sah wirklich so aus“, sagt Alexander Ludwig zu dem spektakulären Bild. Allerdings setzte er Grau- und Verlaufsfilter ein, um die dramatische Stimmung zu steigern.

So entstanden Bilderreisen durch eine teils seltsam illuminiert wirkende Eifel, von der aber weite Teile zwischen Aachen, Bonn, Koblenz und Trier, inklusive den Abstechern in die belgischen Ardennen und die „Kleine Luxemburgische Schweiz“, abgebildet werden. Das leisten längst nicht alle Eifel-Fotobände. Und: Es gibt eine ganze Reihe wirklich gelungener Aufnahmen.

Das Foto zeigt das Denkmal am „Hexentanzplatz“ im Wald oberhalb von Neuerburg in der Eifel.

Eine der schönsten Aufnahmen im Buch ist die des im Sonnenlicht verwunschen wirkenden Denkmals am „Hexentanzplatz“ im Wald oberhalb von Neuerburg.

Das Foto zeigt das Cover des Buches „Sagenhafte Eifel“.

Sagenhaft wird die Eifel im Buch dargestellt.

Im Detail bleiben allerdings manche Fragen. Da wäre etwa die „Sanfte Vordereifel“, womit die westlichen Teile der Kreise Euskirchen und Düren gemeint sind, die man aber eher als Voreifel oder Teil der Nordeifel bezeichnet. Vordereifel heißt hingegen die gleichnamige Verbandsgemeinde im Landkreis Mayen-Koblenz mit Orten wie Monreal oder der Burg Eltz.

Das „Naturwunder Rureifel“, wo „Wasser glitzert und Wiesen duften“, bleibt ohne jedes direkte Bild der Rurseen oder auch des Kallbachtals im Hürtgenwald. Ein Bild, das den im Morgenlicht glitzernden Rursee verspricht, zeigt vor allem einen Schaukelbaum, der dem Autor wichtig ist, aber nur weit entfernt eine kleine Ecke der Seenplatte. Beim Hohen Venn dürfen die Geschichte und das Bild des „Kreuz der Verlobten“ nicht fehlen. Uralte Wälder werden in dem der Nordeifel gewidmeten Kapitel versprochen – zu sehen ist ein vergleichsweise junger Altersklassenwald. Uralt ist hingegen die offenbar bei den Autoren beliebte Süntelbuche oberhalb des Seidenbachtals bei Blankenheim.

Die Osteifel wird immer häufiger in Gesamtdarstellungen berücksichtigt

Kern des Buches ist wie bei vielen Autoren die „Mysteriöse Vulkaneifel“. Natürlich wird die Sage des im Weinfelder Maar untergegangenen Schlosses von Texterin Antje Bayer zitiert. Das Motiv eines Maares ist allerdings ein nicht näher bezeichneter Tümpel mit einem abgewrackten Ruderboot. Berge und Burgen gibt es in der Osteifel, die zunehmend häufiger in Eifel-Gesamtdarstellungen berücksichtigt wird.

Dem Naturpark Südeifel, genauer ist die Region zwischen Neuerburg und Bollendorf am deutsch-luxemburgischen Grenzfluss Sauer gemeint, wird Platz eingeräumt. Der sinnvolle Abstecher in die angrenzende „Kleine luxemburgische Schweiz“ ist erfreulicherweise mitberücksichtigt. Schließlich werden die Ahreifel und die Eifelseite des Moseltals vorgestellt. Auch das ist nicht unbedingt in allen Eifel-Bildbänden so.

In den Texten fallen auch Schwächen und Fehler auf

Blickt man in die Texte, dann fallen leider Schwächen und Fehler auf. Der heilige Hermann-Josef soll bis zum Lebensende als Mönch im Kloster Steinfeld gelebt haben, heißt es im Text. Tatsächlich starb er in Zülpich-Hoven, seine Gebeine wurden nach Steinfeld überführt. In Heimbach wird die Burg Hengebach und die Sage der zwei feindlichen Brüder gewürdigt, die dort heute bestehende Kunstakademie aber vergessen. Das pittoreske Monreal bei Mayen hat zudem im Text nur eine Burgruine, wo es aber deren zwei sind. „Maifeld“ wiederum ist in einem Bildtext ein Eifeldorf, tatsächlich aber die Bezeichnung für einen Landstrich bei Münstermaifeld.

Beim Eintrag zu Bad Münstereifel wird jeder Hinweis auf die schweren Zerstörungen durch die Flut im Juli 2021 weggelassen. Überhaupt wird die Naturkatastrophe, die Teile der Eifel schwer getroffen hat, nur kurz auf den Seiten zum Ahrtal erwähnt. Was etwa an Erft, Urft und Olef, an all den kleinen Bächen, rund um die Steinbachtalsperre, aber auch in Stolberg geschah, fehlt komplett. Schließlich tauchen ganze Eifel-Ecken in Wort wie Bild überhaupt nicht auf: Die Westeifel bei Prüm, der sich nördlich anschließende Islek oder das „Bitburger Gutland“. Auch die gesamte Region rund um Wittlich fehlt.

Es stellt sich die Frage, welches Bild der Eifel hier gezeigt werden soll. Diese „Sagenhafte Eifel“ ist eine verklärte, geheimnisvolle Landschaft, in der es überraschenderweise kaum Kleinstädte und wenige Dörfer, dafür umso mehr Burgruinen gibt. Das ist nicht ganz falsch und offenbar gewollt. Aber doch nur die halbe Wahrheit.


Alexander Ludwig/Antje Bayer: Sagenhafte Eifel – Eine Reise zu mystischen Orten. Frederking & Thaler, München, 2025. 192 Seiten, farbig bebildert. 39,99 Euro. ISBN 978-3-95416-416-5

Eifel-Fotos von Alexander Ludwig sind neben Fotos von Oliver Gundlach und Skulpturen von Evelyn Sauer im Kulturhaus Alte Schreinerei in Hillesheim, Burgstr. 19, bis zum 7. Juni zu sehen, Öffnungszeiten samstags, sonntags sowie an Feiertagen von 13 bis 18 Uhr.


Für Alexander Ludwig ist Fotografie eine Kunstform

Was ist für Sie das Besondere an der Eifel?
Die Vielfalt und Unberührtheit der Natur. Man entdeckt immer wieder Ecken, wo man alleine ist.

Was ist Ihr Lieblingsort in der Eifel geworden?Der Schaukelbaum oberhalb des Rursees. Ein magischer Ort. Man blickt auf die Rurseen im Tal, der Nebel liegt noch drüber…

Das Porträt zeigt den Fotografen Alexander Ludwig vor einer hellbraun marmorierten Wand.

Alexander Ludwig geht es nicht darum, dokumentarische Fotos zu machen.

Ist die Eifel einfach zu fotografieren?
Nein. Es gibt eben viel Wald, viel Natur, die Kontrastunterschiede muss man in den Griff bekommen.

Bearbeiten Sie auch deshalb ihre Bilder? Und warum die Langzeitbelichtungen bei Gewässern – das Wasser sieht dann aus wie Seifenlauge?
Die Langzeitbelichtung ist ein künstlerischer Ausdruck, so will ich die Bewegung des Wassers zeigen. Ich weiß, dass sich an dieser Technik die Geister scheiden. Ich nutze ausschließlich Grau- und Verlaufsfilter. Die Kontraste sollen deutlicher werden, es entsteht so auch mehr Dynamik. Für mich ist Fotografie eine Kunstform. Mir geht es nicht darum, dokumentarische Aufnahmen zu machen. Aber welches Foto ist schon so, wie es aufgenommen wurde?

Am Ende wird die Eifel sagenhaft?
Das hat sie eben in sich! Ich wollte keinen weiteren klassischen Eifel-Reiseführer machen.