Abo

KunstschatzÜberraschende Entdeckung auf dem Dachboden des Muffendorfer Pfarrhauses

Lesezeit 3 Minuten

Bonn – Einen überraschenden Fund haben Mitglieder der Katholischen Kirchengemeinde St. Martin und Severin in Bad Godesberg auf dem Speicher des Pfarrhauses von Muffendorf gemacht.

Bei einer Begehung für eine bevorstehende Renovierung wurden auf dem Dachboden drei in Vergessenheit geratene Gemälde wiederentdeckt.

Dabei handelt es sich um zwei barocke Bilder und ein neuzeitliches Kunstwerk mit sakralen Motiven. Sie sollen nun für rund 40.000 Euro restauriert und anschließend voraussichtlich an verschiedenen Orten aufgehängt werden.

Alles zum Thema Erzbistum Köln

Schlechter Zustand der Gemälde

„Wir waren von diesem Fund mehr als überrascht und freuen uns, diese wertvollen Kunstwerke bald wieder der Öffentlichkeit zugänglich machen zu können“, sagt Pfarrer Dr. Wolfgang Picken. Leider seien die Gemälde wegen der jahrzehntelangen Lagerung auf dem Speicher in einem sehr schlechten Zustand.

„Wir haben sie begutachten lassen und werden ihre aufwendige Restaurierung in Auftrag geben, sobald die Finanzierung sichergestellt ist“, so der Pfarrer weiter. Die Restaurierung kostet voraussichtlich 40.000 Euro.

Das Erzbistum Köln hat laut Picken bereits eine Beteiligung zugesagt. Ein Antrag bei der Stiftung Denkmalpflege wurde ebenfalls gestellt. Den verbleibenden Teil hofft die Gemeinde mit Spenden aus der Bevölkerung decken zu können.

Wo die Gemälde anschließend zu sehen sein werden, ist noch nicht entschieden. In Alt St. Martin werden die barocken Altarbilder wohl nicht aufgehängt, weil sie nicht zum romanischen Stil der Kirche passen und die Luftfeuchtigkeit dort zu hoch ist.

Das monumentale Gemälde aus der Neuzeit könnte in einer Nische der Kirche St. Marien einen Platz finden. Sie stammt aus der gleichen Zeitepoche wie das Kunstwerk.

Aus dem 17. Jahrhundert

Die beiden barocken Gemälde des Speicherfunds stammen aus dem 17. Jahrhundert und waren nach Angabe von Pfarrer Picken ursprünglich Bestandteil zweier Altäre der romanischen Kirche Alt St. Martin in Muffendorf.

Die Bilder, die jeweils 1,46 mal 1,02 Meter groß sind, stammen aus den Niederlanden und zeigen den Muffendorfer Pfarrpatron St. Martin und die Heilige Familie.

„Die beiden Altarbilder zeugen von tiefer Religiosität und künstlerischer Ausdruckskraft“, erklärt Pfarrer Picken. Laut Aufzeichnungen waren beide Gemälde seit dem Ende des 19. Jahrhunderts neu gerahmt im Pfarrhaus untergebracht.

Weil in Muffendorf die neue St. Martinskirche gebaut worden war, wurde das alte Gotteshaus nicht mehr genutzt. Deshalb wurden die Kunstwerke aus dem Sakralbau entfernt.

Das dritte Gemälde mit einer Größe von 1,86 mal 2,25 Meter zeigt das Werk „Auferweckung des Lazarus“ des Künstlers Robert Böninger und wird auf das Jahr 1896 datiert. Der 1869 als Sohn deutscher Eltern in London geborene Böninger besuchte von 1888 bis 1897 die Düsseldorfer Kunstakademie und gehörte dem jüngeren Jahrgang der Jansenschule an.

Altmeisterliche Tiefe

Die „Auferweckung des Lazarus“ mit lebensgroßen Figuren gehört zu seinen frühen Werken. Es zeichnet sich nach zeitgenössischen Bewertungen durch eine fast altmeisterliche Tiefe und Leuchtkraft der Farben aus. „Das Bild wird viele Menschen, die von Tod und Trauer betroffen sind, zutiefst berühren. Es bezieht den Betrachter in die Szene mit ein und strahlt eine große Würde und Hoffnung aus“, beschreibt Picken.

Das Kunstwerk sei das Katalogblatt der Kunstausstellung anlässlich der 200-Jahr-Feier der Akademie der Künste 1896 in Berlin gewesen. Wie es in den Besitz der Kirchengemeinde kam, ist noch unklar.

Aufzeichnungen zu Folge wurde es zunächst in der neuen Kirche St. Martin aufgehängt und später ebenfalls im Pfarrhaus untergebracht. Böninger selbst wurde auf dem Muffendorfer Friedhof bestattet. (r.)

Rundschau abonnieren