Weder Mensch noch Material geschontAuf dem Itzbachring in Waldorf fuhren 190 Autocross-Fahrer

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Drei Rennautos durchfahren eine Kurve auf dem Itzbachring.

Reichlich Action bekamen die Besucher von den insgesamt 190 Fahrern auf dem Itzbachring geboten.

190 Fahrer waren beim Autocross auf dem 550 Meter langen, generalüberholten Itzbachring in Blankenheim-Waldorf am Start.

Wenn der Frühling in die Eifel kommt,   kehrt auch das vielfältige Leben zurück. Die Vögel beginnen zu singen, die Insekten kommen aus ihren Winterquartieren. Und auch die Autocrossfans, die während des Winters in den heimischen Garagen an ihren Gefährten geschraubt haben, treffen sich   auf dem Itzbachring in Waldorf, um ihrem spektakulären Hobby nachzugehen.

In diesem Jahr war die   Begeisterung besonders groß, wie Horst Klas mit zufriedenem Lächeln berichtet. „Unsere Meisterschaft platzt aus allen Nähten. Wir sind mit Abstand der stärkste Veranstalter weltweit“, so der Präsident der Südwestdeutschen Autocrossmeisterschaft, zu der die auf dem Itzbachring ausgetragenen Rennen gehören. In der Serie um die deutsche Meisterschaft fahren 60 Teilnehmer, in der um die Europameisterschaft 80. Im ersten Rennen seien rund 250 Teilnehmer an den Start gegangen. Und auch in Waldorf kam eine Rekordbeteiligung zustande. Mit 190 Teilnehmern sei das Limit der winzigen Rennstrecke erreicht, so Klas.

Auch zahlreiche Frauen sind beim Motorsport in Waldorf am Start

Waldorf ist beliebt bei den Fahrern. „Im letzten Jahr waren alle so begeistert von der Veranstaltung, dass sich jetzt durch Mundpropaganda noch mehr angemeldet haben“, sagte Verena Linden, Schriftführerin des veranstaltenden AC Waldorf.

Zum zweiten Lauf der Südwestdeutschen Autocrossmeisterschaft präsentierten die Fahrer ihren Sport in Waldorf hautnah und zum Anfassen. Viele Zuschauer genossen die Gelegenheit, die Rennen nah an der Strecke verfolgen zu können – und im Zweifel auch mal eine Ladung Staub oder Steine abzubekommen. Autocross ist laut, es stinkt, es ist rasend unterhaltsam. Ein Event für richtige Männer? Längst nicht nur: Am Steuer sind auch viele Frauen anzutreffen.

Auf ihren Einsatz warteten die Autos in einem Zelt im Fahrerlager.

Auf ihren Einsatz warteten die Autos im Fahrerlager.

Action pur ist angesagt, wenn die Piloten in den verschiedenen Klassen auf der Rennstrecke sind. Weder Material noch Gegner werden geschont – und die Karosserie gern als überzeugendes Argument beim Überholmanöver eingesetzt. Wozu auch Rücksicht nehmen? Das Blechkleid der meisten Vehikel weist in der Regel bereits vor dem Start mehr Beulen als fein polierten Lack auf.

Auf der Piste geht es zuweilen recht wild zur Sache

Im Inneren der Fahrzeuge ist kaum noch etwas vorhanden, das an das ursprüngliche Serienfahrzeug erinnert. Sicherheit hat höchste Priorität, die Bremsleuchten sind überdimensioniert. Ein Überrollkäfig ist genauso Standard wie der Ausbau sämtlicher Scheiben und des Interieurs. Nur ein rudimentäres Instrumentenbrett gibt noch Auskunft über Motordaten. Dagegen sind Schalldämpfer unnützes Beiwerk. Richtig Stimmung ist zum Beispiel angesagt, wenn die Crosscarts an den Start gehen. Es sind viele, sie sind schnell, und auf der Piste geht es wild zu.

Eine Generalüberholung haben die Helfer des AC Waldorf um den Vorsitzenden Rudolf Linden   dem rund 550 Meter langen Kurs während der Corona-Pause verabreicht. So wurde der Start ans nördliche Ende der Strecke verlegt, was den Piloten etwas mehr Zeit gibt, sich vor der ersten Kurve zu sortieren.

Das Waldorfer „Loch“ ist immer noch eine Herausforderung

„Hier passen jetzt drei Autos nebeneinander“, so Linden. Ein Luxus gegenüber dem schmalen, kanalartigen Bereich im unteren Teil der Strecke, dem „Loch“, in dem es   eng werden kann.

„Die Fahrer sind begeistert von der Strecke“, sagt Chantal Linden, selbst Fahrerin in der Crosscart-Klasse. Die Strecke sei eng und klein gewesen, die Fahrer der stärksten Autos hätten geäußert,   die Leistung ihrer Gefährte nicht ausfahren zu können. „Jetzt ist es wie eine Autobahn, wir können noch mehr Gas geben“, sagt Linden. Ihre Mutter Verena habe dagegen mehr die alte „Mickymausbahn“ geliebt, so Chantal Linden. Doch immer noch sei das „Loch“ eine Herausforderung, bei der   Geschicklichkeit gefragt sei. Hier verschwindet die Bahn in einer Rinne, die metertief durch den Eifeler Boden führt. Dieser Bereich bildet die Keimzelle des Itzbachrings, auf dem 1982 die ersten Rennen ausgetragen wurden.

„Auf der Kupp sind jetzt mehr Menschen als im Dorf“, sagt Andreas Leuther grinsend. Waldorf hat   gerade einmal 280 Einwohner, von denen viele   bei der Veranstaltung helfen. Wie auch Leuther. Er steht zweimal im Jahr als Streckenposten am Rand der Piste, um für Sicherheit zu sorgen. Als Fahrer aktiv ist er seit 30 Jahren nicht mehr, erzählt er. Doch mit 14 Jahren, im Jahr 1978, sei er Mitglied im damals neu gegründeten Verein geworden.

„Autocross ist Leidenschaft“, sagt auch Chantal Linden. Sie fährt in diesem Jahr alle zehn Rennen der Südwestdeutschen Meisterschaft. Die Menschen würden zusammenkommen, um auf Matsch einen schönen Zweikampf auszufechten. Die wenigen Minuten, die ein Rennen dauert, seien ein Adrenalinkick pur: „Wenn ich nach der Ziellinie durchatme, kommt es mir vor, als hätte ich die ganze Zeit den Atem angehalten.“

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