Die Mitglieder der Allgemeinen Schützengesellschaft Euskirchen glänzten bei den deutschen Meisterschaften, haben aber mit Vorurteilen zu kämpfen.
Sportlerwahl 2025Euskirchener Schützen freuen sich über Medaillenregen

Gute Schützen: Elena Kapp (v.l.), Gregor Engbrecht, Mesut Elmas und Fabian Hartl von der Allgemeinen Schützengesellschaft Euskirchen.
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Wenn Mesut Elmas von seinem Hobby erzählt, senkt er die Stimme. Fast so, als rede er über etwas, das man besser für sich behält. „Nur ein kleiner Kreis weiß, dass ich schieße“, sagt der 40-Jährige aus Euskirchen. „Wir müssen uns ständig rechtfertigen. Viele Menschen haben sofort ein falsches Bild im Kopf.“
Also schweigt er lieber. Kein Schulterklopfen, keine Pokale auf dem Wohnzimmerschrank – dabei hätte er Grund genug, stolz auf sich zu sein. Elmas ist deutscher Meister. Zum wiederholten Mal.
Bei der deutschen Meisterschaft in Hannover hat er gleich doppelt gewonnen: im Einzel und mit der Mannschaft, der seine Vereinskameraden Fabian Hartl und Norbert Machat angehören. Geschossen wird mit dem Unterhebelrepetierer, einem Gewehr, das die meisten aus Westernfilmen kennen. „Das ist im Grunde eine Winchester – wie bei Old Shatterhand“, erklärt Elmas und lacht. „Nur dass wir nicht durch die Prärie reiten, sondern auf Schießstände fahren.
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Euskirchener trainieren am Rande des Billiger Waldes
Auf dem Gelände der Allgemeinen Schützengesellschaft (ASG) Euskirchen, am Rand des Billiger Waldes, ist es still. Nur das metallische Klicken von Ladehebeln sowie das gedämpfte Knacken von Holz und Stahl sind zu hören. Dann, kurz und präzise: Peng.
Fünf Schüsse in 50 Sekunden – so verlangt es das Reglement. Kaum Zeit zum Atmen, erst recht nicht zum Nachdenken. „Das Herz hämmert, die Hände zittern, und trotzdem muss jeder Schuss sitzen“, sagt Elmas. „Das ist die größte Herausforderung – Ruhe zu bewahren, wenn alles in einem arbeitet.“
Für ihn ist das Schießen mehr als ein Wettbewerb. „Es ist Meditation“, sagt er. „Wie Yoga – nur eben ein bisschen lauter.“ Rund 220 Mitglieder zählt die ASG, viele sind über Mundpropaganda gekommen. Werbung macht der Verein nicht. Zu groß sind die Vorurteile. „Viele denken bei Waffen sofort an Gewalt oder Krieg“, erklärt Frank Fuhrmann, der Sportwart. „Aber was wir tun, ist Präzisionssport. Körperbeherrschung, Konzentration, Disziplin – das sind die Grundlagen.“
Die Schützen haben strenge Richtlinien und Vorschriften
Fuhrmann kennt die Skepsis, mit der die Sportschützen oft konfrontiert sind. Dabei hat der Sport klare Regeln und strenge Kontrollen. Wer privat eine Waffe besitzen will, braucht mindestens ein Jahr Vereinsmitgliedschaft, muss eine Sachkundeprüfung bestehen, einen zugelassenen Waffenschrank anschaffen und eine behördliche Genehmigung erhalten.
„Das ist alles sehr genau geregelt – und das ist auch gut so“, sagt Elmas. Die Anschaffungen sind teuer: „Mein Waffenschrank hat allein über 1600 Euro gekostet“, berichtet Fabian Hartl, der in Hannover Zweiter wurde.
Auch andere ASG-Mitglieder haben in Hannover überzeugt. Gregor Engbrecht, 49, siegte in der Altersklasse II, im Team landete er auf Rang drei. Und Elena Kapp, 36, war die beste Frau im Feld – Elfte im Gesamtklassement. Doch auch sie redet ungern über ihr Hobby. „Sobald man sagt, dass man schießt, wird man in eine Schublade gesteckt“, sagt sie. „Da kommen sofort Kommentare – meistens von Leuten, die nie auf einem Schießstand waren.“
Sportschützen sind nicht auf der Suche nach Nervenkitzel
Wer denkt, Sportschützen suchten den Nervenkitzel, liegt falsch. Paintball etwa ist für sie tabu. „Das ist ein kriegsähnliches Szenario – für Waffenbesitzer verboten“, erklärt Hartl. Wer sich daran nicht hält, riskiert den Entzug der Waffenlizenz. „Wir wollen mit Krieg nichts zu tun haben. Es geht um Präzision, nicht ums Kämpfen“, sagt Elmas.
Die Allgemeine Schützengesellschaft Euskirchen blickt auf eine lange Tradition zurück. Ihre Wurzeln reichen bis ins 18. Jahrhundert, als in der Stadt die Junggesellen-Schützenbruderschaft entstand – eine Gemeinschaft aus jungen Bürgern, die Feste organisierten und ihre Treffsicherheit pflegten. 1858 wurde aus ihr die heutige ASG, die damit zu den ältesten Vereinen der Region gehört.
Heute stehen dort keine Schützenfeste im Vordergrund, sondern sportliche Präzision. Jahr für Jahr bringen die Euskirchener Meistertitel nach Hause. Zuletzt auch Rudi Schumacher, der über 300 Meter gewann – eine Distanz, die sich am heimischen Stand gar nicht trainieren lässt. „Ich verkleinere einfach das Ziel“, sagt er pragmatisch: „So simuliere ich die Entfernung.“
Elmas aber wird auch nach seinem jüngsten Triumph nicht prahlen. „Ich mache das für mich“, sagt er: „Wenn ich treffe, weiß ich, dass alles gestimmt hat – Atmung, Haltung, Fokus. Das ist der Moment, in dem alles ruhig wird.“ Dann legt er das Gewehr beiseite. Still, zufrieden – und wieder ein bisschen Meister.

