Das Euskirchener Unternehmen F&S Solar hat in der Dominikanischen Republik riesige Solarparks gebaut und dafür eine staatliche Auszeichnung erhalten.
GroßprojektEuskirchener Firma baut Solarparks in der Karibik

2,8 Millionen Solarmodule sind im Cotoperí-Komplex in der Dominikanischen Republik verbaut worden.
Copyright: f&s solar
Eines der größten Solarprojekte der Karibik und Zentralamerikas begann mit einem eher ungewöhnlichen Treffen. „Eigentlich war das ein ganz normales Abendessen mit Geschäftspartnern“, erinnert sich Georg Schmiedel, Gründer des Euskirchener Unternehmens F&S Solar. Einer der Gäste brachte einen Bekannten mit, der Hotels in der Dominikanische Republik belieferte – etwa mit Bettwäsche und Ausstattung. Aus diesem Kontakt entwickelte sich schließlich eine Verbindung zum Energieministerium des Inselstaates.
So ungewöhnlich der Grundstein, so beeindruckend die Entwicklung mit dem Bau mehrerer Solarparks. Insgesamt wurden alleine beim jüngsten Projekt im Cotoperí -Komplex in Guaymate laut Schmiedel rund 2,8 Millionen Solarmodule installiert. Die Anlage produziert jährlich etwa 286 Gigawattstunden Strom – genug, um rechnerisch rund 166.000 Haushalte zu versorgen. Gleichzeitig werden jedes Jahr dadurch rund 210.000 Tonnen CO2 eingespart. Doch das ist nur ein Solarpark, den F&S Solar mittlerweile in der „Dom Rep“ realisiert hat.
Mit Montecristi fing 2014 alles an. Damals habe, so Schmiedel, das Thema Photovoltaik dort noch ganz am Anfang gestanden: „Viele konnten sich unter Solarenergie noch gar nicht so richtig etwas vorstellen.“ Umso größer sei das Interesse gewesen, als eine Delegation aus der Dominikanischen Republik nach Deutschland eingeladen wurde, um sich Projekte vor Ort anzusehen.
Ein Treffen mit dem Präsidenten dauerte deutlich länger
Ein Teil des Besuchs führte sie in den Tagebau bei Inden. Von dort aus war gleichzeitig ein F&S-Solarpark zu sehen – ein anschaulicher Kontrast zwischen traditioneller Energiegewinnung aus Braunkohle und erneuerbaren Energien. Kurz darauf kam es zu einem Treffen mit dem damaligen Präsidenten der Dominikanischen Republik. Eigentlich sollte der Termin nur ganz kurz dauern.
Die Menschen wollen Klimaanlagen, Fernseher und moderne Haushaltsgeräte nutzen.
„Geplant waren sieben Minuten“, erzählt Schmiedel: „Am Ende haben wir fast 45 Minuten zusammengesessen.“ In dem Gespräch wurde deutlich, wie zentral die Energiefrage für das Land ist. Die Dominikanische Republik sei stark von importierten fossilen Brennstoffen abhängig. Rohöl sei zum damaligen Zeitpunkt per Schiff ins Land gebracht und in Kraftwerken verstromt worden. Gleichzeitig wuchs der Energiebedarf ständig.
„Die Menschen wollen Klimaanlagen, Fernseher und moderne Haushaltsgeräte nutzen“, sagt Schmiedel: „Aber das Stromnetz kann die Nachfrage oft nicht decken.“ Die Konsequenz: Kommt es zu Engpässen, wird die Stromversorgung teilweise abgeschaltet – etwa in den Randgebieten der Hauptstadt Santo Domingo, während der Stadtkern meist weiter versorgt bleibt. Vor diesem Hintergrund entstand die Idee, große Solarparks im Land zu bauen.
Die Projektentwickler leisteten Pionierarbeit
Eine Bedingung stellte das deutsche Unternehmen allerdings gleich zu Beginn. „Wir haben offen gesagt: Wenn Korruption eine Rolle spielt, machen wir nicht weiter“, sagt Schmiedel, der das Projekt damals schon an Yannik Mießeler übertragen hatte. Der begann vor mehr als zehn Jahren als Student beim Euskirchener Unternehmen und ist mittlerweile Geschäftsführer bei F&S Solar. Seit 2015 betreut er sämtliche Projekte des Unternehmens in dem Karibikstaat.
Das erste große Ergebnis der Zusammenarbeit war ein Solarpark im Norden des Landes, der 2018 in Betrieb ging. Für die Projektentwickler bedeutete das Pionierarbeit. Genehmigungsprozesse für Photovoltaikanlagen waren damals in dem Land noch nicht definiert. In viele Behörden mussten die Verantwortlichen zunächst verstehen, was überhaupt geplant war. „Wir haben unzählige Gutachten erstellen lassen“, sagt Mießeler: „Einige davon hätten wir im Nachhinein betrachtet gar nicht gebraucht.“
Wenn wir erklärt haben, dass man Vegetation nicht einfach abbrennen darf, haben einige erst einmal verwundert geschaut.
Unterstützt wurden die Projekte von internationalen Entwicklungsbanken aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden. Sie stellten nicht nur Finanzmittel bereit, sondern formulierten auch strenge Umwelt- und Sozialauflagen. Dazu gehörten etwa medizinische Programme für die lokale Bevölkerung. Mobile Ärzte führten Untersuchungen durch, Kinder wurden geimpft, ein Mammografie-Mobil ermöglichte Frauen kostenlose Vorsorgeuntersuchungen.
Auch ökologische Vorgaben spielten eine Rolle. Kakteen wurden umgesetzt, Brutplätze einer seltenen Rabenart untersucht und Schutzmaßnahmen entwickelt. „Für viele Einheimische war das zunächst ungewohnt“, sagt Mießeler: „Wenn wir erklärt haben, dass man Vegetation nicht einfach abbrennen darf, haben einige erst einmal verwundert geschaut.“ Nach dem ersten Projekt folgte bald ein deutlich größeres. Dafür suchten die Entwickler systematisch nach geeigneten Flächen. Stromtrassen, Umspannwerke, Schutzgebiete und mögliche Einspeisepunkte wurden analysiert.
Transforamtoren wurden mit Schiffen aus Mexiko geliefert
Schließlich fiel die Wahl auf eine Region nahe der Tourismuszentren um Punta Cana. Die Fläche umfasst rund drei Millionen Quadratmeter, etwa zwei Millionen davon konnten tatsächlich genutzt werden. Um das Risiko zu verteilen, wurde der Solarpark in mehrere Abschnitte aufgeteilt.
Nach der ersten Auszahlung war die Baustelle plötzlich ziemlich leer.
Auch logistisch stellte das Projekt die Entwickler vor Herausforderungen. Große Transformatoren mussten per Schiff aus Mexiko angeliefert werden. „Die Versicherung wollte unbedingt, dass einer von uns den Transport begleitet“, berichtet Mießeler: „Also ist tatsächlich jemand mit auf das Schiff gegangen und später mit dem Lastwagen bis zum Standort gefahren.“ Ein Großteil der Bauarbeiten wurde von lokalen Arbeitskräften erledigt.
Beim ersten Projekt arbeiteten zeitweise rund 300 Menschen auf der Baustelle. Anfangs wurden sie monatlich bezahlt – mit überraschenden Folgen. „Nach der ersten Auszahlung war die Baustelle plötzlich ziemlich leer“, erzählt Mießeler schmunzelnd: „Viele hatten ihr Monatsgehalt und haben erst einmal eine Pause gemacht.“ Danach stellte man kurzerhand auf wöchentliche Bezahlung um.

Zwischen der A1 und der A61 bei Weilerswist baut F&S einen Solarpark für die e-regio.
Copyright: Tom Steinicke
Die klimatischen Bedingungen für Solarenergie sind laut Mießeler ideal: Deutlich mehr Sonnenstunden als in Deutschland und regelmäßige Regenfälle, die Staub von den Modulen spülen. Dadurch müssen die Anlagen kaum gereinigt werden. Heute hat sich Mießeler zufolge der Markt für erneuerbare Energien in der Dominikanischen Republik stark entwickelt. Die Genehmigungsverfahren seien klarer geworden, zahlreiche internationale Investoren sind in das Geschäft eingestiegen.
Solarparks werden nur noch mit Batteriespeichern gebaut
Gleichzeitig plane die Regierung neue Regeln: Zukünftige Solarparks sollen nur noch zusammen mit Batteriespeichern gebaut werden, um die Stromversorgung stabiler zu machen. F&S sieht seine Arbeit in der Dominikanischen Republik als beendet an. Auch wenn das Unternehmen weitere internationale Projekte nicht ausschließt, will es sich zunächst verstärkt auf den heimischen Markt konzentrieren. Auch in der Region entstehen neue Anlagen.
Ein Beispiel ist ein Solarparkprojekt entlang der A1 bei Weilerswist, das teilweise auf dem Gebiet Erftstadts liegt. Dort entsteht derzeit eine Anlage auf rund 14 Hektar Fläche. F&S entwickelt die Fläche im Auftrag des Energiedienstleisters e-regio. „Wenn man einmal auf der Fläche anfängt, dann geht der Bau relativ schnell“, sagt Mießeler: „Das ist kein Hexenwerk.“
In der Nähe des Bubenheimer Spielelands wird ebenfalls ein Solarpark entstehen. Auch dort gab es die eine oder andere Absprache mit Behörden zu treffen. Der Grund: der Fliegerstandort bei Nörvenich. Der wiederum wird per Nato-Pipeline mit Treibstoff für die Jets versorgt. Hier mussten Lösungen geschaffen werden, wie Militär und Solar auf der Fläche in Einklang gebracht werden können. Die Erfahrungen aus den internationalen Projekten fließen inzwischen auch in solche Vorhaben ein – etwa bei Umweltkonzepten oder bei der Zusammenarbeit mit Behörden.
Für das Unternehmen bleibt die Zeit in der Karibik dennoch ein besonderes Kapitel. Für sein Engagement bei der Entwicklung erneuerbarer Energien erhielt F&S Solar eine staatliche Auszeichnung der Dominikanischen Republik. „Das war schon eine außergewöhnliche Geschichte“, sagt Schmiedel rückblickend: „Aus einem zufälligen Gespräch ist am Ende ein Projekt entstanden, das heute hunderttausende Menschen mit Strom versorgt.“

