Der Kreis Euskirchen schließt sich der Region Köln/Bonn an und kehrt der Region Aachen den Rücken. Im Fokus stehen zwei Leuchtturmprojekte.
Neuer Impuls für die Region?Der Kreis Euskirchen wechselt von Aachen in die Region Köln/Bonn

Der Kreis Euskirchen hat ein Programm zum Wassermanagement in der Zülpicher Börde aufgesetzt. Das Projekt ist ein Leuchtturmprojekt, für das Fördermittel benötigt werden.
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Der Kreis Euskirchen und der Verein Region Köln/Bonn bauen ihre Zusammenarbeit weiter aus. Mit dem geplanten Vollbeitritt des Kreises zum 1. Januar kommenden Jahres wird eine Entwicklung fortgeführt, die bereits seit Jahren durch gemeinsame Projekte und einen engen Austausch geprägt ist.
Ziel ist es, die Zukunftsaufgaben der Region – vom Strukturwandel über die Energie- und Wärmewende bis hin zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels – gemeinsam anzugehen und die Chancen neuer Förderprogramme für die Kommunen im Kreis bestmöglich zu nutzen.
Kreispolitik hat den Weg zum neuen Netzwerk bereits freigemacht
Die Kreispolitik hat den Weg zur Region Köln/Bonn bereits freigemacht. Damit richtet sich der Kreis künftig nicht mehr in Richtung der Städteregion Aachen aus, sondern in Richtung der Metropolregion.
Der Köln/Bonn-Verein wurde 1992 als Reaktion auf den Bonn-Berlin-Beschluss gegründet. Mit dem Umzug von Parlament und großen Teilen der Bundesregierung nach Berlin standen die Stadt Bonn und die Nachbarkommunen vor erheblichen Herausforderungen.
Um diesen Wandel zu gestalten und die Interessen der Region gegenüber Land und Bund zu bündeln, wurde der Verein ins Leben gerufen. Daraus hat sich in den vergangenen Jahrzehnten ein Netzwerk entwickelt, das sich als Schnittstelle zwischen kommunaler Ebene, Bezirksregierungen, Landesministerien und Bundesbehörden versteht.
Schwerpunkt: Vorbereitung der kommenden Förderperiode
Die Region Köln/Bonn umfasst nach Angaben von Geschäftsführer Dr. Reimar Molitor 61 Kommunen in mehreren Kreisen und Städten des Rheinlandes. Der Kreis Euskirchen war bereits in der Vergangenheit eingebunden und soll künftig als Vollmitglied noch stärker von den Leistungen des Vereins profitieren.
Ein Schwerpunkt der aktuellen Arbeit liegt auf der Vorbereitung der neuen Förderperiode ab 2027. Sowohl das Rheinische Revier als auch die Europäische Union werden in den kommenden Jahren neue finanzielle Rahmenbedingungen schaffen, die erhebliche Auswirkungen auf die regionale Entwicklung haben werden. „Insbesondere die nächste Phase des Strukturwandels im Rheinischen Revier wird für den Kreis Euskirchen von großer Bedeutung sein“, so Molitor.

Der Kreis Euskirchen will das Abfallwirtschaftszentrum in Strempt erweitern. In Sachen Nachhaltigkeit soll es ein Leuchtturmprojekt werden.
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Bis 2038 stehen dem Geschäftsführer zufolge erhebliche Mittel für die wirtschaftliche und infrastrukturelle Transformation zur Verfügung. Entscheidend werde sein, rechtzeitig tragfähige Projekte zu entwickeln und diese erfolgreich in die Förderkulissen einzubringen.
Zu den bedeutendsten Projekten im Kreis Euskirchen zählt die geplante „Multifunktionale Energielandschaft Mechernich“. Auf dem Gelände des Abfallwirtschaftszentrums in Strempt soll ein Kompetenz- und Anwendungszentrum für erneuerbare Energien entstehen.
Schlüsselprojekte in Mechernich und der Zülpicher Börde geplant
Geplant ist die Bündelung verschiedener Ansätze zur nachhaltigen Energieerzeugung und Energienutzung, darunter die energetische Nutzung von Biomasse, Speichertechnologien sowie die Weiterentwicklung bestehender Anlagen. Das Projekt soll nicht nur einen Beitrag zur regionalen Energiewende leisten, sondern auch als Modellstandort für neue Technologien sowie die Kooperationen zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und öffentlicher Hand dienen.
Ein weiteres Schlüsselprojekt für den Kreis betrifft die langfristige Sicherung der Wasserressourcen in der Zülpicher Börde. Ausgangspunkt ist eine durch das nordrhein-westfälische Umweltministerium geförderte Machbarkeitsstudie zum nachhaltigen Wassermanagement und zur Wasserwiederverwendung. Die Untersuchung hat Optionen für einen effizienteren Umgang mit Wasserressourcen und eine bessere Anpassung an klimatische Veränderungen aufgezeigt.
Für den Kreis Euskirchen eröffnet die vertiefte Zusammenarbeit die Möglichkeit, eigene Interessen stärker in regionale Prozesse einzubringen.
Auf Grundlage der Ergebnisse wurde bereits gemeinsam mit der Hochwald Foods GmbH, die mit der Großmolkerei in Obergartzem im Kreis vertreten ist, für sowie landwirtschaftlichen Partnern ein Förderantrag für ein Pilotprojekt eingereicht.
Ziel ist dabei die Entwicklung innovativer Konzepte zur Wasserwiederverwendung und zur nachhaltigen Bewirtschaftung der regionalen Wasserressourcen. Angesichts zunehmender Wetterextreme wird diesem Vorhaben eine hohe Bedeutung für die Zukunftsfähigkeit der gesamten Region geschrieben.
„Für den Kreis Euskirchen eröffnet die vertiefte Zusammenarbeit die Möglichkeit, eigene Interessen stärker in regionale Prozesse einzubringen, von Erfahrungen anderer Kommunen zu profitieren und Förderchancen frühzeitig zu nutzen“, so Molitor. Im Jahr 2024 wurden laut dem Geschäftsführer insgesamt 238 neue Förderprogramme in die Förderdatenbank aufgenommen.
Zusätzlich wurden 57 besonders relevante Programme in kompakten Steckbriefen aufbereitet und an die Vereinsmitglieder sowie weitere regionale Akteure verteilt. Auch im Jahr 2025 wurde diese Arbeit fortgeführt. Bis zum Ende des dritten Quartals wurden 125 neue Förderprogramme aufgenommen. Ergänzend wurden 29 Programme in den Steckbriefen aufbereitet.
Mit dieser systematischen Beobachtung der Förderlandschaft leistet der Verein nach eigenen Angaben „einen wichtigen Beitrag dazu, dass Kommunen und Projektträger Fördermöglichkeiten frühzeitig erkennen, Projekte strategisch entwickeln und Fördermittel erfolgreich einwerben können“. Für den Kreis Euskirchen eröffne dies zusätzliche Chancen, Zukunftsprojekte in den Bereichen Strukturwandel, Klimaschutz, Energie, Mobilität und Infrastruktur gezielt voranzubringen.

