Zwölf Kommunen aus den Kreisen Euskirchen und Düren sowie dem Rhein-Sieg-Kreis sowie der regionale Energieversorger e-regio gründen die RheinEifel eG. Dies soll Synergien schaffen.
Neue GenossenschaftFür die Energiewende kooperieren zwölf Kommunen aus drei Kreisen

Die Energiewende ist auch im Kreis Euskirchen eine große Herausforderung.
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Mit einem gemeinsamen Schulterschluss reagieren etliche Kommunen aus der Region auf eine der größten Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte: die Energie- und Wärmewende. Im Rahmen einer Veranstaltung im Euskirchener Rathaus wurde jetzt die Genossenschaft Energiewende RheinEifel eG gegründet.
Zunächst ist sie formal „in Gründung“, wie es juristisch korrekt heißt. Beteiligt sind insgesamt zwölf Kommunen aus drei Kreisen sowie der regionale Energieversorger e-regio. Ziel ist es, die komplexen Aufgaben der kommunalen Wärmeplanung künftig gemeinsam anzugehen und vor allem schneller in die Umsetzung zu kommen.
Die Wärmewende macht nicht an Gemeindegrenzen halt. In der Genossenschaft konzentrieren wir unsere Expertise und entlasten die Verwaltungen, damit unsere Bürgerinnen und Bürger auch in Zukunft in einer lebenswerten und nachhaltigen Region leben.
„Wir schreiben viele Konzepte, aber oft bleiben sie lange in der Schublade“, sagte Ingo Pfennings, Bürgermeister von Schleiden. Genau das wolle man diesmal vermeiden. Gerade bei der Energiewende sei es entscheidend, nicht nur zu planen, sondern konkrete Maßnahmen auf den Weg zu bringen.
Auch Sacha Reichelt, Bürgermeister der Stadt Euskirchen, unterstrich die Dimension der Aufgabe: „Die Wärmewende macht nicht an Gemeindegrenzen halt. In der Genossenschaft konzentrieren wir unsere Expertise und entlasten die Verwaltungen, damit unsere Bürgerinnen und Bürger auch in Zukunft in einer lebenswerten und nachhaltigen Region leben.“
Idee hinter der Genossenschaft: Zusammenarbeit statt Einzelkampf
Die Idee hinter der neuen Genossenschaft ist klar: Zusammenarbeit statt Einzelkampf. Denn Fragen der Energieversorgung machen nicht an Stadtgrenzen halt. „Ob Hochwasserschutz oder Energie – solche Themen müssen überkommunal gedacht werden“, betonte Pfennings. Zu den Initiatoren zählen neben Reichelt auch Christian Mandt, Bürgermeister von Bornheim, sowie der Schleidener Verwaltungschef und Bürgermeister Dr. Daniel Phiesel aus Rheinbach.
Insbesondere kleinere Kommunen stoßen bei der Umsetzung schnell an ihre Grenzen. Die Erstellung von Wärmeplänen, die Entwicklung technischer Lösungen und deren Umsetzung erfordern Fachwissen und personelle Ressourcen, die vielerorts fehlen. „Allein könnten wir solche Aufgaben kaum bewältigen“, sagte Pfennings. Die Genossenschaft soll hier als gemeinsame Arbeitsplattform dienen, Know-how bündeln, Projekte koordinieren und konkrete Umsetzungsszenarien entwickeln. Anders als klassische Genossenschaften geht es dabei nicht um Eigentum, sondern um Zusammenarbeit und Arbeitsteilung.

Die kommunalen Gründungsmitglieder der Genossenschaft, e-regio und der neu gewählte Vorstand. RheinEfel Energie-Genossenschaft
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Eine zentrale Rolle übernimmt dabei e-regio, das die operative Umsetzung organisiert. Dazu gehören die technische und kaufmännische Betriebsführung sowie die Bereitstellung von Fachwissen und Ressourcen. Die Genossenschaft selbst verzichtet bewusst auf eigenes Personal und eigene Infrastruktur – stattdessen werden Leistungen über den Partner und einen gemeinsamen Expertenpool organisiert.
Für Stefan Dott, Geschäftsführer von e-regio, hat das Projekt Signalwirkung: „Die Energiewende RheinEifel eG ist weit mehr als eine Kooperation. Sie kann zu einem Leuchtturmprojekt werden, das weit über die Region hinaus Strahlkraft entfaltet.“
Kommunale Wärmeplanung soll in konkreten Projekten münden
Ein zentraler Auftrag der neuen Struktur ist es, die bestehenden kommunalen Wärmepläne weiterzuentwickeln und in konkrete Projekte zu überführen. Konkret geht es darum, Potenziale für erneuerbare Energiequellen zu identifizieren, Szenarien für die zukünftige Wärmeversorgung zu entwickeln, Projekte zu koordinieren und Kommunen bei Ausschreibungen und Planungen zu unterstützen. Ein wichtiges Werkzeug ist dabei ein digitaler Zwilling der Region – ein datenbasiertes Modell, mit dem sich verschiedene Versorgungsszenarien simulieren lassen.
Dabei versteht sich die Genossenschaft ausdrücklich nicht als Investorin. „Wir schaffen die Grundlage und das Know-how“, so Dott. Planung, Koordination und Begleitung stehen im Mittelpunkt, während die konkrete Umsetzung – etwa der Bau von Wärmenetzen oder Energieanlagen – weiterhin durch Kommunen oder externe Partner erfolgt. Der Vorteil: Erkenntnisse aus einzelnen Projekten lassen sich direkt auf andere Kommunen übertragen.
Wie komplex die Umsetzung sein kann, zeigt ein Beispiel aus der Praxis in Bornheim: Für eine mögliche Nutzung von Geothermie wurden Probebohrungen mit rund 2,4 Millionen Euro kalkuliert – bei ungewissem Ausgang. „Allein ist das für eine Kommune kaum tragbar“, sagte Christian Mandt, Bürgermeister Stadt Bornheim. Im Verbund könnten solche Risiken besser verteilt werden.
Auch Themen wie Abwärmenutzung in Gewerbegebieten, Fernwärmenetze oder Wasserstoffversorgung stehen auf der Agenda. Letztgenanntes werde gerade zwischen Bornheim und Wesseling erörtert. In Wesseling soll ein Ankerpunkt der geplanten Wasserstoffpipeline entstehen. In Euskirchen wird schon bald das erste Fernwärmenetz an den Start gehen – realisiert durch die e-regio. Das neue Euskirchener Rathaus wird der erste Abnehmer der neuen Energie sein.
Die Menschen müssen mitgenommen werden.
Langfristig sollen vor allem Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen profitieren. Die Genossenschaft will nach eigenen Angabe Orientierung geben, welche Heiz- und Energieformen künftig sinnvoll und verfügbar sind. „Die Menschen müssen mitgenommen werden“, betonte Christoph Becker, ehemaliger Bürgermeister Stadt Bornheim und nun ehrenamtliches Mitglied im Vorstand der Genossenschaft.
Damit spielte er auf die Debatten rund um das Gebäudeenergiegesetz. Es gehe darum, Veränderungen verständlich zu erklären und Planungssicherheit zu schaffen. Für Unternehmen sei eine verlässliche und bezahlbare Energieversorgung zudem ein entscheidender Standortfaktor.
Nach Einschätzung der Beteiligten hat das Projekt Modellcharakter. Vergleichbare Zusammenschlüsse gebe es bislang nicht. „Das sorgt überall für ein Aha-Erlebnis“, hieß es. Entsprechend groß ist die Hoffnung, dass sich weitere Kommunen anschließen. Die Genossenschaft ist offen für neue Mitglieder, Gespräche laufen bereits.
Digitale Energiewende-Plattform in Arbeit
Ein Argument, das weitere Kommunen überzeugen könnte. So soll unter anderem ein digitaler Zwilling der Region aufgebaut werden, der Gebäude, Infrastrukturen sowie energetische Potenziale und Szenarien abbildet. Die sogenannte Energiewendeplattform RheinEifel soll datenbasierte Entscheidungen ermöglichen – von Förderanträgen über Projektbewertungen bis hin zur Priorisierung von Maßnahmen. Auf diese Weise können Synergien etwa bei Abwärme, Wärmenetzen oder energetischen Konzepten sichtbar gemacht werden. Auch der gezielte Einsatz von Künstlicher Intelligenz zur Bewertung der sinnvollsten Lösungen ist vorgesehen.
Ergänzend wird ein kontinuierliches Monitoring etabliert, das den Fortschritt der Energiewende erfasst und flexibel auf veränderte Rahmenbedingungen reagiert, etwa bei geopolitischen oder regulatorischen Entwicklungen.
Klar ist jedoch auch: Die Energiewende bleibt eine langfristige Aufgabe. „Wir sprechen hier von einer Generationenaufgabe“, so Reichelt. Erste Ergebnisse sollen in den kommenden Jahren sichtbar werden, die vollständige Umsetzung dürfte jedoch Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Dennoch überwiegt der Optimismus: Mit der neuen Genossenschaft sei ein entscheidender Schritt getan, um die Energiewende in der Region gemeinsam, effizient und praxisnah voranzubringen.

