Eine neue Veranstaltungsreihe soll im Kreis Euskirchen den persönlichen Austausch in der Ärzteschaft und Kontakte zum Berufsnachwuchs fördern. das ist auch dringend notwendig.
ÄrztemangelAllein rund um Euskirchen sind 15 Hausarztpraxen nicht besetzt

Aktuell könnten sich 15 neue Allgemeinmediziner in der Kreisstadt und im Nordkreis Euskirchen niederlassen.
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„Hier im Kreis Euskirchen wird gute Medizin gemacht“, betonte Dr. Thomas Ackermann vom Nierenzentrum „Eifeldialyse“ mit Blick auf die Arbeit der Haus- und Klinikärzte, mit denen er ein großes Ziel teilt: „Wir alle wollen, dass es den Patienten gut geht, dass sie überleben.“ Damit das funktioniert, sind die Mediziner der verschiedenen Fachrichtungen und Einrichtungen des Gesundheitssystems jedoch auf einen möglichst reibungslosen Austausch untereinander angewiesen.
Um diese Kommunikation zu verbessern, hatte das Deutsche Rote Kreuz (DRK) im Kreis Euskirchen jetzt erstmals zum „Euskirchener Ärztedialog“ eingeladen. „Im Mittelpunkt soll heute der Dialog auf Augenhöhe stehen“, betonte Alexander Schiffmann, Schulleiter der DRK-Rettungsdienst-Akademie Euskirchen. Die Schirmherrschaft hatte die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNO) übernommen.
Mediziner im Kreis Euskirchen wollen miteinander ins Gespräch kommen
Mehr als 120 Teilnehmende, darunter auch Studierende sowie junge Ärztinnen und Ärzte, die in Krankenhäusern oder Praxen im Kreis Euskirchen zum Beispiel ihre Weiterbildung zum Facharzt absolvieren, hatten sich einen Platz für die Veranstaltung in der Alten Tuchfabrik in Euskirchen gesichert.
Netzwerke bilden und den Austausch mit den jungen Kolleginnen und Kollegen fördern – darum geht es heute.
KVNO-Kreisvorsitzender Frank Gummelt, der in Mechernich eine Hausarztpraxis betreibt, brachte das zentrale Anliegen des Abends auf den Punkt: „Netzwerke bilden und den Austausch mit den jungen Kolleginnen und Kollegen fördern, die sich während ihrer Ausbildung hier aufhalten – darum geht es heute.“ Denn in Bezug auf die hausärztliche Versorgung gibt es aktuell zumindest in Teilen des Kreisgebiets ein Problem: „Im Mittelbereich Euskirchen haben wir derzeit 15 vakante hausärztliche Sitze“, führte Gummelt aus, warum man beim medizinischen Nachwuchs Werbung für die Arbeit im Kreis Euskirchen machen will.
Während der hausärztliche Versorgungsgrad im Raum Euskirchen bei nur knapp 90 Prozent liegt, sieht es im Bereich Mechernich (111 Prozent) und Schleiden (107 Prozent) besser aus – dort sind aktuell sogar mehr Hausärzte tätig, als es der Beschluss des Landesausschusses der Ärzte und Krankenkassen eigentlich vorsieht.
„Euskirchener Ärztedialog“ dient auch als Fortbildung
Medizinstudentin Anne Kiesel, die kurz vor dem Examen steht, musste allerdings nicht erst groß über die Vorzüge von Eifel und Voreifel aufgeklärt werden, denn sie stammt aus Euskirchen. „Ich bin heute aber gerne hierher gekommen, um Kontakte mit den Kollegen zu knüpfen. Außerdem interessiert mich das Thema der Veranstaltung.“

Zufrieden mit der Resonanz auf den Premierenabend waren Alexander Schiffmann (DRK) und Frank Gummelt (v.l.), hier im Gespräch mit Moderatorin Magdalena Gorecki.
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Unter den Besucherinnen und Besuchern des Ärztedialogs waren auch zahlreiche junge Mediziner. Laura Schwanke (l.) bildet sich nach einer Tätigkeit im Marienhospital derzeit in einer Euskirchener Hausarztpraxis weiter.
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Verknüpft war der Abend nämlich mit einem Fortbildungsteil, der sich inhaltlich mit dem Thema „Nierenerkrankungen aus hausärztlicher, klinischer und fachärztlicher Sicht“ befasste. „Damit greifen wir bewusst ein Thema auf, das die Schnittstellen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung besonders deutlich macht“, betonte Gummelt: „Denn wenn ein Patient aus der Klinik entlassen wird und dort vielleicht neue Medikamente verordnet wurden, dann schlägt er anschließend wieder bei mir in der Praxis auf, um das zu besprechen oder sich erklären zu lassen.“
Klinik-Kollege Professor Dr. med. Christoph Hammerstingl, Leiter der kardiologischen Abteilung am Kreiskrankenhaus Mechernich, kann dem nur zustimmen: „Wir merken sehr oft, dass die Patienten ein sehr großes Vertrauen zu ihren Hausärzten haben.“ Deshalb sei es sinnvoll, solche Änderungen der Medikation zum Beispiel im Entlassbrief für den Hausarzt umfassend zu erklären: „Man will ja nicht, dass der Kollege das alles wieder komplett umwirft.“
Ärzte im Kreis Euskirchen wollen ihre Kommunikation verbessern
Sollten sich dennoch Rückfragen zwischen den verschiedenen „Playern“ des Gesundheitssystems ergeben, wünschen sich viele Mediziner einen direkten Draht untereinander. „Die Zeit, die man als Arzt hat, ist immer knapp. Deshalb will man nicht in der Warteschleife landen, wenn man sich telefonisch beim Kollegen rückversichern will“, betonte Gummelt. Die angehende Ärztin Laura Schwanke, die aktuell zur Weiterbildung in einer Euskirchener Hausarztpraxis tätig ist, beklagte jedoch, dass genau das im Alltag regelmäßig vorkomme: „Vor allem, wenn man als Nachwuchskraft noch nicht so viele Kontakte in der Ärzteschaft hat.“
Alexander Schiffmann, der den „Euskirchener Ärztedialog“ mit dem Team des DRK-Kreisverbands und lokalen Unterstützern organisiert hatte, sieht sich in seinem Fazit von der Sinnhaftigkeit der Veranstaltung bestätigt: „In Gesprächen mit Ärztinnen und Ärzten wurde immer wieder deutlich, dass der fachliche Austausch im Alltag oft zu kurz kommt.“ Genau hier setze der Ärztedialog an, als Plattform, die unterschiedliche Perspektiven zusammenführen und die Zusammenarbeit in der Patientenversorgung stärken wolle: „Spätestens seit der Flutkatastrophe haben wir gelernt, wie wichtig ein funktionierendes regionales Netzwerk ist.“
Nächster Termin im Oktober zum Thema Herzerkrankungen
Nach der erfolgreichen Premiere geht der regionale Fortbildungs- und Netzwerkabend für Ärztinnen und Ärzte in die zweite Runde. Termin ist der 14. Oktober 2026.
Beim zweiten Ärztedialog stehen Herzerkrankungen im Mittelpunkt. Aus unterschiedlichen Perspektiven werden Diagnostik, Therapie und die Zusammenarbeit zwischen ambulanter und stationärer Versorgung beleuchtet.
Interessierte Ärztinnen, Ärzte und Studierende können sich schon jetzt online ein kostenloses Ticket für den Abend sichern.
