Mit 85,6 Prozent der Stimmen hat der Kreisparteitag in der Kommerner Bürgerhalle Klaus Voussem aus Euskirchen als Landtagskandidaten nominiert.
KandidatenkürKlaus Voussem will erneut für den Kreis Euskirchen in den Landtag

Nahm während seiner Rede die CDU-Mitglieder mit auf eine Reise durch den Wahlkreis: Landtagsmitglied Klaus Voussem.
Copyright: Tom Steinicke
Der 55 Jahre alte Rechtsanwalt aus Euskirchen geht bei der Landtagswahl 2027 erneut für die CDU im Wahlkreis 8/Euskirchen I ins Rennen. Er erhielt bei der CDU-Mitgliederversammlung in der Bürgerhalle in Kommern 77 Ja-Stimmen. 13 Christdemokraten stimmten gegen ihn, zudem gab es eine Enthaltung, und ein stimmberechtigtes Mitglied gab keinen Wahlzettel ab.
Die 85,6 Prozent der Stimmen sind ein klares Votum, aber nicht so deutlich wie vor fünf Jahren, als 96,2 Prozent für Voussem gestimmt hatten. Seit 2010 sitzt Voussem für die CDU im Landtag – und will es nun wieder nach Düsseldorf schaffen. „Ich habe einfach Bock. Es gibt keinen Tag, an dem ich nicht gerne nach Düsseldorf fahre“, sagte Voussem, der in Bad Münstereifel, Blankenheim, Euskirchen, Kall, Mechernich, Nettersheim und Zülpich zur Wahl steht.
Es gibt noch einige Projekte, die ich mitbeenden oder zumindest den Spatenstich aktiv gestalten möchte.
Weilerswist gehört zum Wahlkreis Rhein-Sieg-Kreis III/Euskirchen III. Dort steht der CDU-Kandidat bislang ebenso wenig fest wie im Wahlkreis Düren II/Euskirchen II, zu dem Dahlem, Hellenthal und Schleiden gehören. Dort ist die Kandidatenkür am 4. Mai in Kreuzau geplant.
Zurück zu Voussem: „Es gibt noch einige Projekte, die ich mitbeenden oder zumindest den Spatenstich aktiv gestalten möchte.“ Dazu gehört für ihn etwa die LEP-Fläche zwischen Euskirchen und Weilerswist. Aktuell befinde man sich wieder in Gesprächen mit dem Land, wie es mit der großen Gewerbefläche weitergehen soll. Nach Informationen dieser Zeitung spricht vieles dafür, dass der Vertrag noch einmal verlängert wird.
CDU-Kandidat Klaus Voussem dankte seinen Wegbegleitern
Aber, so ist zu hören, sollen die Kommunen auch für ihre stetigen Bemühungen und ihre Geduld belohnt werden. So sei im Gespräch, dass ein Teil der 2,3 Hektar großen Gewerbefläche an Euskirchen und Weilerswist geht, um ein interkommunales Gewerbegebiet zu entwickeln. Bisher waren immer nur große Namen wie BMW, Haribo oder Tesla zu hören – doch am Ende entschieden sich die Unternehmen stets für andere Standorte.
Mit Blick auf seine erste Nominierung im Jahr 2010 zog Voussem Bilanz. Damals sei er voller Tatendrang gewesen, heute wisse er aus Erfahrung noch klarer, warum er Politik mache. Sein Dank galt den Wegbegleitern – für Vertrauen, Unterstützung, aber auch für Kritik und offene Worte. Politik, so Voussem, sei Mannschaftssport. Und er sei stolz, Teil der CDU im Kreis Euskirchen zu sein. In seiner Rede nahm Voussem die CDU-Mitglieder mit auf einen gedanklichen Rundgang durch den Wahlkreis.
Bad Münstereifel als Beispiel für den Zusammenhalt in der Region
Anhand verschiedener Orte verdeutlichte er, wie Landespolitik konkret vor Ort wirke. In Blankenheim verwies er auf Förderprojekte wie den Kunstrasenplatz in Ripsdorf oder das neue Rathaus. Politik beginne nicht in Düsseldorf, sondern dort, „wo morgens um sechs das erste Werkstatttor aufgeht“. Auch Nettersheim, das sich als Hauptstadt der Biodiversität versteht, sowie Bad Münstereifel standen im Fokus.
Besonders die von der Flut 2021 betroffene Kurstadt sei ein Beispiel für den Zusammenhalt in der Region. Voussem verwies auf rund 200 Millionen Euro Wiederaufbauhilfe, die dort bislang bewilligt worden seien. Weitere Stationen seiner Ausführungen waren Kall, Mechernich und Euskirchen. Neben Natur und Tourismus hob er die industrielle Stärke des Kreises hervor.
Investitionen in Infrastruktur – der barrierefreie Umbau von Bahnhöfen, Verkehrsanschlüsse und der Lückenschluss der A1 – seien entscheidend für die Zukunftsfähigkeit. Euskirchen selbst bezeichnete er als wirtschaftliches Zentrum mit wichtigen Impulsen in Bildung und Wirtschaft. Auch die Geschichte spielte eine Rolle, hier wählte Voussem Zülpich als Beispiel: Das wiederaufgebaute Weiertor stehe sinnbildlich für die Region. „Wir lassen uns nicht unterkriegen.“
Insgesamt seien seit 2022 mehr als 200 Millionen Euro an Landesmitteln in den Kreis geflossen – für Infrastruktur, Wirtschaft und Lebensqualität. Dies zeige, dass es einen Unterschied mache, wer politische Verantwortung trage. „Ein starkes Land braucht einen starken Kreis“, so Voussem.
Parteivorsitzender Pfennings will aus Niederlagen lernen
Nach der Wahl des Kandidaten für die Landtagswahl am 25. April 2027 stand der Kreisparteitag an, bei dem auch CDU-Bundestagsmitglied Detlef Seif und die EU-Abgeordnete Sabine Verheyen anwesend waren. Kreischef Ingo Pfennings freute sich über die erneute Wahl von Klaus Voussem: „Klaus ist ein Möglichmacher und das ist das, was unsere Region und unser Land braucht.“
Spätestens bei der jüngsten Klausurtagung in Königswinter habe man die vergangenen Monate und Wahlergebnisse noch einmal analysiert. Dabei wurden laut Pfennings sowohl organisatorische als auch kommunikative Aspekte beleuchtet: „Es gilt, aus Erfolgen wie aus Niederlagen zu lernen, um künftig noch besser zu werden.“

Gratulationen erhielt Klaus Voussem auch von Ingo Pfennings (r.).
Copyright: Tom Steinicke
Für die künftige Parteiarbeit kündigte er neue Formate an. Geplant sei unter anderem ein offenes Veranstaltungsangebot regelmäßig an wechselnden Orten im Kreis. Ziel sei es, Mitgliedern eine niedrigschwellige Möglichkeit zum Austausch zu bieten – bewusst ohne starre Tagesordnung, dafür mit Raum für Diskussion und Begegnung.
Darüber hinaus sollen kreisweite Arbeitsgruppen wieder verstärkt inhaltliche Positionen erarbeiten. Die Ergebnisse sollen im Rahmen eines Themenparteitags vorgestellt, diskutiert und beschlossen werden. Ebenfalls beschlossen wurde die Einrichtung einer „Digitalen Taskforce“, die mit der Kreisdigital-Beauftragten Maren Kurth die digitalen Aktivitäten bündeln soll. Neben organisatorischen Themen setzte Pfennings in seiner Rede einen politischen Impuls.
In Gesprächen nehme er derzeit eine große Unzufriedenheit in der Bevölkerung wahr – mit der internationalen und bundespolitischen Lage, mit staatlichen Strukturen, gesellschaftlichen Entwicklungen und den wirtschaftlichen Belastungen. Diese Unzufriedenheit richte sich an alle politischen Ebenen. Vor diesem Hintergrund betonte Pfennings die Bedeutung von Verlässlichkeit, Transparenz und klarer Kommunikation in der Politik. Nur so könne Vertrauen erhalten oder neu aufgebaut werden.
Wir müssen die Partei der Ehrenamtler, der Vereinsaktiven und der Heimatverbundenen bleiben.
Zugleich warb er dafür, der wachsenden Unzufriedenheit nicht mit Zuspitzung oder Polemik zu begegnen, sondern mit konkreten Lösungen und sachorientierter Arbeit. Die CDU im Kreis verstehe sich weiterhin als starke kommunale Kraft, die nah an den Menschen sei: „Wir müssen die Partei der Ehrenamtler, der Vereinsaktiven und der Heimatverbundenen bleiben.“ Entscheidend sei, die Sorgen der Bürgerinnen und Bürger ernst zu nehmen und konkrete Antworten zu liefern.
Mit Blick auf kommende Wahlen – darunter die Landtagswahl 2027 sowie Europa-, Bundestags- und Kommunalwahlen in den darauffolgenden Jahren – zeigte sich Pfennings zuversichtlich. Voraussetzung sei jedoch, dass die Partei ihre inhaltliche Arbeit konsequent fortsetze und ihre Nähe zu den Menschen bewahre. Aktuell zählt die CDU im Kreis nach eigenen Angaben mehr als 1700 Mitglieder in elf Stadt- und Gemeindeverbänden. Dieses Netzwerk biete ein großes Potenzial, die Region aktiv mitzugestalten. Ziel bleibe es, die Heimat weiterzuentwickeln und lebenswerter zu machen.

