Der Wiederaufbau ist nicht vollendet, aber die Menschen haben gezeigt, was Wille und Kraft vermögen, sagt Rundschau-Chefredakteur Jens Meifert

FlutkatastropheIn den fünf Jahren ist Großes entstanden

Eine Luftaufnahme zeigt das Ausmaß der Zerstörungen an der Ahr.
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Auf der einen Seite die Tragödie. Die Flut, die Menschen getötet und Existenzen vernichtet hat. Danach die nackten Zahlen: die Millionen an Hilfen, die Förderanträge und Bewilligungen, die Versicherungsanträge und Erstattungen. Fast liest es sich wie eine vollendete Geschichte. Aber da ist auch: der Kraftakt, das, was sich nicht in Zahlen spiegeln lässt. Die Menschen, die vor fünf Jahren vor dem Nichts standen, die eine Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes erlebt haben. Die um Angehörige trauern mussten, nicht wussten, wie es weiter geht – und die sich doch sofort an die Arbeit gemacht und einfach angefangen haben. Manche mit bloßen Händen im Schlamm.
Fünf Jahre nach der Flut ist der Schrecken der Juli-Tage immer noch spürbar. Für die Betroffenen wird er es für immer bleiben. Auch ein leichtes Gewitter versetze sie heute in Angst und Schrecken, sagen viele, die die Katastrophe erleben mussten. Und doch: Die Menschen vor Ort haben gezeigt, was Willen und Kraft vermögen können. Ohne die Welle der Hilfsbereitschaft von Menschen aus der Region und dem ganzen Land wäre das nicht möglich gewesen.
Ein Blick auf die betroffenen Orte an der Ahr, der Erft, der Sieg und anderen Flüssen führt vor Augen, was Zusammenhalt und Gemeinschaft bewegen können. Das ist ein starkes Zeichen in dieser Zeit. Denn genau dieses Einstehen füreinander war es, was den Menschen geholfen hat. Und ist es nicht das, was uns heute oft fehlt?
Der 14. Juli 2021 hat im ganzen Land etwas verändert. Das Bewusstsein, wie sich die Natur in eine Gewalt verändern kann, die nicht mehr zu kontrollieren ist. Insofern steht die Flut auf sehr ungute Weise in einer Linie mit den Hitzetagen dieses Jahres. Die Extremwettereignisse nehmen spürbar zu, ein Schutz ist nur begrenzt möglich. Und der Klimaschutz lässt sich nicht weiter aufschieben, sondern muss bei der Entwicklung von Städten und Gemeinden mitgedacht werden. Je konsequenter, desto besser.
Katastrophenschutz ist verbessert
Es ist viel passiert in den letzten fünf Jahren. Der Katastrophenschutz hat sich verbessert seit der Flutkatastrophe. Zuständigkeiten wurden verändert, Notfallpläne angepasst und Sirenen reaktiviert. Insgesamt ist ein Notrufsystem entstanden, das die Menschen im Land recht zuverlässig erreicht. Es ist ein Instrumentenkoffer für den Ernstfall, für die Notsituation, das war keine Kleinigkeit.
Dennoch bleibt viel zu tun. An der Ahr gibt es eine Reihe von Einzelmaßnahmen, aber keinen wirksamen Hochwasserschutz, der eine Katastrophe wie vor fünf Jahren verhindern könnte. Neue Brücken werden breiter gebaut, es gibt mobile Hochwasserschutzelemente, die nun in einigen Gemeinden zur Verfügung stehen. Es sind in der Summe 700 Einzelmaßnahmen im Kreis Ahrweiler, die helfen sollen. Aber in der Fläche breitere Retentionsräume fehlen weiter. Breite Flutflächen sind das wirksamste Mittel des Hochwasserschutzes. Doch das geht nicht von heute auf morgen. Oft stehen die schwierigen Besitzverhältnisse der Entwicklung im Weg, jeder Quadratmeter Fläche muss erarbeitet und freigemacht werden.
Der Aufbau in den Flutgemeinden wird weiter gehen müssen. Und doch können die Menschen nach fünf Jahren stolz zurückschauen. Viele kleine Schritte haben zu einem langen Weg geführt. Das war eine große Leistung. Das bleibt.
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