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VerkehrsunfallstatistikDie Zahl der Unfälle im Kreis Euskirchen ging 2025 deutlich zurück

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Nach einem Verkehrsunfall stehen zwei stark demolierte Autos auf der Straße, im Hintergrund sind Einsatzkräfte der Feuerwehr zu erkennen.

Zehn Menschen sind im Jahr 2025 auf den Straßen des Kreises gestorben. Bei diesem Unfall im Oktober in Euskirchen kam eine 82 Jahre alte Autofahrerin ums Leben.

Die Polizei hat die Verkehrsunfallstatistik für das Jahr 2025 vorgestellt. Es gab mehr Verletzte, aber deutlich weniger Tote zu beklagen.

Weniger Verkehrsunfälle und deutlich weniger Verkehrstote als 2024, dafür aber mehr verletzte Verkehrsteilnehmer: In den Räumen der Verkehrsdirektion in Mechernich hat die Kreispolizei Euskirchen die Verkehrsunfallstatistik für das Jahr 2025 vorgestellt.

„Eine positive Entwicklung ist es auf jeden Fall, dass nach dem Schreckensjahr 2024 die Zahl der Menschen, die bei Unfällen auf den Straßen im Kreis Euskirchen ums Leben gekommen sind, wieder deutlich zurückgegangen ist“, sagte Landrat Markus Ramers in seiner Funktion als Behördenleiter der Kreispolizei.

Jeder Verkehrsteilnehmer kann dazu beitragen, dass es sicherer auf unseren Straßen zugeht.
Markus Ramers appelliert an das Verantwortungsbewusstsein der Bürger

Die Zahl von zehn Verkehrstoten liegt wieder im Bereich der Jahre 2022 und 2023. 2024 waren 22 Verkehrsteilnehmer auf den Straßen im Kreis Euskirchen gestorben, zwei weitere wurden bei einem Unfall auf der A1 getötet. Die Zahl der Unfälle ging auf 5603 (Vorjahr: 6046) zurück, während die Zahl der Unfälle mit Verletzten auf 638 (586) stieg. Auch die Zahl der verletzten Personen stieg an: von 774 im Jahr 2024 auf 830. Auf nahezu gleichem Niveau ist dabei seit einigen Jahren die Zahl der schwer verletzten Personen: 2025 waren es 153.

Junge Verkehrsteilnehmer sind häufig an Unfällen beteiligt

„Jeder Verkehrsteilnehmer kann dazu beitragen, dass es sicherer auf unseren Straßen zugeht“, betonte Ramers. Das Fahren unter Alkoholeinfluss oder nach dem Konsum anderer berauschender Substanzen, zu schnelles Fahren oder Ablenkung durch den Blick aufs Handy: „Das alles sind Faktoren, die man selbst in der Hand hat“, so Ramers.

Landrat Markus Ramers (Mitte), Polizeirätin Annika Meister (r.), Direktionsleiterin Verkehr der Kreispolizeibehörde Euskirchen, und Polizeidirektorin Gabriele Mälchers, stehen an einem Streifenwagen.

Präsentierten die Unfallzahlen in Mechernich: Polizeichefin Gabriele Mälchers (v.l.), Landrat Markus Ramers als Behördenleiter und Annika Meister, neue Direktionsleiterin Verkehr.

Es sei daher enorm wichtig, weiterhin aufs Thema Prävention zu setzen, um die Unfallzahlen weiter zu senken, betonte Ramers: „Ich habe unlängst erstmals an einer Crash-Kurs-Veranstaltung teilgenommen – das ist mir wirklich unter die Haut gegangen.“ Für die Gruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren gibt es auch weitere Präventionsmaßnahmen, zum Beispiel was den Einfluss von Alkohol und Drogen auf die Fahrtüchtigkeit angeht oder die Wahl der richtigen Schutzkleidung für Moped- und Motorradfahrer.

„Verglichen mit ihrem Anteil an der Bevölkerung sind junge Erwachsene nach wie vor sehr häufig in Verkehrsunfälle verwickelt“, erklärte Annika Meister, neue Direktionsleiterin Verkehr der Kreispolizei. Zwei junge Erwachsene wurden auch 2025 bei Verkehrsunfällen getötet.

Präventionsmaßnahmen auch für Kinder und die Altersgruppe Ü65

„Weitere Zielgruppen für die Präventionsarbeit sind Kinder bis 15 Jahre sowie Senioren ab einem Altern von 65 Jahren“, führte Meister weiter aus. Während im abgelaufenen Jahr keine tödlichen Unfälle mit Kindern zu beklagen waren, kamen sechs Menschen aus der Altersgruppe Ü65 bei Verkehrsunfällen ums Leben. Präventiv geht die Polizei dabei auf die wachsende Zahl von Pedelec-Nutzern ein. „Wir bieten spezielle Schulungen und einen Pedelec-Simulator an“, berichtete Meister. Knackpunkt in dieser Altersgruppe sei die Diskrepanz zwischen allgemein nachlassenden körperlichen Fähigkeiten und den höheren Geschwindigkeiten, die mit einem elektrisch verstärkten Fahrrad erzielt werden könnten.

Bei den Hauptunfallursachen liegen Verstöße aus dem Bereich Vorfahrt und Vorrang (133 Unfälle) weiterhin deutlich vor denen, die durch angepasste Geschwindigkeit zu vermeiden gewesen wären (87). „Alkohol am Steuer wurde bei 46 Verkehrsunfällen von der Polizei als Hauptursache ausgemacht, andere berauschende Mittel waren zehnmal ausschlaggebend“, so Meister. Auch diese Zahl von insgesamt 56 Unfällen bewege sich auf dem Niveau der Vorjahre.

Die Teillegalisierung von Cannabis 2024 habe nach Beobachtung der Polizei keinen direkten Einfluss auf die Unfallzahlen gehabt. „Allerdings sind Ahndungen von Alkohol- und Drogenverstößen im Straßenverkehr im gleichen Zeitraum insgesamt stark angestiegen“, so Meister weiter. Während die Beamten in den Jahren 2021 bis 2023 durchschnittlich 348 Fälle von Alkohol und Drogen am Steuer aufdeckten, stieg die Zahl 2024 auf 579 und 2025 auf 551 Fälle.

„Erschreckende“ Entwicklung bei Zahl der Verkehrsunfallfluchten

Zugenommen hat 2025 auch die Zahl der Unfälle mit Unfallflucht: 1146 Mal entfernten sich die Verursacher unerlaubt von der Unfallstelle. „Erschreckend“, so Ramers, sei es, dass dies auch bei   65 Unfällen geschah, bei denen Personen verletzt wurden. Immerhin stieg im gleichen Zeitraum aber auch die Zahl der aufgeklärten Fälle auf 507.

15 Punkte oder Streckenabschnitte im Kreisgebiet wurden im abgelaufenen Jahr als neue Unfallhäufungsstellen ausgemacht. „Dies geschieht, wenn es innerhalb von drei Jahren zu drei schweren Unfällen mit unterschiedlicher Ursache oder innerhalb eines Jahres zu drei schweren Unfällen mit der gleichen Ursache kommt“, erklärte Polizeichefin Gabriele Mälchers: „Wir sind dann im Rahmen einer Unfallkommission auf die Zusammenarbeit mit anderen Behörden angewiesen, um Verbesserungen in Bezug auf diese Unfallhäufungspunkte zu erzielen oder Gefahrenstellen zu entschärfen.“

So soll zum Beispiel in der Gemeinde Blankenheim im Kreuzungsbereich von L115 und K41 bei Freilingen ein Kreisverkehr gebaut werden. „Sofortmaßnahme war bereits im Jahr 2025 die Installation eines stationären Blitzers, der in beide Richtungen blitzt. Um die Geschwindigkeit weiter zu reduzieren, wollen wir den Kreisverkehr realisieren“, erklärte Ramers. Dies sei wegen der Platzverhältnisse jedoch nicht so einfach.


Unfälle mit E-Scootern nehmen auch im Kreis Euskirchen zu

Nachdem NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) bei der Vorstellung der Unfallstatistik für das Land die hohe Zahl der Unfälle mit E-Scootern beklagt und sich für die Einführung eines entsprechenden Führerscheins ausgesprochen hatte, stand das Thema auch im Kreis Euskirchen im Blickpunkt.

Tatsächlich gab es auch hier im vergangenen Jahr Zwischenfälle, bei denen Fahrerinnen und Fahrer von E-Scootern ins Blickfeld der Polizei gerieten – etwa, wenn sie nach dem Genuss von Alkohol oder anderen Substanzen durch ihre unsichere Fahrweise auffielen.

„Auch die Zahl der Unfälle hat zugenommen“, wusste Polizeirätin Annika Meister zu berichten: Mit 34 Verletzten (darunter fünf Kindern) wurde eine neue Höchstmarke erreicht. Insgesamt habe man es im eher ländlich geprägten Kreisgebiet jedoch mit sehr geringen Fallzahlen zu tun. „Das mag auch damit zusammenhängen, dass die Akkus der E-Scooter im bergigen Gelände nicht so lange halten“, so Meister.