Beim Kreis Euskirchen stehen vor allem noch der Neubau des Thomas-Eßer-Berufskollegs und die Sanierung der Kaller Berufsschule an.
Fördermittel in MilliardenhöheGros der Maßnahmen ist nach Flut im Kreis Euskirchen noch offen

Die Angst vor dem Wasser bleibt, aber der Kreis ist deutlich besser aufgestellt als vor fünf Jahren.
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Fünf Jahre nach der verheerenden Flutkatastrophe vom Juli 2021 hat der Kreis Euskirchen viele Projekte des Wiederaufbaus erledigt. Straßen, Brücken, Kindertagesstätten, Spielplätze und weite Teile der Versorgungsinfrastruktur sind wiederhergestellt, die Eifelbahn und die Erfttalbahn verkehren wieder, und vielerorts ist der Alltag zurückgekehrt.
Gleichzeitig sind zahlreiche Großprojekte, Hochwasserschutzmaßnahmen sowie einzelne kommunale und private Schadensfälle weiterhin unerledigt. Mehr als eine Milliarde Euro an Schäden hatte die Flut im Kreis verursacht.
Der Kreis Euskirchen ist heute deutlich widerstandsfähiger als 2021: Es gibt bessere Warnsysteme, bessere Lagebilder, mehr Redundanz und mehr interkommunale Planung.
„Der Kreis Euskirchen ist heute deutlich widerstandsfähiger als 2021: Es gibt bessere Warnsysteme, bessere Lagebilder, mehr Redundanz und mehr interkommunale Planung. Der Wiederaufbau ist aber weiterhin eine Langstrecke“, sagt Landrat Markus Ramers im Gespräch mit der Redaktion.
Auch die Förderzahlen verdeutlichen das Ausmaß des Wiederaufbaus. Für Privathaushalte und die Wohnungswirtschaft wurden bislang rund 353 Millionen Euro zum Wiederaufbau bewilligt. Insgesamt gingen 8043 Anträge ein.
Fördermittel in Milliardenhöhe für den Kreis Euskirchen
Im Bereich der kommunalen Infrastruktur wurden 642 Förderanträge gestellt, von denen 583 inzwischen abschließend bearbeitet sind. Insgesamt wurden für den Kreis Euskirchen Fördermittel in Höhe von rund 1,07 Milliarden Euro bewilligt. Besonders hohe Summen flossen nach Schleiden, Bad Münstereifel sowie an den Kreis Euskirchen selbst, der allein rund 225 Millionen Euro für eigene Wiederaufbaumaßnahmen beantragt hat.
Millionenprojekte an den Schulen Ein Schwerpunkt des Wiederaufbaus liegt auf den kreiseigenen Schulen. Besonders umfangreich sind die Arbeiten am Thomas-Eßer-Berufskolleg in Euskirchen. Wegen der massiven Flutschäden wird die Schule nicht saniert, sondern komplett an einem anderen Standort neu gebaut. Derzeit laufen noch die planerischen Vorarbeiten.
Anfang 2027 soll mit dem Bau des neuen TEB begonnen werden
Weil das anvisierte Grundstück außerhalb des bebaubaren Bereichs lag, mussten zunächst der Flächennutzungsplan geändert und ein Bebauungsplan aufgestellt werden. Zudem werden derzeit die Erschließungsmaßnahmen vorbereitet. Anfang 2027 sollen die Arbeiten an Straßen, Kanalisation sowie der Strom- und Wasserversorgung beginnen.
„Der Neubau bietet zugleich die Chance, moderne pädagogische Konzepte umzusetzen. Deshalb wurden die Lehrkräfte intensiv in die Planungen eingebunden“, sagt Ramers.
Das Berufskolleg Eifel in Kall erhält einen Teilneubau
Auch das Berufskolleg Eifel in Kall wird grundlegend modernisiert. Dort wird es einen Teilneubau geben, Bestandsgebäude werden aber auch saniert. Zusätzlich wird auf dem bisherigen Parkplatz ein neues Lehrküchenhaus errichtet, das künftig zeitgemäße Ausbildungsbedingungen für angehende Köchinnen und Köche schaffen soll.

Die neue Leitstelle im Anbau des Kreishauses ist fertig. Dadurch ist der Kreis deutlich besser aufgestellt.
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Das Berufskolleg Eifel in Kall wurde stark in Mitleidenschaft gezogen.
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An der Hans-Verbeek-Schule in Euskirchen konzentrieren sich die Arbeiten derzeit auf den Wiederaufbau des Untergeschosses. Nach aktuellem Stand sollen die Räume im Sommer 2027 wieder vollständig genutzt werden können. Anschließend wäre der Wiederaufbau dort abgeschlossen. Die St.-Nikolaus-Schule in Kall ist dagegen nahezu fertig. Lediglich Maßnahmen im Rahmen einer energetischen Sanierung und eine Dachaufstockung stehen noch aus.
Derzeit läuft der Neubau der Brücke über den Kolvenbach
Auch im Bereich der Kreisstraßen sind die meisten Flutschäden inzwischen beseitigt. Die akuten Reparaturen wurden bereits innerhalb von etwa anderthalb Jahren nach der Katastrophe abgeschlossen, sodass der Verkehr nicht dauerhaft eingeschränkt war. Als letzte größere flutbedingte Straßenbaumaßnahme läuft derzeit der Ersatzneubau der Brücke der Kreisstraße 36 über den Kolvenbach bei Eicherscheid. Nach Abschluss der Planungs- und Genehmigungsphase befindet sich das Projekt inzwischen in der Umsetzung.
Der aktuelle Wiederaufbauplan des Kreises umfasst insgesamt 37 bewilligte Maßnahmen. 15 davon sind bereits abgeschlossen, 22 Projekte befinden sich noch in der Umsetzung. Dazu zählen vor allem die umfangreichen Schulbaumaßnahmen einschließlich der Ausstattung mit Inventar und moderner IT.
Von den insgesamt beantragten rund 225 Millionen Euro an Billigkeitsleistungen aus dem Wiederaufbaufonds hat der Kreis Euskirchen bislang knapp 50 Millionen Euro über die entsprechenden Mittelabrufe erhalten.
Fördermittel für den präventiven Hochwasserschutz
Zusätzlich erhält der Kreis rund 21,5 Millionen Euro aus dem Fluthilfefonds für präventive Hochwasser- und Starkregenschutzmaßnahmen. Das Geld wird anhand eines Verteilungsschlüssels an die Städte und Gemeinden weitergegeben, damit diese zusätzliche Schutzmaßnahmen über bereits geplante Projekte hinaus umsetzen können.
Neben dem eigentlichen Wiederaufbau wurde auch der Bevölkerungsschutz umfassend neu organisiert. Nach Angaben der Kreisverwaltung wurden die Kommunikationswege zwischen Kreis, Kommunen, Hilfsorganisationen, Polizei und Betreibern kritischer Infrastruktur grundlegend überarbeitet. Das Krisenmanagement wurde personell, technisch und organisatorisch neu aufgestellt.
Kreis Euskirchen plant ein Gefahrenabwehrzentrum
Investiert wurde nach Angaben der Kreisverwaltung zudem in Notstromversorgung, Treibstoffkonzepte und den Aufbau einer psychosozialen Notfallversorgung für Einsatzkräfte. Darüber hinaus plant der Kreis den Bau eines Gefahrenabwehrzentrums. Das soll im Bereich Kommern entstehen und die Kräfte noch weiter bündeln. Auf politischer Ebene hat das Projekt die erste Hürde genommen. Die Politik hat grünes Licht für die Planungsphase 0 gegeben.
Auch beim Hochwasserschutz setzt der Kreis Euskirchen inzwischen stärker auf Zusammenarbeit. Für alle vier Einzugsgebiete – Ahr, Erft, Kyll sowie Urft/Olef – werden gemeinsam mit weiteren Behörden und Verbänden überregionale Hochwasserschutzkonzepte entwickelt. Ziel ist es, Maßnahmen entlang der gesamten Flussläufe von der Quelle bis zur Mündung aufeinander abzustimmen.
Erftverband und Kreise machen gemeinsame Sache
Neu eingeführt wurde zudem eine digitale Lagekonferenz mit dem Erftverband und den weiteren Kreisen im Erft-Einzugsgebiet. Sie ermöglicht im Hochwasserfall eine gemeinsame Bewertung der Lage in Echtzeit. Das System kam nach Angaben des Kreises seit dem Hochwasser an der Swist im Mai 2025 bereits mehrfach erfolgreich zum Einsatz.
Auch beim Straßenbau werden Konsequenzen aus der Flut gezogen. Künftige Brücken und Durchlässe werden größer dimensioniert und widerstandsfähiger gebaut. Zusätzlich sollen Regenrückhaltebecken, Sandfänge und Querriegel in Straßengräben helfen, Oberflächenwasser künftig besser zurückzuhalten und die Folgen von Starkregen zu begrenzen.
So viel Geld fliesst in den Wiederaufbau im Kreis Euskirchen
Nach der Flutkatastrophe im Juli 2021 konnten Privathaushalte und Unternehmen der Wohnungswirtschaft in NRW Aufbauhilfen nach der Förderrichtlinie „Wiederaufbau Nordrhein-Westfalen“ beantragen. Von dieser Möglichkeit haben bislang 27.642 antragsberechtigte Personen Gebrauch gemacht.
Bis jetzt wurden nach Angaben des Heimatministeriums insgesamt 23.744 Anträge bewilligt. 1888 Anträge wurden abgelehnt, während 875 Antragsteller ihre Anträge selbst zurückgezogen haben. Insgesamt sind damit 27.127 Anträge abschließend bearbeitet, was einer Quote von rund 98 Prozent entspricht.
Im Kreis Euskirchen summiert sich das bislang bewilligte Fördervolumen für Privathaushalte und die Wohnungswirtschaft auf rund 353 Millionen Euro. Den größten Anteil daran hat die Stadt Euskirchen mit rund 124,3 Millionen Euro an bewilligten Hilfen. Auch Bad Münstereifel und Schleiden gehören zu den besonders stark betroffenen Kommunen: In Bad Münstereifel wurden rund 62,7 Millionen Euro bewilligt, in Schleiden etwa 60 Millionen Euro.
Mittel für den Wiederaufbau der kommunalen Infrastruktur
Weitere Fördermittel flossen nach Weilerswist mit rund 31,3 Millionen Euro sowie nach Kall mit etwa 20,6 Millionen Euro und Mechernich mit rund 19,8 Millionen Euro. Für Zülpich wurden Hilfen in Höhe von etwa 16,9 Millionen Euro bewilligt.
Deutlich geringere Summen entfallen auf kleinere Kommunen im Kreisgebiet: Antragsteller aus Nettersheim erhielten rund 3,8 Millionen Euro, aus Blankenheim etwa 2,9 Millionen und aus Dahlem rund 1,3 Millionen Euro.
Neben Hilfen für Privathaushalte und Unternehmen fließen auch umfangreiche Fördermittel in den Wiederaufbau der kommunalen Infrastruktur. Dazu sind bislang insgesamt 642 Anträge eingegangen, 583 davon wurden abschließend bearbeitet. Die bisher ausgezahlte Fördersumme beläuft sich auf rund 1,13 Milliarden Euro. Entsorgungskosten sind in dieser Summe nicht enthalten.
Auch der Kreis Euskirchen erhielt Wiederaufbaugelder
Ein erheblicher Teil der Mittel fließt in den Wiederaufbau im Kreis Euskirchen. Besonders hohe Beträge entfallen auf die massiv betroffenen Städte Schleiden und Bad Münstereifel. Für Schleiden wurden bislang rund 232,2 Millionen Euro ausgezahlt, für Bad Münstereifel etwa 227,3 Millionen Euro.
Auch der Kreis Euskirchen selbst erhält umfangreiche Fördermittel für eigene Infrastrukturmaßnahmen. Hier beläuft sich die Auszahlungssumme aktuell auf rund 224,7 Millionen Euro.
Staatsanwalten ermitteln vielfach wegen Betrugsverdachts
Weitere größere Beträge flossen in die Stadt Euskirchen: Bislang wurden etwa 132,3 Millionen Euro für den Wiederaufbau bewilligt und ausgezahlt. Nach Kall flossen rund 104,9 Millionen Euro sowie nach Mechernich etwa 33 Millionen Euro und Nettersheim rund 32,1 Millionen Euro.
Dahlem erhielt rund 23,5 Millionen Euro und Blankenheim etwa 18,4 Millionen Euro. In Hellenthal wurden bislang rund 16,3 Millionen Euro ausgezahlt, in Weilerswist etwa 14,9 Millionen Euro und in Zülpich rund 12,5 Millionen Euro.
620 Fälle mit Betrugsverdacht wurden bislang im Zuge der Antragsbearbeitung festgestellt. In 337 dieser Fälle waren bereits Fördermittel in Höhe von rund 8,5 Millionen Euro bewilligt worden. Ein Großteil der Vorgänge wurde an die zuständigen Staatsanwaltschaften übergeben. Die weiteren Ermittlungen liegen laut Ministerium damit bei Polizei und Justiz.


