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Kreis EuskirchenIm Freibad fühlt man sich fast wie am Mittelmeer

7 min
Vier Frauen sitzen im seichten Wasser und spritzen einander nass.

Chantal Hormann (v.l.), Vivien Hormann, Silke Pauly und Denise Kühl genießen die Familienzeit im Wasser des Zülpicher Sees.

An diesen heißen Tagen suchen viele Menschen Abkühlung in den Freibädern. Der Kreis Euskirchen hat Mittelmeergefühle zu bieten. 

Am „kältesten Tag“ der in diesem Jahr bisher heißesten Woche waren es am Dienstag durchschnittlich 30,5 Grad in Nordrhein-Westfalen. Entsprechend gut gefüllt waren ab dem Nachmittag Badestellen an den Seen und die Freibäder im Kreisgebiet. Wer konnte, kam aber schon am noch kühlen Vormittag, um im Wasser seine Runden zu drehen. Die Palmen am blitzsauberen, perfekt glatt gezogenen 5000-Quadratmeter-Sandstrand des Seeparks Zülpich würde man so eher am Mittelmeer vermuten.

Eine Gruppe Jugendlicher posiert am Seeufer fürs Foto.

Diese Clique aus Oberstufenschülern des Regino-Gymnasiums Prüm feierte die „Vorferien“ in Rheinland-Pfalz am Kronenburger See.

Zwei Frauen sitzen auf einer Liege, ein Mann steht daneben. Im Hintergrund ist das Schwimmbecken zu sehen.

„Familiär“ sei es hier, meint Andrea Windmüller aus Nierfeld (l.). Zu ihrer Freibadfamilie gehören neben Freundin Desirée Prison auch Badleiter Thomas Engelmayer.

„Wenn man hier am Morgen hinkommt und diesen Blick hat, dann fühlt man sich sofort wie ganz woanders, das hat was!“, sagt Rolf Hartmann, ehemaliger Bürgermeister von Blankenheim, und blickt über die Palmen auf den Zülpicher See. „Wir waren eine Woche in Holland an der Nordsee. Schlechtes Wetter. Da habe ich nur gesagt: Aber wir haben den See in Zülpich!“ Hierhin kommt Hartmann, der in Euskirchen lebt, in diesen Tagen „so oft wie möglich“.

Die Rettungsboje ist immer dabei

Rolf Hartmann schwimmt nur mit seiner Rettungsboje Jetzt schnappt er sich sein „Safety Bag“. Denn ohne die aufblasbare, signalorangefarbene Rettungsboje geht Hartmann auch an der Badestelle des Seeparks nicht ins 26 Grad warme Wasser. „Die kostet wirklich nicht viel. Das sollte einem die eigene Sicherheit wert sein“, meint er.

Das „Bag“ hat ein wasserdichtes Fach fürs Handy und einen Griff zum Festhalten. Hartmann zieht es beim Schwimmen hinter sich her. Ein weißer Strandkorb weiter: Auch Lars Badura aus Rheinbach ist schon so früh, wie es die Öffnungszeiten am Seepark Zülpich erlauben, vor Ort. Beide haben eine Dauerkarte, die sich „nach acht, neun Besuchen schon rentiert hat“, so Badura. Er kritisiert aber, dass es keine Halbtageskarte gebe.

Ein Mann mit Hut steht auf einer Terrasse und zeigt auf den See.

Betreibt das Seebad in Freilingen: Cetin Erdogan.

Ein Paar liegt am Sandstrand.

Lotta Schmitz und Yannik Dietrich genießen die angenehme Kühle am Vormittag am Badestrand des Seeparks Zülpich.

Ab Mittag werde es für seinen Geschmack einfach zu heiß und nach Schulschluss und mit nahendem Feierabend dann auch schnell voller. Was er, Hartmann und auch Lotta Schmitz aus Bad Münstereifel mit Yannik Dietrich aus Kirchheim schon früh im abgetrennten Badebereich des Zülpicher Sees genießen, ist aber vor allem „die angenehme Kühle des Wassers“, so Schmitz. Inklusive Fernwehstimmung unter Palmen. Die Steinbachtalsperre bei Kirchheim ist weiter nicht in Betrieb. Das Freibad dort wäre ihnen näher. Aber dieses Gefühl hätten sie dort vermutlich nicht.

Eine halbe Fahrstunde weiter lautet wenig später am Imbisswagen oberhalb der Hauptliegewiese des Freilinger Sees die Frage: „Kann ich bei Ihnen auch mit Karte bezahlen?“ Cetin Erdogan, der die „Seebar“ betreibt und den Imbisswagen verpachtet hat, bedauert: „Leider nein.“ Dafür sei die Internetverbindung am Imbisswagen einfach nicht „stabil genug, die reißt immer wieder ab“, erklärt der Gastronom und meint, das solle die Gemeinde Blankenheim doch mal verbessern.

Die Umkleidekabinen sollten sauberer sein!
Steffi Wielspütz

Apropos Hinweise und Ratschläge: „Das könnte man einfach mit einer App regeln“, meint wenige Meter weiter Olaf Rübben aus Aachen, der mit Ehefrau Michaela auf Liegestühlen im Schatten am Seeufer entspannt. Er meint den noch geschlossenen Verleih der quietschbunten Tretboote am Ufer unterhalb. „Das würde wie bei den E-Bikes funktionieren: Abrechnungsschnitt ist die Rückgabe des Tretbootes am Steg.“ Was aber ebenfalls eine sichere Onlineverbindung auf dem Ufergelände des Freilinger Sees voraussetzen würde.

Das alles bekommt auch Steffi Wielspütz aus Zingsheim mit, die ihrerseits einen Tipp an die Gemeindeverwaltung loswerden möchte: „Die Umkleidekabinen sollten sauberer sein!“ Offenbar war dem gerade nicht so, ein kurzer Gang zu den beiden halboffenen Umkleideräumen in einem alten Holzschuppen bestätigt die Vermutung: Die „Räume“ sind dunkel, in den Ecken nicht gerade blitzeblank, wenn auch kein Müll herumliegt. Die teilweise mit Graffiti beschmierten Wände könnten aber einen – hellen – Neuanstrich gut gebrauchen.

Barbetreiber lobt den Bauhof

Das Seegelände ist frei zugänglich, eine feste Kontrolle gibt es nicht. Eine „verdreckte“ Umkleide? Das will Bürgermeisterin Jennifer Meuren nicht auf sich sitzen lassen: „Der Bauhof ist derzeit jeden Morgen – also täglich, auch samstags und sonntags – am See, um den Müll auf der Fläche zu sammeln und die Mülleimer zu entleeren. Hierbei wird auch die Umkleide kontrolliert.“ Vielleicht aber in diesen Freibad- und Badesee-Feiertagen nicht oft genug.

Cetin Erdogan von der „Seebar“ hört das alles wohl, will jetzt aber mal die Gemeindeverwaltung und den Bauhof loben. Er baut in diesem Sommer vor seinem mittlerweile 200 Sitzplätze großen Restaurant eine Open-Air-Bühne auf. Es soll ein Konzert im Juli, drei, vielleicht vier im August und noch eins im Oktober geben. Alles nur möglich, weil der Bauhof für den Zweck einen neuen Stromkasten aufgestellt hat.

Aus den Niederlanden an den Freilinger See

Und wer dann an einem lauen Sommerabend zur „Seebar“ an den Freilinger See kommt, der fühlt sich unter bunten Lichterketten, bei Livemusik, die zum Tanzen einlädt, wie die Badefreunde am Palmenstrand in Zülpich: Mittelmeer in der Eifel. Entspanntes Sommergefühl kommt unterdessen jetzt schon am Kronenburger See auf. Auch hier ist der Eintritt frei, und die Parkplatzgebühren sind moderat.

Niels Boomen aus Breda in den Niederlanden hat auf der Rückfahrt mit dem Motorrad vom Nürburgring nach einem Badesee entlang der Route gesucht – sie führt ausschließlich über Landstraßen – und den Kronenburger See gefunden. „Es ist ruhig hier, die Wassertemperatur ist angenehm kühl, die Liegewiese ist schön“, meint er mit Blick aufs schattige Grün an der gekiesten kleinen Badestelle. Bedauerlich finde er nur, dass er an der Kasse des „Seeterrassen“-Kiosks nur bar bezahlen kann. Die Option einer Kartenzahlung sei doch mittlerweile Standard, meint der Niederländer. Und 4,50 Euro für eine kleine Portion Fertigpommes mit Tütchen-Mayonnaise seien auch nicht gerade günstig.

Das Wasser ist super, ganz klar.
Badbesucherin Lina

Das trübt die ausgelassene Stimmung einer Clique von Oberstufenschülern aus Prüm nicht die Bohne. Sie haben das Abi erst im kommenden Jahr vor sich, jetzt werden die „Vorsommerferien“ mit einem Tag am Kronenburger See fortgesetzt. „Das Wasser ist super, ganz klar“, freut sich Lina, und man sei ja deshalb hier, weil es nicht immer das Freibad in Prüm sein könne.

Der idyllische kleine Waldsee bei Wascheid, eine Alternative wenige Kilometer von der Abteistadt entfernt, sei einfach zu abgeschieden. Also ab zum Kronenburger See. Und dann wieder zurück in die Heimat, wo am Abend dann vermutlich beim „Prümer Sommer“, einem weithin bekannten Open-Air-Konzertreigen, weitergefeiert wird. Ob am Zülpicher See, dem bei Freilingen oder der eigentlichen Hochwasserschutzanlage unterhalb von Kronenburg: „Urlaubsgefühle“ gibt es überall – und das zu Hause.

Als Teenager nachts über den Zaun ins Rosenbad geklettert

Das sieht auch Andrea Windmüller aus Nierfeld so. Sie sitzt entspannt auf einer Holzliege am Rand des 20 mal 50 Meter großen „Olympiabeckens“ des Bürgerbads in Gemünd. Am Drei-Meter-Sprungturm prangen die fünf olympischen Ringe, das Bad wurde 1936 zu den Olympischen Spielen in Berlin erbaut. Seit 57 Jahren komme sie ins Freibad, meint Windmüller.

Damit ist sie eine von vielen Stammgästen der Anlage oberhalb der Olef in den Malsbenden. In Kindertagen sei sie hier mit den Klassenkameraden gewesen, später „als Teenager, aber auch noch danach“ immer mal im Sommer des Nachts „über den Zaun geklettert“. Mit ihrer Familie blieb sie ihrem Bad natürlich treu, „und meine Tochter hat hier Schwimmen gelernt“. Eine Freibadbiografie, genauer eine im „Rosenbad“, wie es die Gemünder nennen.

Woher der Name kommt? „Badleiter“ Thomas Engelmayer geht unweit des Beckenrands in die Hocke und greift vorsichtig unter einen Blütenkelch: Rote und rosafarbene Rosen sind rund um das Schwimmbecken gepflanzt und werden vom 1989 gegründeten Betreiberverein, dem Bürgerbad Verein e.V., gehegt und gepflegt. Engelmayer sieht die Frage rhetorisch. Rosen rund um ein „Olympiabecken“ – die hat in der Eifel vermutlich keiner.


Die Öffnungszeiten der Freibäder ggfg

Seepark Zülpich Öffnungszeiten Juni bis August: 9 bis 19 Uhr, September: 10 bis 18 Uhr. Parkplätze frei. Freilinger See Eintritt frei, kostenpflichtige Parkplätze. Kronenburger See Eintritt frei, kostenpflichtige Parkplätze. Rosenbad Gemünd Öffnungszeiten bis Anfang September täglich 9 bis 19 Uhr. Erlebnisfreibad Dieffenbach Geöffnet Montag bis Freitag: 9.30 bis 19 Uhr, Samstag/Sonntag/Feiertage: 9 bis 19 Uhr, bei schlechtem Wetter: 16 bis 19 Uhr.