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Theater im MuseumsbahnhofKrimi-Rollenspiele und ein legendärer Luxuszug in der Eifel

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Darsteller in historischer Kleidung der 1920er-Jahre in einer Spielszene am Bahnsteig des Museumsbahnhofs mit einem roten Schienenbus im Hintergrund.

Im Luxuszug von Paris nach Konstantinopel: Der Museumsbahnhof Ahütte wird beim Impro-Theaterstück „Nachtzugreisende“ zum Schauplatz einer unterhaltsamen Geschichte aus den mondänen 20er-Jahren des 20. Jahrhunderts.

Der Museumsbahnhof Ahütte wird zum Schauplatz interaktiver Rollenspiele. Das Jahresprogramm 2026 bietet aber auch weitere Premieren.

Aus einem fünf Jahrzehnte andauernden Dornröschenschlaf hat Andreas Kurth das alte Bahnhofsgebäude in Ahütte erweckt: Bereits 1973 wurde die Bahnstrecke zwischen Dümpelfeld und Jünkerath stillgelegt – der Bahnhof, nur wenige Kilometer von der Landesgrenze entfernt im nördlichsten Zipfel des Landkreises Vulkaneifel gelegen, verlor seine Funktion. „Ich habe das Gebäude viele Jahre später als Ruine übernommen“, berichtet Kurth. Nach langwieriger und aufwendiger, denkmalgerechter Sanierung eröffnete er den „Museumsbahnhof Ahütte“ dann im Jahr 2023 für die Öffentlichkeit.

Inzwischen hat sich das Gebäudeensemble als lebendiger Treffpunkt der Kulturszene etabliert, in dem bereits zahlreiche Künstlerinnen und Künstler der unterschiedlichsten Genres aufgetreten sind. „Wir gehen jetzt in unsere vierte Saison und wollen den Museumsbahnhof zum Veranstaltungsort eigener, selbst konzipierter Kulturangebote weiterentwickeln“, freut sich Kurth auf neue Herausforderungen.

Beim Krimi-Rollenspiel wird der ganze Bahnhof zur Kulisse

Der selbst ernannte „Bahnhofsvorsteher“ Andreas Kurth verweist darauf, dass bereits aktuell eine selbst konzipierte, besondere Spielform des „Krimidinners“ das erfolgreichste Veranstaltungsformat des Museumsbahnhofs ist: Denn wenn dieses inzwischen bis zu zweimal monatlich im Museumsbahnhof angeboten wird, wird der ganze Bahnhof zur Kulisse eines unterhaltsamen Krimi-Rollenspiels.

Andreas Kurth sitzt auf einer hölzernen Bank im Bahnhofs-Wartesaal in Ahütte.

Der kreative Kopf hinter den verschiedenen Angeboten ist „Bahnhofsvorsteher“ Andreas Kurth.

„Und es wird tatsächlich viel gespielt“, sagt Kurth: „Planmäßig durchgehend drei Stunden lang und manchmal auch etwas länger, wenn es die Aufklärung des Falls erfordert.“ Kurth macht die Teilnehmenden dabei zu Reisenden eines Nachtzuges und erstellt in mühevoller Vorbereitung individuelle Rollenkarten, die neben zahlreichen weiteren Informationen vorab an die Teilnehmenden verschickt werden.

Wir dürfen den Namen des berühmten Zuges aus markenrechtlichen Gründen in diesem Zusammenhang leider nicht nennen.
Andreas Kurth, kreativer Kopf und „Bahnhofsvorsteher“ im Museumsbahnhof Ahütte

„Erreichen die Gäste dann am Abend des Spiels den Bahnhof, werden sie von mir bereits gebührend in ihrer jeweiligen Rolle begrüßt“, erklärt Kurth. Wichtig dabei sei, dass jeder Besucher selbst entscheide, wie weit er in die ihm zugedachte Rolle eintauchen möchte: „Man muss sich keine Sorgen machen, performen zu müssen: Man kann den Abend auch aus der Zuschauerperspektive erleben“, so der Veranstalter weiter: „Jeder soll sich schließlich wohlfühlen.“ Das erste Krimidinner des Jahres am vergangenen Wochenende war bereits frühzeitig ausverkauft, zur Zeit läuft der Vorverkauf für den nächsten Termin am 14. März. Im Preis von 79 Euro ist dann auch ein Drei-Gänge-Menü inbegriffen.

Fahrgäste eines berühmten Luxuszuges stranden in der Eifel

„Aber die Reise geht noch weiter“, weist Kurth auf ein neues, interaktives Format hin: Er und seine Mitstreiter haben bereits einen neuen Stoff entwickelt, der am Samstag, 21. Februar, Premiere in Ahütte feiern wird. „Wir haben bei unserem Krimidinner die Faszination vieler Gäste für die geheimnisvollen Reisenden bemerkt, welche vor über 100 Jahren mit den Zügen quer durch Europa von Paris bis Konstantinopel gereist sind, und möchten nun diese Geschichten erzählen.“

Museumsbahnhof Ahütte: Außenansicht mit rotem Schienenbus.

Nächster Halt: Kultur. Der Museumsbahnhof Ahütte hat sich zu einem beliebten Ziel sowohl für Eisenbahnfans wie auch für Kulturfreunde entwickelt.

Im Luxuszug von Paris in den Orient? – Nicht nur Fans der Krimis von Agatha Christie wissen bei diesem Stichwort natürlich sofort, was gemeint ist. „Wir dürfen den Namen des berühmten Zuges aus markenrechtlichen Gründen in diesem Zusammenhang aber leider nicht nennen“, bedauert Kurth – ist sich jedoch sicher, dass dieser Umstand sich nicht nachteilig auf den Erfolg des Programms mit dem Titel „Nachtzugreisende“ auswirken wird.

Unterstützung für sein neues Projekt fand Kurth dabei im Kölner Musiker und Songwriter Winfried Bode, der auf den Zug aufgesprungen ist und seine Mitwirkung zur musikalischen Begleitung eines Dinners über die Geschichte der Reisenden des legendären Nachtzuges angeboten hat.

Veranstaltungsjahr 2026 bietet weitere Premieren im Eifelort Ahütte

Verschiedene Darstellerinnen und Darsteller, darunter die Schauspielerin Anne Fink, übernehmen bei dieser Veranstaltung zwischen den kulinarischen Gängen die Rollen berühmter Reisender und werden dabei in kurzen Szenen mit dem Publikum interagieren. „Alle Gäste sind eingeladen, die Geheimnisse dieser berühmten Reisenden aufzudecken“, lädt Kurth zum Mitraten ein.

Die Geschichten aus dem berühmten Zug werden aber nicht die einzige Premiere des neuen Veranstaltungsjahres sein: Am 18. April wird der historische Wartesaal im Bahnhofsgebäude erstmals zur „Open Stage“ – also zur Bühne, die allen interessierten darstellenden Künstlerinnen und Künstlern offensteht. „Ganz egal ob Poetry-Slam oder Musik – wir sind gespannt, was kommt“, so der Kulturmanager, der für die Premiere bereits einige Akteure eingeladen hat.

Mit Unterstützung des Landes Rheinland-Pfalz geht es dann im Sommer weiter. „Ganz besonders freuen wir uns, dass wir erstmals Spielort des Kultursommers Rheinland-Pfalz sein werden“, berichtet Kurth. Unter dem Arbeitstitel „Das wilde Bahnhofsleben der 1920er- Jahre“ ist eine Veranstaltung geplant, die sich der Kunstform des Tanzes widmen soll. „Wer sich da angesprochen fühlt und mit den Themen Tanz oder Showtanz verbunden ist, kann sich gerne bei uns melden“, hofft Kurth auf die Vernetzung mit Aktiven aus der Region.


Jahresprogramm und Vorverkauf

Der Vorverkauf für die Premiere der Veranstaltung „Nachtzugreisende“ am Samstag, 21. Februar, ist bereits angelaufen. Der „Fahrschein“ zur Zeitreise durch die Geschichte der Reisenden des Nachtzuges kostet inklusive Drei-Gänge-Menü derzeit 59 Euro für Frühbucher, ab dem 15. Februar dann 65 Euro.

Der vollständige „Jahresfahrplan“ des Museumsbahnhofs mit vielen weiteren Veranstaltungen für das Jahr 2026, darunter Lesungen, Ausstellungen und Vorträge zu Eisenbahnthemen, ist ab sofort online sowie auch gedruckt als Broschüre vor Ort sowie in den Touristinformationen der Ferienregion Gerolsteiner Land, zum Beispiel in Hillesheim, erhältlich.