Rolf Zimmermann hat in den vergangenen 50 Jahren das DRK im Kreis Euskirchen geprägt wie kaum ein anderer und das Engagement in Vogelsang initiiert.
Im Alter von 74 JahrenMister DRK im Kreis Euskirchen: Rolf Zimmermann ist gestorben

Werte und Haltung zu vermitteln, war ein zentrales Anliegen von Rolf Zimmermann.
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Das Leben ist schön. Diesen Satz, gerne auch auf Platt, kennt jeder, der Rolf Zimmermann kannte. Mit diesem Satz beginnt der DRK-Kreisverband den Nachruf für Rolf Zimmermann, der am Sonntag im Alter von 74 Jahren gestorben ist. Zimmermann hat das Rote Kreuz im Kreis Euskirchen im vergangenen halben Jahrhundert geprägt wie kaum ein anderer. Doch das, was Rolf Zimmermann ausgemacht hat, sind weniger Zahlen, Daten und Projekte, sondern vielmehr seine Art, wie er die Dinge angegangen ist. Wie er Menschen eingefangen hat. Die Spuren, die er in den Menschen hinterlässt.
Zimmermann, aufgewachsen im Euskirchener Traditionsgeschäft Quaedvlieg, war eigentlich Ur-Euskirchener. Eigentlich. Bis er bekennen sollte, mehr und mehr zum Eifeler zu werden. Ab dem Zeitpunkt, an dem Vogelsang in sein Blickfeld gerückt wurde. Vogelsang, wo gerade die Belgier abgezogen waren. Wo sich ungeahnte Chancen bieten könnten. Für das DRK, für die strukturschwache Eifel. In seinem ihm eigenen Tempo, mit seiner Energie, seiner hemdsärmeligen Art legte er los. Dass das nicht jedem Protagonisten im eher bürokratielastigen Konversionsprozess gefiel, war Zimmermann bewusst. Und egal.
Er begründete das große Engagement des DRK in Vogelsang
Mit der Einrichtung des Jugend-, Natur- und Umweltbildungshauses im „Transit 59“ begann 2009 nicht nur das große Engagement des DRK in Vogelsang, dem zwei Museen in einstigen Kameradschaftshäusern, die Akademie sowie Unterkunft für Ortsverein, Bereitschaft und Bergwacht und das „Fluchthaus“ folgen sollten. Es ist das Spätwerk Zimmermanns, in dem sich für ihn ein weiterer Kreis geschlossen hat.
Neben dem Machen, dem Umsetzen einer Idee, dem Vorantreiben eines Gedankens rückten der „Spirit“ des Roten Kreuzes, die Werte, für die die Bewegung steht, für ihn stark in den Fokus. Erlebt hatte er derartiges als junger Mann bei den von der Mutter gesponserten Reisen zu Welt-Pfadfindertreffen in den USA und Japan. Viel später – insbesondere inspiriert durch eine Reise zur Wiege des Roten Kreuzes in Solferino – sollten ihm gerade die Vermittlung des Spirits und die Weitergabe dieser Haltung an junge Menschen ein ganz besonderes Anliegen werden.
Die Arbeit mit jungen Leuten begann in den 80ern mit Euro Children
Die Arbeit mit und das Engagement für junge Menschen haben Zimmermann früh geprägt: in den 1980ern etwa durch das Projekt Euro Children, eine Ferienmaßnahme für Kinder aus Belfast – damals Krisengebiet. Zu einer Familie sollte sich eine Freundschaft entwickeln, die über das Projekt deutlich hinausging. Die aber auch eine große Enttäuschung bereithielt, als einer der Jungs als Mitglied der IRA im Gefängnis saß.
Dass sein Leben nicht ohne Ecken, Kanten und Brüche war, war Rolf Zimmermann sehr bewusst. Immer wieder hat er gebremst, innegehalten, neue Ansätze gefunden. Sei es beruflich, sei es privat, sei es beim DRK.
Erst der Schreibtisch, dann der Einsatz im Katastrophengebiet
Als Alternative zum Wehrdienst hatte er zum Roten Kreuz gefunden – und war geblieben. „Ich hatte Lunte gerochen und das Rot-Kreuz-Virus gefressen“, hat Zimmermann mal über die Zeit gesagt, die allerdings noch nicht so viel mit dem Spirit zu tun hatte, der ihm später so wichtig sein sollte. Stattdessen war es Ende der 80er-, Anfang der 90er-Jahre ein Vollzeit-Ehrenamt. Die DRKler aus dem Kreis Euskirchen kamen viel rum, absolvierten zahlreiche Auslandseinsätze: Prager Botschaft, Polen, Ungarn, Rumänien, Serbien, Kosovo. Rolf Zimmermann nicht. Er war der Mann im Hintergrund, als Kreisbereitschaftsführer war sein Platz in Euskirchen am Schreibtisch: Dinge organisieren, für Nachschub sorgen, Probleme lösen – kurz: „Den Jungs den Rücken freihalten.“
Auch wenn Zimmermann nie verpassten Gelegenheiten nachgetrauert hat, hat sich dieser Kreis für ihn Jahre später geschlossen. Wie es ist, selbst im Einsatz zu sein, im Katastrophengebiet, hat er 2005 erfahren: nach dem Tsunami auf Sri Lanka, wenige Monate später nach dem Erdbeben in Pakistan.
Was bleibt? „Das Leben ist schön“
Was viele sich kaum vorstellen können: Dazwischen war Zimmermann vier Jahre raus, hatte sich mit dem Vorstand überworfen, wollte mit dem DRK nichts mehr zu tun haben. Dass er nach dieser Phase Ende der 90er -Jahre mit 200 Prozent Power zurückkommen sollte, versteht sich fast. Als Geschäftsführer sollte er seinen Ruf als „Mister DRK“ im Kreis bis zu seinem Ruhestand 2012 endgültig manifestieren.
Dass Ruhestand bei Rolf Zimmermann wenig mit Ruhestand zu tun hat,war klar. Seine Energie steckte er weiterhin in die Projekte in Vogelsang, in die Vermittlung des Spirits. Ruhe fand er bei einem Pfeifchen, Freude hatte er an (stundenlangen) Debatten über Gott und die Welt und Anthony de Mello, den er nach langer Suche als „eine Art persönlichen Lebensguru“ gefunden hatte.
Neben der Erinnerung an sein Lausbuben-Grinsen, sein herzliches Lachen, seinen Humor und all die Rolf-Geschichten, die so vielen in den Sinn kommen, wenn sie an Zimmermann denken, bleiben seine Haltung und die positive Art, Möglichkeiten und nicht die Hindernisse zu sehen. All das mag sich in seinem Satz „Das Leben ist schön“ (alternativ: „Is et nit herrlich?“) kumulieren. Doch die Wirkung geht tiefer.
Stimmen zum Tod von Rolf Zimmermann
Markus Ramers, Landrat: „Wenn im Kreis Euskirchen vom Deutschen Roten Kreuz die Rede war, fiel eigentlich immer sehr schnell ein Name: Rolf Zimmermann. Rolf war bekannt wie ein bunter Hund – und das im allerbesten Sinne. Gleich beim ersten Treffen meinte er zu mir: Hör op met dem Dress, ich bin der Rolf. Das passte zu ihm: direkt, herzlich, bodenständig und immer nah bei den Menschen. Rolf war für mich ein echter Pfundskerl. Ein Macher. Bei allem, was Rolf tat, hatte er einen klaren inneren Kompass. Er war ein aufrechter Verfechter von Menschlichkeit und Völkerrecht. Und gleichzeitig hatte er diese ansteckende Lebensfreude, diesen Optimismus, der zu ihm gehörte wie die rote Weste des DRK. ,Das Leben ist schön’ war deshalb viel mehr als ein Spruch. Er war Ausdruck seiner Haltung. Rolf hat das Leben gemocht, die Menschen gemocht – und er wollte etwas bewegen. Genau so werde ich ihn in Erinnerung behalten.“
Karl Werner Zimmermann, Vorsitzender DRK-Kreisverband: „ Rolf war der Mentor des Roten Kreuzes im Kreis Euskirchen. Als Vorstand waren wir mit seiner schnellen Art vielleicht nicht immer sofort einverstanden. Aber was er geschaffen und aufgebaut hat, ist außergewöhnlich. Man kann ohne Übertreibung von seinem Lebenswerk sprechen. Unsere Aufgabe ist es nun, dieses Werk in seinem Sinne fortzuführen.“
Rolf Klöcker, Geschäftsführer DRK-Kreisverband: „Mit Rolf ist ein Mensch gegangen, dessen Bedeutung für unser Rotes Kreuz kaum in Worte zu fassen ist. Denn Rolf war vor allem ein Mensch mit Ideen, mit Haltung und mit einem großen Herzen für das Rote Kreuz. Einer, der Menschen begeistern konnte und sich mit einem ,Das geht nicht’ nur selten zufriedengab. Wer mit Rolf gearbeitet hat, erinnert sich an Diskussionen, bei denen man gute Argumente brauchte. An außergewöhnliche Ideen. An seinen Humor, seine Direktheit und dieses verschmitzte Lächeln, bei dem man oft schon die nächste Idee ahnte. Und vielleicht auch an Momente, in denen man zunächst den Kopf schüttelte und später feststellte: Der Rolf hatte vielleicht doch recht.“
Simon Jägersküpper, Nachfolger von Rolf Zimmermann im Rotkreuz-Museum: „Rolf hat in Vogelsang ein Wohnzimmer für das Rote Kreuz gebaut: einen Ort, an dem Menschen zusammenkommen, sich wohlfühlen und die Familie des Roten Kreuzes spüren können. Jetzt erreichen uns Kondolenzen aus aller Welt.“
