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Feuerwehr im DauerstressWaldbrände halten Einsatzkräfte im Kreis Euskirchen in Atem

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Ein Feuerwehrmann mit Atemschutzausrüstung löscht in einem Wald mit verkohlten Baumstämmen ein Feuer.

Am Donnerstag kam es auf der Kartsteinhöhe bei Zingsheim in der Nähe mehrerer Aussiedlerhöfe zu einem Wald- und Vegetationsbrand.

Beim Einsatz im Hürtgenwald sind auch Katastrophenschutzeinheiten aus dem Kreis Euskirchen vor Ort. Auch hier gibt es aktuell fast täglich neue Einsätze.

Es sind Bilder, die man sonst nur aus Südeuropa kennt: Eine riesige und weithin sichtbare Rauchsäule steht über dem Hürtgenwald (Kreis Düren). Mit Unterstützung mehrerer Hubschrauber versuchen Einsatzkräfte aus ganz NRW seit Donnerstag, dort einen ausgedehnten Waldbrand unter Kontrolle zu bringen. Das Feuer hat sich nach Angaben der Dürener Kreisverwaltung am Freitag auf eine Fläche von etwa 300 Hektar ausgedehnt. Der Ortsteil Gey wurde evakuiert, 1800 Einwohner mussten am frühen Freitagmorgen ihre Häuser verlassen.

Mit etwa 70 bis 80 Einsatzkräften sind auch verschiedene Katastrophenschutz-Einheiten aus dem Kreis Euskirchen vor Ort, um die Feuerwehr bei den Löscharbeiten zu unterstützen. „Aktuell sind wir mit dem Wasserförderzug, einem Tankwagen aus der Gemeinde Weilerswist, der Einsatzeinheit Katastrophenschutz des DRK-Kreisverbands sowie der Fachgruppe Notversorgung und Notinstandsetzung des THW in Hürtgenwald im Einsatz“, zählt Kreisbrandmeister Peter Jonas am Freitag auf.

Einsatzkräfte aus dem Kreis Euskirchen werden regelmäßig abgelöst

Da davon ausgegangen werden müsse, dass sich die Löscharbeiten noch über einen längeren Zeitraum erstrecken, geht Jonas davon aus, dass sich die Zahl der Helfer aus dem Kreis Euskirchen noch einmal erhöhen könnte: „Das hängt aber davon ab, wie die Löscharbeiten vorankommen“, so Jonas: „Wir alle hoffen, dass der Brand möglichst schnell aus der Luft eingedämmt werden kann, damit die Feuerwehren im Wald selbst die nächsten Löschangriffe vornehmen können.“

Rauch eines Waldbrands steigt über dem Hürtgenwald auf (Aufnahme aus einem Flugzeug).

Rund 300 Hektar Fläche des Hürtgenwalds sind betroffen. Im Vordergrund ist der Rursee zu erkennen.

Ein Polizeihubschrauber mit Löschwasser-Außenlastbehälter startet zum Einsatz bei den Löscharbeiten beim Waldbrand im Hürtgenwald. Weitere Hubschrauber ssind im Anflug.

Mehrere Hubschrauber sind im Hürtgenwald im Einsatz, um die Flammen aus der Luft zu bekämpfen.

Unterdessen wird im Kreis Euskirchen bereits die Ablösung der eingesetzten Katastrophenschutzeinheiten geplant. „Am Freitagabend steht das turnusmäßig wieder an. Das Material bleibt vor Ort, dafür rücken dann neue Kräfte nach, um die Kollegen abzulösen“, erklärt Jonas.

Dichter Rauch zog von Hürtgenwald über das Euskirchener Kreisgebiet

Die Auswirkungen des Waldbrands im Hürtgenwald waren auch in großen Teilen des Euskirchener Kreisgebiets spürbar. „Die Rauchschwaden zogen am Vormittag zunächst in Richtung Euskirchen und Weilerswist, bevor gegen Mittag der Wind drehte und den Rauch in Richtung der Südkreis-Kommunen trieb“, so Jonas.

„Es gab etliche Anrufe in der Leitstelle wegen vermeintlicher Brandmeldungen, die aber auf die Rauchbelastung zurückzuführen waren“, sagt der Kreisbrandmeister. Die Bevölkerung in den betroffenen Gebieten wurde auch im Kreis Euskirchen über die Warnapps über den Waldbrand informiert und dazu aufgerufen, Fenster und Türen wegen des Rauchs vorsorglich geschlossen zu halten.

Trecker und Feuerwehrfahrzeuge stehen auf einem Feld.

Mehrere Landwirte brachten neues Löschwasser mit Wasser- und Güllefässern zum Einsatzort.

Ein Auto zieht einen Anhänger, in dem Wasser zur Einsatzstelle transportiert wird.

Jeder Liter Löschwasser zählt.

Die Feuerwehr ist unterdessen auch bei Einsätzen im Kreis Euskirchen gefragt: Am Donnerstag brannte es beispielsweise auf einer rund zehn Hektar großen Wiesen- und Waldfläche auf der Kartsteinhöhe zwischen den Orten Zingsheim, Weyer und Keldenich. Weitere Brände meldet die Euskirchener Polizei zudem aus Niederkastenholz, Kirchheim und Schweinheim. Am Freitag kam es im Bereich der ehemaligen Eifelhöhen-Klinik in Marmagen ebenfalls zu einem kleineren Vegetationsbrand.

Seit Mitte Juni hat es im Kreis Euskirchen kaum geregnet

Begünstigt wird das Brandgeschehen jeweils von der ausgedehnten Trockenheit, denn im gesamten Kreis Euskirchen hat es – bis auf einige lokale Schauern und Gewitter – seit Mitte Juni nicht mehr nennenswert geregnet. Der Waldbrandgefahrenindex sowie der Graslandfeuerindex liegen im gesamten Kreis Euskirchen weiterhin bei der zweithöchsten Stufe (4). Sollte es am Wochenende zu den angekündigten Gewittern kommen, könnten beide Indizes um eine Stufe abgesenkt werden.

Bei den meisten Wald- und Flächenbränden der vergangenen Wochen – die „Saison“ begann in diesem Jahr bereits Anfang Mai mit einem Brand am Roderter Kirchweg in Bad Münstereifel – wird Brandstiftung als Ursache vermutet. Das gilt auch für den Einsatz in der Nähe mehrerer Aussiedlerhöfe auf der Kartsteinhöhe, zu dem am Donnerstag rund 120 Feuerwehrleute aus den Gemeinden Nettersheim, Hellenthal und Kall sowie aus der Stadt Mechernich ausrückten.

„Als wir vor Ort eintrafen, brannte es an vier verschiedenen Stellen“, berichtete der Nettersheimer Wehrleiter René Schreiber. Einen Funkenflug zwischen den räumlich bis zu 100 Metern auseinanderliegenden einzelnen Brandherden hält er für „zumindest fragwürdig“. Die Polizei hat die Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen.

Bürgermeister Ingo Pfennings fordert klare Regeln für spontane Helfer

Die hohe Zahl an Vegetationsbränden gibt auch dem Schleidener Bürgermeister Ingo Pfennings zu denken. „Für mich ist das ein weiterer Beleg dafür, dass wir unsere Vorstellung von Sicherheit verändern müssen“, sagte der Vorsitzende des CDU-Kreisverbands. „Bei einem großflächigen Waldbrand reichen Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienst, Katastrophenschutz und Bundeswehr allein irgendwann nicht mehr aus. Wie wir gerade wieder im Hürtgenwald erleben, werden dann auch die Fähigkeiten und Ressourcen der Menschen vor Ort gebraucht: Landwirte mit Traktoren und Güllefässern, Forstwirte mit Maschinen und Ortskenntnis, Unternehmen mit Fahrzeugen und Logistik, Hilfsorganisationen, Vereine, Nachbarschaften und viele engagierte Bürgerinnen und Bürger.“

Genau hier gebe es aber auch noch Hausaufgaben zu erledigen: „Wir müssen bundesweit schnellstmöglich klären, unter welchen Voraussetzungen Spontanhelfende eingesetzt werden können, wer sie koordiniert, wie die Kommunikation funktioniert und insbesondere welchen Versicherungsschutz sie bei ihrem Einsatz genießen“, fordert Pfennings. Es brauche „klare und praxistaugliche Regeln“ für Landwirte, Forstwirte und andere Menschen, die mit ihrer eigenen Technik und ihrem persönlichen Einsatz helfen wollen.


Kreis Euskirchen weist auf Verhaltensregeln hin

Die Kreisverwaltung weist wegen der weiterhin hohen Gefahr für Wald- und Flächenbrände nochmals auf die allgemeinen Sicherheitshinweise hin. „Gerade bei Trockenheit kann schon ein kleiner Funke einen großen Brand auslösen.“

  1. Keine Zigarettenreste wegwerfen – weder auf Wiesen, Rasenflächen und Felder, noch in den Wald. In Nordrhein-Westfalen gilt vom 1. März bis 31. Oktober ein gesetzliches Rauchverbot im Wald.
  2. Kein offenes Feuer im Wald, auf Wiesen, Feldern oder Rasenflächen.
  3. Nicht im Wald, am Waldrand oder in Parkanlagen grillen, sofern es dort nicht ausdrücklich erlaubt ist.
  4. Fahrzeuge nicht auf trockenem Gras oder anderem leicht entzündlichem Untergrund abstellen. Heiße Fahrzeugteile, insbesondere Katalysatoren, können Brände auslösen.
  5. Waldwege, Feldwege und Zufahrten freihalten, damit Feuerwehr und Rettungskräfte Einsatzstellen schnell erreichen können.
  6. Wer Rauch oder Feuer entdeckt, solle unbedingt sofort den Notruf 112 wählen. (eb)