Die Grundsteinlegung für die Staumauer war vor 125 Jahren. Bau des nächsten Stausees in der Eifel wohl nur noch eine Frage der Zeit.
JubiläumDie Urfttalsperre bleibt auch nach 125 Jahren ein Vorbild im Kreis Euskirchen

Ein beeindruckendes Bauwerk, auch nach mehr als 120 Jahren: die Urfttalsperre.
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Die Jubilarin selbst fehlte zwar bei der Feier im Jugendstilkraftwerk Heimbach, doch ihre Präsenz war allgegenwärtig. Schließlich stammt aus der Urfttalsperre, deren Grundsteinlegung sich in diesem Jahr zum 125. Mal jährt, das Wasser, mit dem seit Beginn des vergangenen Jahrhunderts in dem markanten Industriegebäude Strom erzeugt wird. Die Turbinen ruhten allerdings noch, denn erst wenige Tage zuvor war hier das Kammermusikfestival „Spannungen“ zu Ende gegangen.
Spannungen im übertragenen Sinne gab es bei der Jubiläumsveranstaltung hingegen nicht. Rund 250 Gäste waren ins Kraftwerk gekommen, darunter NRW-Umweltminister Oliver Krischer, die Landräte der Kreise Düren und Euskirchen, Dr. Ralf Nolten und Markus Ramers, zahlreiche Vertreter aus Politik, Verwaltung und Institutionen der Region sowie Gäste aus den Niederlanden. Dort hatte man während der Flutkatastrophe 2021 die Bedeutung der Eifeler Talsperren für den Hochwasserschutz besonders deutlich erfahren.
Älteste Talsperre im Eifeler Verbundsystem
Die Urfttalsperre, die älteste Talsperre des Eifeler Verbundsystems, habe damals ihre Bewährungsprobe bestanden, betonte Dr. Gerd Demny, Dezernent für Gewässer und Wasserwirtschaft beim Wasserverband Eifel-Rur (WVER). Zwar sei das Wasser während der Flut über die Dammkrone gelaufen, doch genau für eine solche Belastung habe der Talsperrenbauer Prof. Dr. Otto Intze die Anlage bereits Ende des 19. Jahrhunderts ausgelegt. „Ohne die Talsperren wären die Bilder an der unteren Rur genauso schlimm gewesen wie in Schleiden“, stellte Demny fest.
Für Umweltminister Oliver Krischer, der nur wenige Kilometer vom Kraftwerk entfernt aufgewachsen ist, liegt die besondere Leistung vor allem in der Langlebigkeit des Bauwerks. „Vor allem dann, wenn man für Bauwerke, die nur halb so alt sind, im Wochenrhythmus Abrissverfügungen unterschreiben muss“, sagte er mit einem Seitenhieb auf die Probleme maroder Brücken. Es sei beeindruckend, dass die Ingenieure vor 125 Jahren mit deutlich einfacheren technischen Mitteln den Mut gehabt hätten, ein solches Projekt umzusetzen.

Ein Foto der Urfttalsperre während des Baus.
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Rund 250 Gäste waren zur Feier des 125. Jahrestages der Grundsteinlegung der Urfttalsperre in das Jugendstilkraftwerk in Heimbach gekommen.
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Die Mauer des Stausees ist ganz schön dick.
Copyright: Stephan Everling
In den Redebeiträgen wurde die Bedeutung der Urfttalsperre und des gesamten Talsperrensystems immer wieder hervorgehoben. Neben dem Hochwasserschutz wurden die Trinkwasserversorgung, die Bereitstellung von Brauchwasser für die Industrie sowie die Bedeutung für Natur, Landwirtschaft und Tourismus genannt. Gleichzeitig verwiesen viele Redner auf die Herausforderungen des Klimawandels und die Notwendigkeit, die Wasserinfrastruktur weiterzuentwickeln.
Dabei spielte auch die mögliche Platißbachtalsperre eine wichtige Rolle. Zwar wurde das Projekt nicht in jeder Rede ausdrücklich erwähnt, dennoch war es ein zentrales Thema der Veranstaltung.
Wir setzen uns mit Überzeugung, Kraft und Geduld für die Realisierung einer Platißbachtalsperre ein.
Für den WVER scheint die grundsätzliche Frage nach der Notwendigkeit einer weiteren Talsperre bereits beantwortet. „Wir setzen uns mit Überzeugung, Kraft und Geduld für die Realisierung einer Platißbachtalsperre ein“, sagte WVER-Vorstand Joachim Reichert. Als Gründe nannte er den verbesserten Hochwasserschutz, die langfristige Sicherung der Trinkwasserversorgung, die Stabilisierung der Wasserführung der Rur sowie Vorteile für Forstwirtschaft, Landwirtschaft und Tourismus.
„Müssen Ärmel hochkrempeln“Auch Umweltminister Krischer sprach sich für die weiteren Planungen aus. Er halte es für richtig, dass der Wasserverband den Bau einer zusätzlichen Talsperre prüfe.
Reichert erläuterte zudem den aktuellen Stand der Untersuchungen. Die geologische Machbarkeit sei inzwischen geprüft worden. Dabei seien 27 mögliche Standorte für einen Damm identifiziert und deren potenzielle Speichervolumina berechnet worden. Derzeit werde die wasserwirtschaftliche Machbarkeit untersucht.
Dabei gehe es insbesondere um die Auswirkungen auf die regionale Wasserbewirtschaftung und den Hochwasserschutz. „Wir prüfen nicht mehr, ob eine Talsperre grundsätzlich funktioniert, sondern welche Wirkungen sie entfalten würde“, erläuterte Reichert. Die laufenden Untersuchungen sollen noch in diesem Jahr abgeschlossen werden.
Im kommenden Jahr sollen die Ergebnisse ausgewertet werden. Anschließend werde eine Restriktionsanalyse erfolgen, bei der mögliche Konflikte und Umsetzungshindernisse untersucht werden. Dadurch werde sich die Zahl der infrage kommenden Standorte deutlich verringern. „Am Ende wird sich der Standort herauskristallisieren, der die geringsten Konflikte verursacht“, sagte Reichert.
Mit Blick auf den Klimawandel rief der Vorsitzende der Verbandsversammlung, Dürens Bürgermeister Frank Peter Ullrich, dazu auf, entschlossen zu handeln. „Wir müssen die Ärmel hochkrempeln und uns den Herausforderungen stellen“, sagte er. Mit dem gleichen Pioniergeist, den die Erbauer der Urfttalsperre vor 125 Jahren bewiesen hätten, könne auch die heutige Generation die anstehenden Aufgaben bewältigen, so Ullrich.
