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Feuer im VennAuch auf deutscher Seite ist das Zusammenspiel der Einsatzkräfte mustergültig

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Kräfte der belgischen Feuerwehr rücken im Hohen Venn gegen die Flammen an.

Das Feuer im Hohen Venn war bis auf 300 Meter an Ruitzhof herangerückt.

Die Bewohner der betroffenen Dörfer dies- und jenseits der Grenze helfen, wo sie können. Belgiens König Philippe schaute sich die Lage an.

Ist es noch diesig von dem Regen, der am Morgen über der Eifel gefallen ist, oder ist es der Rauch? Auf dem Weg nach Kalterherberg wechseln der Geruch und der Geschmack der Luft. Es wird immer beißender. Noch geht es ohne Maske an diesem Vormittag, doch das wird sich ändern.

Kurz hinter der Grenze nach Belgien, am Bahnhof von Kalterherberg, von wo aus die Touren mit der Draisine durch das Hohe Venn nach Sourbrodt starten, hat das THW Simmerath seine Wassertankstation aufgebaut. Drei Wasserbecken mit je 24.000 Litern stehen bereit, um die Einsatzfahrzeuge zu befüllen. „Hier haben auch die Löschpanzer getankt“, informiert einer von den Männern, die ihre Namen nicht nennen wollen. Seit Donnerstag sind sie im Einsatz, erst im Hürtgenwald, jetzt beim Vennbrand.

Bis auf 300 Meter rückten die Flammen an die Häuser heran

Hier geht es nach Ruitzhof, der deutschen Enklave, die am Sonntagabend evakuiert werden musste, weil das Feuer bis auf 300 Meter an die Häuser heranreichte. 30 Bewohner waren betroffen. Zehn Minuten hätten sie Zeit gehabt, um ihre Häuser zu verlassen, bestätigt Andrea Pauls, die auf einem Hof in Ruitzhof lebt. Die Rinder, die sie halten, seien alle in Sicherheit auf Weiden weitab des Feuers. Da die Behörden frühzeitig vorgewarnt hätten, sei die Evakuierung auch problemlos verlaufen. Im Augenblick würde sie Lebensmittel fahren, um die Einsatzkräfte zu versorgen.

Wir Frauen hier in der Straße haben uns überlegt, dass wir die Einsatzkräfte versorgen
Anwohnerin aus Kalterheerberg

„Wir Frauen hier in der Straße haben uns überlegt, dass wir die Einsatzkräfte versorgen“, sagt eine Anwohnerin, als sie das Feuerwehrgerätehaus in Kalterherberg verlässt. Ihren Namen will sie nicht nennen. Sie habe auch ihre Hilfe angeboten, doch zur Zeit werde die nicht benötigt. Das Auto stehe fertig gepackt vor der Tür, berichtet sie. Wenn der Ruf zu Evakuierung komme, könnte sie mit ihrem Mann sofort das Haus verlassen.

Nach stundenlangem Einsatz steht den Helfern eine Pause zu

Im Feuerwehrgerätehaus können die Feuerwehrleute etwas ausruhen, nachdem sie aus ihrem kräftezehrenden Einsatz zurück sind. Und essen. Es seien auch Anwohner gekommen und hätten gefragt, welche Suppe sie für die Einsatzkräfte machen sollten, berichtet ein Mitarbeiter des Monschauer Ordnungsamtes, der die Presse vom Gebäude fernhält. Die Mitglieder der Stolberger Feuerwehr haben vor kurzem noch im Hürtgenwald gelöscht. „Es ist ein Wahnsinn“, sagt einer von ihnen. Ein Statement zur Lage wird verschoben. Es ist Mittag, der Wind frischt auf, und der Rauch, der über das Tal zieht, wird dichter.

Begleitet von MInisterpräsident Oliver Paasch kam König Philippe nach Sourbrodt.

König Philippe (r.) und Ministerpräsident Oliver Paasch beim gemeinsamen Besuch in Sourbrodt.

THW-Helfer aus Simmerath stehen am Bahnhof in Kalterherberg an roten Wasserbecken mit Löschwasser.

In jedes Becken, das das THW Simmerath in Kalterherberg aufgestellt hat, passen 24.000 Liter Wasser.

Auf einem blauen Lastwagen mit Ladekran befinden sich mehrere Paletten mit Wasserflaschen.

Palettenweise werden Getränke mit Lastwagen zu den Einsatzkräften, die das Feuer im Hohen Venn bekämpfen, gefahren.

Am Nachmittag sei die Lage an der deutschen Grenze noch unverändert, teilt die Stadtverwaltung Monschau in einer Pressekonferenz mit. In der Nacht war Ruitzhof evakuiert worden, da die Flammen einen Fichtenwald erreicht hatten, was als gefährlich angesehen wurde. Feuerwehrleute hatten vorsorglich die Wiesen rund um Ruitzhof bewässert, damit diese kein Feuer fangen.

Ein Feuerwehrmann habe mit Verdacht auf Herzinfarkt ins Krankenhaus gebracht werden müssen. 60 Feuerwehrleute aus Monschau würden mit Schläuchen löschen, da ein belgisches Feuerwehrfahrzeug in einen Graben gerutscht sei und so keine schweren Fahrzeuge an die Brandstelle kommen könnten. Feuerwehreinheiten aus dem Kreis Euskirchen sind beim Vennbrand bislang nicht eingesetzt, dafür Fachgruppen aus den beiden THW-Ortsverbänden im Kreis.

Oleftalsperre Hellenthal ist auf die Löschflugzeuge vorbereitet

Vom Boden und von der Luft aus kämpfen Hunderte Feuerwehrleute gegen den Brand im Hohen Venn. Mehr als 150 Fahrzeuge sind vor Ort, dazu nach Angaben des Gouverneurs der Provinz Lüttich sieben Hubschrauber, die von der belgischen Polizei, aber auch aus den Niederlanden, Deutschland und Norwegen kommen. Auch sind zwei schwedische Flugzeuge gekommen, die rund 3000 Liter Wasser auf einmal aufnehmen können. Nachdem diese zuerst in Lüttich befüllt werden sollten, wurde die Oleftalsperre als Auftankort gewählt. Hier waren allerdings bis zum Nachmittag keine Flugbewegungen zu beobachten. Zwei verletzte Feuerwehrleute meldet die Provinz Lüttich außerdem.

Zwei Mitarbeiter der Tierrettung der belgischen Feuerwehr stehen am geöffneten Kofferraum ihres Fahrzeugs.

Die Tierretter der belgischen Wehr sind mit Spezialwerkzeug im Einsatz.

Blick auf die Oleftalsperre bei Hellenthal; links die Staumauer.

Die Oleftalsperre bei Hellenthal steht bereit für die schwedischen Löschflugzeuge. Am Montagnachmittag kamen die beiden Maschinen aber nicht zum Auffüllen ihrer Wasserbehälter vorbei.

Die Einsatzkräfte in Belgien haben im Örtchen Sourbrodt am Rande des Hohen Venns ihre Leitstelle eingerichtet. Neben der Kirche haben sie ihre Fahrzeuge postiert und auch eine provisorische Tankstelle für die Einsatzfahrzeuge mithilfe zweier Tanklaster erstellt. Wenige Straßen weiter hat die Einsatzleitung mehrere Straßen evakuieren lassen, da die Gefahr bestand, dass das Feuer die Häuser erfassen könnte.

Anwohner sind so gut wie nicht zu sehen. Vielleicht sind zur Mittagszeit mehr Reporter als Einwohner im Ort. Nur ein Mann auf einem Quad ist unterwegs. Er selbst lebe in Weismes, erklärt er, aber seine Eltern seien unter den Evakuierten aus Sourbrodt. „Ich bin hier, um die Hühner zu füttern, denn die konnten wir nicht mitnehmen“, sagt er.

Am Nachmittag besucht König Philippe die Helfer im Krisenzentrum

Dann steigt die Reporterdichte in Sourbrodt weiter an. Vor allem, da der belgische König Philippe seinen Besuch angekündigt hat. Nach dem Besuch des Krisenzentrums der Provinz Lüttich in Vottem wolle er sich auch vor Ort ein Bild machen und mit Einsatzkräften sprechen. Dazu stehen zum Beispiel auch die Tierärzte der Tierrettung des Gouvernements bereit, die mit zwei Fahrzeugen im Brandgebiet unterwegs sind.

Das sind Bilder, die kennt man aus Spanien oder Frankreich, und jetzt sieht man diese Bilder vor der eigenen Haustür.
Bernd Kreutz, Spediteur als Kalterherberg

„Die großen Tiere und die Vögel konnten oft fliehen“, sagt Tierarzt Hugues Guyot. Viel schlimmer sei es für die Amphibien, Frösche und Insekten, die unter dem Feuer leiden würden. An diesem vierten Tag des Vennbrandes hätten sie aber immer wieder Tiere gesehen, die zurückkommen, trinken und etwas fressen würden. Das bestätigt auch Yves Pieper, Leiter des Forstamtes Verviers.

An der Straße zwischen Sourbrodt und Kalterherberg haben die Einsatzkräfte eine Pumpstation aufgebaut. Hier fährt der Kalterherberger Spediteur Bernd Kreutz mit seinen Tanklastern am Fließband Wasser hin, das dann in die Einsatzfahrzeuge umgepumpt wird. „Ich bin mit sechs Tankwagen unterwegs, von denen jeder 30.000 Liter fassen kann“, erklärt er.

Die Stimmung im Dorf sei respektvoll ängstlich, sagt er. „Das sind Bilder, die kennt man aus Spanien oder Frankreich, und jetzt sieht man diese Bilder vor der eigenen Haustür“, beschreibt er seine Gefühle. Es sei gut, dass sie so helfen könnten und nicht nur danebenstehen, bestätigt er. „Wir sind doch alles Aborigines hier! Wir lieben unser Dorf!“ sagt er.