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VerkehrsversuchSo sollen Ellipsen die Sicherheit der Motorradfahrer in der Eifel erhöhen

Lesezeit 3 Minuten
In zwei Kurven der Panoramastraße sind ellipsenförmige Markierungen auf dem Asphalt.

Die ellipsenförmigen Markierungen in zwei Linkskurven der „Panoramastraße“ bei Vossenack sollen für mehr Sicherheit sorgen.

Auf der Panoramastraße zwischen Vossenack und Schmidt ist ein Pilotprojekt gestartet, das bundesweites Vorbild werden könnte.

Es gibt Motorradfahrer, die sind zeit ihres manchmal viel zu kurzen Lebens auf der Suche nach der Ideallinie: Kurvenfahren ist für sie erst am Limit richtig schön. Möglichst schnell und mit möglichst starker Schräglage die Kehren rund um den Rursee oder auf der Ahrstrecke in Richtung Nürburgring zu nehmen, das macht für sie den Reiz einer Ausfahrt durch die Eifel aus.

Wie in jeder Gruppe gibt es aber auch unter den Motorradfahrenden diejenigen, die es beim „Kurvenschnibbeln“ übertreiben: Wer zu nah an die Mittellinie heranfährt und sich in die Kurve legt, kann mit   Kopf oder Oberkörper auf die Gegenfahrbahn gelangen. Dass das bei einer Kollision mit dem Gegenverkehr nicht gerade gesundheitsfördernd ist, leuchtet ein.

Aachener Wissenschaftler begleiten den Verkehrsversuch 

Im Kreis Düren ist jetzt ein Pilotprojekt mit einer neuartigen Straßenmarkierung gestartet worden, die im Erfolgsfall auch auf den entsprechenden Motorradstrecken im Kreis Euskirchen die Verkehrssicherheit erhöhen könnte. Die Erprobung läuft auf der „Panoramastraße“ zwischen Vossenack und Schmidt in der Gemeinde Hürtgenwald, die ein Unfallschwerpunkt ist: „In den vergangenen vier Jahren gab es in diesem Abschnitt 15 schwere und schwerste Verkehrsunfälle, an denen Motorradfahrer beteiligt waren“, sagt Dr. Dirk Kemper vom Institut für Straßenwesen der RWTH Aachen, der den Verkehrsversuch auf der L218 wissenschaftlich begleitet.

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Die ellipsenförmigen Markierungen in zwei Linkskurven sollen dafür sorgen, dass Biker diese an der rechten Seite umfahren, auf ihrer Spur bleiben und die Kurven nicht schneiden. Das soll verhindern, dass sie mit Kopf und Oberkörper auf die Gegenfahrbahn geraten. „Motorradfahrer mögen keine Straßenmarkierungen, weil sie befürchten, dass sie nicht so griffig sind wie der Asphalt der Straße“, erklärt Kemper. Ganz nebenbei wird so ein zweites Problem gelöst, denn wenn die Biker die Kurven mit niedrigerer Geschwindigkeit durchfahren, sinkt auch der Lärmpegel.

Zum offiziellen Start der einjährigen Probephase dieses Verkehrsversuchs hat sich auch NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer mit dem Dürener Landrat Wolfgang Spelthahn und Vertreterinnen und Vertretern der Polizei, des Landesbetriebs Straßen NRW und der RWTH Aachen ein Bild von den Ellipsen gemacht, die nun die kurvenreiche L 218 zieren.

Unfallschwerpunkte in der Eifel sollen entschärft werden

„Wir wollen die Verkehrssicherheit für die Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer verbessern. Durch die hier in der Eifel erstmalig erprobten Markierungen hoffen wir, einen Unfallschwerpunkt nachhaltig in den Griff zu bekommen“, sagte Krischer. Dies komme allen Verkehrsteilnehmenden zugute.

Landrat Wolfgang Spelthahn, der sich für die Genehmigung des Verkehrsversuchs eingesetzt hatte, hofft, dass die neuen Markierungen zu einer sicheren Fahrweise beitragen werden und der Verkehrsversuch erfolgreich ist. „Wenn durch diese Ellipsen auch nur ein schwerer Unfall vermieden werden kann, dann ist unser Ziel schon erreicht. Diese Neuerung kann Vorbild für viele Straßen in Deutschland sein, wo sich Unfälle häufen. Wir sind stolz darauf, dass wir hier im Kreis Düren Vorreiter sein können“, sagte der Chef der Dürener Kreisverwaltung.

Wärmebildkameras zeichnen das Fahrverhalten auf

Die Wissenschaftler haben bereits zu Beginn der Motorradsaison – als die neuen Markierungen noch nicht auf die Strecke aufgebracht waren – mit ihrer Arbeit begonnen. Mehrere Wärmebildkameras im Bereich einer Kurve zeichnen das Fahrverhalten der Biker auf. „Diese Daten vergleichen wir nun mit den aktuellen Aufnahmen, um die Wirkung der Ellipsen zu dokumentieren“, so Kemper. Kennzeichen und Gesichter seien im Wärmebild nicht sichtbar: Es werden also keine personenbezogenen Daten erhoben.

„Wir freuen uns, dass wir uns an der Konzeption der neuartigen Markierung zur Erhöhung der Sicherheit beteiligen konnten. Unsere KI-basierten Analysemethoden bieten insbesondere bei der Bewertung von neuen Infrastrukturelementen vielfältige Möglichkeiten“, erklärte Kemper, „Leiter Verkehrstechnik“ am RWTH-Institut. „Die Ergebnisse der Erprobung sollen als Grundlage für die Entscheidung dienen, ob und in welchem Umfang solche Markierungen dauerhaften Eingang in die straßenverkehrsrechtlichen Vorschriften finden“, sagte der Wissenschaftler.

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