Abo

Gegen das VergessenGedenkkerze reist vom Europaparlament in die Flutregionen

3 min
Klaus Jansen steht an einem Rednerpult, links von ihm steht die Flutkerze und an der Wand dahinter wird eine Präsentation gezeigt.

Das Projekt stellte Klaus Jansen vor.Stephan Everling

Nach einer Ausstellung in Brüssel und einer Station in Eupen ist die Gedenkkerze nun in Schleiden und soll Trost bringen.  

Bald jährt sich die Flutkatastrophe zum fünften Mal. Auch wenn die offensichtlichen Spuren langsam verschwinden, ist das Ereignis in den Herzen noch sehr präsent. 26 Menschen verloren im Kreis Euskirchen ihr Leben, neun davon in der Stadt Schleiden. Doch während in der öffentlichen Wahrnehmung und der medialen Berichterstattung die Katastrophe nur an der Ahr stattgefunden hat, wo 135 Menschen starben, erstreckte sich das Gebiet, in dem das Wasser wütete, fast auf den ganzen Kontinent: Von Rumänien bis Großbritannien wurden Überflutungen registriert.

Auf die grenzüberschreitende Dimension will auch das Team Gedenken aus Odendorf aufmerksam machen. Nach einer Ausstellung im Europaparlament in Brüssel ist die Flutkerze nun auf Reisen. Nach der Station in Eupen übergaben Klaus Jansen, Udo Kraatz und Hajo Meier die Kerze nun an die Stadt Schleiden. Sie solle Trost in die von der Flut betroffenen Gebiete bringen, so Bürgermeister Ingo Pfennings. Begleitet wurde der kleine Festakt von Vertretern von Polizei, Feuerwehr, Hinterbliebenen und Betroffenen.

Die Trauer braucht auch in der Stadt Schleiden einen Platz

Pfennings erinnerte an die Katastrophennacht: „Ging es zunächst nur um vollgelaufene Keller und überspülte Straßen, wechselte die Einsatzlage in der gesamten Tallage zu Leben retten.“ Die Erinnerungen an Hilferufe von Nachbarn, ohne dass es möglich gewesen sei, zu helfen, seien noch sehr präsent. Bilder, Geräusche und Gerüche haben sich eingebrannt.

Als ehemaliger Kriminalbeamter wisse er, dass Trauer einen Platz brauche, sagte Jansen. Gerade in der Krisenzeit sei es wichtig, zusammenzukommen. So sei ein Jahr nach der Flut in Odendorf eine Gedenktafel eingeweiht worden. Erst spät habe er erfahren, dass auch in Schleiden und Gemünd die Flut schwere Verwüstungen verursacht und Menschenleben gefordert habe. „Was ich hier an Zerstörungen gesehen habe, als ich es mir angesehen habe, das hat mich erschüttert“, sagte er.

EU-Abgeordneten die Dimension der Flutkatastrophe verdeutlichen

90 Mal im Jahr zünde das Team Gedenken Kerzen für Familien und Hinterbliebene aus den Flutregionen in NRW, Rheinland-Pfalz und Belgien an. Für wen die Kerze hinter der alten katholischen Kirche in Odendorf brennt, wird auf Facebook gepostet.

Mit der Ausstellung im Europaparlament sollte den Abgeordneten die Dimension der Flutkatastrophe deutlich gemacht werden, führte Jansen aus. Auch in den Flutregionen solle erinnert und der Opfer gedacht werden. Die Namen der Verstorbenen auf einer Kerze aufzulisten, sei eine Idee des Saarländers Peter Theobald gewesen. Jedoch sei es aufgrund des Datenschutzes nicht einfach gewesen, die Namen zu recherchieren. An mehr als 20 Stationen sei die Kerze   an der Ahr gewesen, sagte Jansen. In NRW sei Schleiden die erste Station: „Diese Region existiert in den Medien mit dem, was sie zu wuppen hatte, nicht richtig.“

Normalerweise stehe die Kerze nur eine Woche in den Rathäusern. Doch in der Stadt Schleiden bleibe sie länger, bevor sie in Rheinbach, Schweinheim, Iversheim und Bad Münstereifel ist. Dort ist sie zum Jahrestag der Katastrophe zu sehen. Die Flutkerze steht bis zum 9. Juni im Foyer des Rathauses in Schleiden und ist während der Öffnungszeiten frei zugänglich.