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LuftkriegsgeschichteTrümmer berichten in Vogelsang von der Grausamkeit des Krieges

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Eine deutsche Brand- und eine englische Streubombe sind zu sehen.

Das Grauen des Luftkriegs wird in dem Raum dokumentiert, auch eine deutsche Brand- und eine englische Streubombe sind zu sehen.

Die AG Luftkriegsgeschichte Rhein/Mosel informiert in einer Dauerausstellung in Vogelsang über den Luftkrieg in der Eifel. 

Eigentlich ist es nur Schrott. Zerfetzt, verbogen und verrostet. Es sind die Hinterlassenschaften des Luftkriegs, der vor mehr als 80 Jahren über der Eifel tobte. Doch wer genau hinsieht, entdeckt die Geschichten, die die zerrissenen Flugzeugteile erzählen. Am Sonntag, 13. September, öffnet in Vogelsang das von der AG Luftkriegsgeschichte Rhein/Mosel betriebene Dokumentationszentrum nach jahrelanger Vorbereitung seine Dauerausstellung „Überreste, Erinnerungen und Erzählungen – Was vom Luftkrieg übrig bleibt“.

Es ist vor allem der AG Luftkriegsgeschichte zu verdanken, dass die Dinge, die oft im Eifelboden Jahrzehnte überdauert haben, nun zu sehen sind. Dass diese Ausstellungsstücke untrennbar mit menschlichen Schicksalen verknüpft sind, wird am Beispiel von Johannes Rinke deutlich. Bis vor wenigen Wochen galt der Pilot, dessen Maschine 1944 in den Luftkämpfen über Köln während der Ardennenoffensive abgeschossen wurde, als vermisst. Durch ein winzig kleines Metallschild, auf dem die Produktionsnummer des Flugzeugs eingestanzt war, konnte er als der bislang namenlose Soldat identifiziert werden, dessen Leichnam an einer Absturzstelle im Wald bei Satzvey gefunden worden war.

Menschen und ihre Schicksale stehen im Mittelpunkt, weniger die Technik

Von Menschen und ihren Schicksalen, von ihrer Angst und der Grausamkeit des Krieges und schließlich der letzten, sinnlosen Abwehrschlacht im Zweiten Weltkrieg berichten die Trümmer, die deutlich die Spuren der Kämpfe und des Absturzes zeigen.

Dass von dem ursprünglichen Fluggerät nicht mehr viel übrig ist, sei logisch, erläutert Mark Michels von der AG Luftkriegsgeschichte: „Der Motor wog etwa eine Tonne, dazu kamen das Fahrwerk und die Cockpitpanzerung. Aber im hinteren Teil des Flugzeuges war eigentlich nichts.“ Größere Teile seien auch oft von Anwohnern geborgen und weiterverwendet worden – auch dieser Aspekt wird in der Ausstellung gezeigt.

Ein verbogener Propeller einer P38 Lightning liegt auf einem großen Stein.

Der verbogene Propeller einer P38 Lightning steht als Symbol vor dem Tor des Dokumentationszentrums.

Das Foto zeigt ein Hochzeitskleid aus Fallschirmseide und ein Kanu aus einem Abwurftank.

Ein Hochzeitskleid aus Fallschirmseide zeigt die Zweitverwendungen.

„Übrig bleiben dann oft nur winzige Splitter“, sagt Michels. Größere Teile zu finden sei selten. Auch deshalb ist in Vogelsang weder ein Technik- noch ein militärhistorisches Museum entstanden, betont Dr. Julian Weller, der die Ausstellung federführend entwickelt hat: „Wir haben bewusst auf Modelle verzichtet und einen multiperspektivischen Ansatz gewählt.“ Gerade dadurch stellen sich beim Betrachten der zerstörten Überreste unwillkürlich die verschiedensten Fragen: Was war das einmal für eine Maschine? Wer saß am Steuerknüppel? Hat er den Absturz überlebt, und warum ist das Flugzeug abgestürzt? In welcher Phase des Krieges war das?

Die Ausstellung in Vogelsang ist in drei Abschnitte gegliedert

Das Dokumentationszentrum in Vogelsang beantwortet solche und deutlich mehr Fragen. Es beleuchtet zudem Sachverhalte, die auf den ersten Blick nichts mit den Piloten in diesen Maschinen zu tun zu haben scheinen. Darüber hinaus sind auch Vertiefungsstationen nutzbar, an denen weiterführende Videos gezeigt werden.

Die Mitglieder der Lenkungsgruppe, zu der auch Historiker des LVR und Museumsfachleuten zählen, haben die Ausstellung in drei Abschnitte gegliedert, um den Luftkrieg der Eifel nicht als ein isoliertes Phänomen darzustellen. So widmet sich das Entrée der Entwicklung des Luftkriegs im Ersten Weltkrieg und den Zwischenkriegsjahren. Eine wichtige Rolle kam dabei Giulio Douhet zu, einem italienischen General, der 1921 mit seinem Buch „Die Luftherrschaft“ eine grundlegende Theorie entwickelt hat.

Zu sehen sind die Reste eines Fahrwerks mit einem Reifen.

Die Reste einer Martin B26 Marauder wurden bei Hallschlag ausgegraben.

Ein Mann hebt eine Folie an, die ein Foto verdeckt.

Möglicherweise belastende Fotos sind, das demonstriert der Historiker Julian Weller, mit einer Folie abgedeckt.

Das Foto zeigt mehrere Stellwände und Exponate.

Klar und aufgeräumt sind die verschiedenen Stationen im Dokumentationszentrum präsentiert.

Kurze Infotexte geben Auskunft über die Abläufe im Zweiten Weltkrieg und die Eskalation des Luftkriegs. So ist der zweite Raum der Ausstellung dem polnischen Ort Wielun gewidmet, der am 1. September 1939, dem Tag des Einmarsches der deutschen Truppen in Polen und Beginn des Zweiten Weltkriegs, von der Luftwaffe bombardiert wurde. Herzstück der Ausstellung ist der Abschnitt, der dem Luftkrieg in der Eifel gewidmet ist. Der habe eigentlich erst im Herbst 1944 begonnen. „Als die deutschen Truppen nach der Invasion in der Normandie zurückwichen, trafen die Alliierten erst wieder an der Reichsgrenze auf vehementen Widerstand“, so Weller.

Leiden und Ängste der Bevölkerung werden thematisiert

An einem verbogenen Aggregat einer Focke-Wulf Fw 190 zeigt sich wieder die Vielschichtigkeit des Themas. „Bei diesem Modell saß der Pilot direkt hinter dem Motor“, informiert Weller. Doch wer in der Maschine saß, ist nicht endgültig geklärt. Ebenso wird an diesem Beispiel auf den Motorenhersteller BMW geschaut. Ein Foto mit Häftlingen aus dem KZ Dachau, die solch einen Motor zusammenbauen, führt zum Thema Zwangsarbeit. „Am Ende des Krieges waren bis zu 90 Prozent der Belegschaft in diesen Werken Zwangsarbeiter“, so Weller.

Anhand eines Flügelteils einer Martin B-26 Marauder wird der Einsatz von Pilotinnen thematisiert. An einer anderen Station werden die Leiden und Ängste der Bevölkerung durch Zeitzeugenberichte geschildert, ebenso der Luftkrieg in der NS-Propaganda. Dabei habe auch der „Fliegerass-Mythos“ eine Rolle gespielt – Erzählungen, die im Ersten Weltkrieg mit dem „Roten Baron“ Manfred von Richthofen begannen und im Zweiten Weltkrieg fortgeführt wurden. „Das ging so weit, dass die Piloten sogar Fanpostkarten hatten“, erläutert Weller.

Im dritten Abschnitt setzt sich die Ausstellung mit der Nachkriegszeit und der Erinnerungskultur auseinander. Die Nöte, aber auch den Erfindungsreichtum der Zivilbevölkerung demonstrieren Dinge, die aus den Hinterlassenschaften des Krieges gefertigt wurden, wie ein Hochzeitskleid aus Fallschirmseide.

Kritisch setzt sich die Ausstellung mit der Aufarbeitung der Kriegsjahre in Büchern oder Filmen auseinander. Dass die Schrecken des Krieges eine Verherrlichung schlicht verbieten, macht die Ausstellung im Dokumentationszentrum deutlich. Und daran, so betont Weller, hat sich bis zum heutigen Tag nichts geändert. Daher überlege man, auch Bezüge zum Beispiel zum Ukraine-Konflikt herzustellen.


Das Dokumentationszentrum Luftkrieg in Vogelsang 42, dem Gebäude links vor der Tordurchfahrt in Malakoff, ist ab Sonntag, 13. September, 10 Uhr, für die Öffentlichkeit geöffnet. Die Öffnungszeiten sind freitags, samstags und sonntags jeweils von 10 bis 17 Uhr. Nach dem kostenfreien Eröffnungssonntag beträgt der Eintritt 12 Euro für Erwachsene und 8 Euro für Kinder. Führungen können unter Tel. 02444/9125394 vereinbart werden.