Kreis Euskirchen – Stundenlanger Dauerregen hat am Dienstagnachmittag und -abend zu zahlreichen Überschwemmungen im Kreisgebiet geführt und die Einsatzkräfte bis weit nach Mitternacht auf Trab gehalten. Zülpich schaffte es mit einer rekordverdächtigen Niederschlagsmenge von 71 Litern pro Quadratmeter innerhalb von 28 Stunden sogar in die ARD-Tagesthemen. Der Spitzenwert wurde an der Wetterstation von Karl-Josef Linden in Sinzenich gemessen. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Regenmenge im gesamten Monat August liegt bei 54 Litern pro Quadratmeter.
Um der Fluten Herr zu werden, fuhr die Feuerwehr mit mehr als 200 Helfern unterstützt von zwei Dutzend Mitarbeitern des Technischen Hilfswerkes pausenlos Einsätze. Nur eine der fünf Euskirchener Löschgruppen wurde als Einsatzreserve nicht in Alarm versetzt. Gegen 20 Uhr wurden die Probleme durch die Wassermassen immer massiver. 57,5 Liter pro Quadratmeter hatte die Wetterstation von Linden zu diesem Zeitpunkt schon gemessen.
Einer der Einsatzschwerpunkte lag in Flamersheim. Hier drohten die Kanäle aufgrund der Wassermengen überzulaufen und die anliegenden Häuser unter Wasser zu setzen. In einer Baugrube für Kanalarbeiten in der Taubenstraße pumpten die Feuerwehrleute und das Euskirchener THW unter der Leitung von Zugführer Burkhard Aehlich mit ihren kräftigsten Maschinen 28 000 Liter pro Minute in den Vorfluter, berichtete Einsatzleiter Rolf Stupp am Mittwoch. Allein hier hatte die Feuerwehr 60 Wehrleute im Einsatz. In Dom-Esch überschwemmten Wassermassen aus einem einem Feld die Ortseinfahrt und setzten einen Obsthof unter Wasser.
In Euskirchen brachte der Starkregen zeitweise die Produktion von Procter & Gamble zum Erliegen. „Unser Bahnverladungsgleis stand unter Wasser, in den Hallen mit unseren Produktionslinien stand das Wasser bis zu 15 Zentimeter hoch. Eine Stunde lang mussten die Produktionslinien für die Pampers komplett abgestellt werden“, sagte Gabriele Jonas-Jankowski von Procter & Gamble. Bis morgens um vier kämpften Feuerwehr und Betriebslöschgruppe gemeinsam gegen die Wassermassen. Letztlich kam die Firma aber glimpflich davon, weil weder gelagertes Material noch Maschinen Schaden nahmen.
Pferde gerettet
In Irresheim bei Frauenberg kämpften Kräfte aus dem gesamten Stadtgebiet gegen den über die Ufer getretenen Bleibach. Zwei Ponys und ein Reitpferd im Stall von Marielene Schaefer standen bis zum Bauch im Wasser, ehe die Flut abgeflossen war. In Bodenheim musste die Lommersumer Feuerwehr aktiv werden. Hier schoss das Wasser aus den Feldern die Straße „In der Höhle“ hinab in den Ort. Auch am Mittwoch noch hatte die Swist bei Weilerswist einige der Begleitwege überspült. Für Spaziergänger war da kein Durchkommen. Nachdem die überschwemmten Straßen von den Einsatzkräften wieder passierbar gemacht worden waren, konnten sie sich den vielen Hilferufen von Bürgern widmen, deren Keller binnen kürzester Zeit voll gelaufen waren.
Auch das THW aus Schleiden rückte zur Unterstützung der Kollegen an und brachte 800 gefüllte Sandsäcke zu den verschiedenen Einsatzorten und der Feuerwache in Euskirchen.