Die beiden Täter wuren beim Prozess in Maastricht zu 19 und 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Ein Verurteilter befindet sich seit vier Jahren auf der Flucht.
GerichtsurteilLange Gefängnisstrafen im Fall des getöteten Fabian Esser aus Zülpich

Mit Fotos aus Überwachungskameras wurde nach dem tödlich verlaufenen Raubüberfall in Kerkrade nach den beiden Tätern gefahndet. Mateo Z. (vorne) konnte im Oktober 2022 in Bulgarien festgenommen werden, sein Sohn Daniel P. (hinten) befindet sich weiterhin auf der Flucht.
Copyright: Opsporing Verzocht/Polizei NL
Mehr als vier Jahre nach dem gewaltsamen Tod des Zülpichers Fabian Esser hat das Bezirksgericht Limburg in Maastricht zwei Männer zu langjährigen Haftstrafen verurteilt: Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Mateo Z. (51) und dessen Sohn Daniel P. (33) am 23. Juni 2022 in der Nähe des Fußballstadions in Kerkrade den Tod des Zülpicher Geschäftsmanns verursacht haben. Sie entrissen Esser eine Tasche mit einem hohen Geldbetrag, als dieser sich dort in Begleitung eines Verwandten mit den beiden Männern getroffen hatte, um einen vermeintlichen Immobiliendeal abzuschließen.
Esser, damals 33 Jahre alt, klammerte sich an die Geldtasche mit den 100.000 Euro, als die Männer in ein Auto sprangen und davonrasten. Der junge Zülpicher wurde zunächst einige Meter mitgeschleift, dann vom Fluchtwagen überfahren und starb noch vor dem Eintreffen der Rettungskräfte am Tatort.
Die Ermittlungen der niederländischen Polizei führten schnell zu einem Täterduo, dass seit dem Jahr 2020 bereits durch insgesamt sechs weitere ähnliche Straftaten in Südlimburg und in einem Fall auch in Deutschland aufgefallen war. Dabei wurden jeweils nach dem gleichen Tatmuster wertvolle Uhren, Goldbarren und Bargeldbeträge mit einer Gesamthöhe von mehr als 500.000 Euro erbeutet.
Täter konnte bereits im Oktober 2022 in Bulgarien festgenommen werden
„Alle Fälle weisen mehrere wesentliche Gemeinsamkeiten auf“, heißt es in einer Mitteilung des Bezirksgerichts Limburg in Maastricht: In allen Fällen beschrieben die Geschädigten das Täterduo übereinstimmend und identifizierten die beteiligten Täter anhand von Fotos, die aus einem jeweils anderen Fall stammten.
Es tut mir unendlich leid für die Hinterbliebenen, aber ich habe damit nichts zu tun.
Der Fall wurde auch mehrfach in der Fernsehsendung „Opsporing Verzocht“ behandelt – einer Art „Aktenzeichen XY“ des niederländischen Fernsehens. Nach einem Zeugenhinweis aus seinem persönlichen Umfeld konnte Mateo Z. noch im Jahr 2022 in Bulgarien festgenommen werden. Das Niederländische Forensische Institut (NFI) verglich die Tatortfotos mit Referenzaufnahmen des Festgenommenen. „Nach Einschätzung des NFI ist es weitaus wahrscheinlicher, dass es sich bei der fraglichen Person um diesen Mann handelte, als dass dies nicht der Fall war“, so das Gericht weiter.
Mit gefälschter Hotelquittung wollte Angeklagter sich ein Alibi verschaffen
Zudem sei in der Wohnung eines der Männer ein Ausweis gefunden worden, der auf den Namen lautete, den einer der Täter verwendet hatte, als er mit den späteren Betrugsopfern in Kontakt getreten war. Auch im Prozess bestritt Mateo Z. eine Beteiligung an den ihm zur Last gelegten Taten, selbst, als er mit Videoaufnahmen konfrontiert wurde, die von verschiedenen Überwachungskameras im Umfeld des Tatorts in Kerkrade angefertigt worden waren. „Es tut mir unendlich leid für die Hinterbliebenen, aber ich habe damit nichts zu tun“, wird eine Aussage von Mateo Z. in einem Beitrag des niederländischen Rundfunksenders L1 aus dem langwierigen Prozess zitiert.
Anklage war gegen Mateo Z. bereits im Herbst 2024 erhoben worden. Der Prozess zog sich jedoch lange hin, auch deshalb, weil der Hauptangeklagte zwischenzeitlich ohne Rechtsbeistand dastand: Der Anwalt hatte das Mandat niedergelegt, nachdem er eine von Z. gefälschte kroatische Hotelquittung als Beweismittel vorgelegt hatte. Dieser hatte sich damit ein Alibi für die Tatzeit verschaffen wollen, was beim Prozess jedoch aufflog, als der Hotelmanager die Fälschung erkannte.
Erdrückende Beweislast: Täter gingen professionell bei „Rip-Deals“ vor
Die Beweislast war schließlich erdrückend. Nach Auffassung des Gerichts handelten die beiden Männer durchgehend gemeinschaftlich. Die Anwendung von Gewalt und der Einsatz des Autos – mit potenziell tödlichen Folgen – waren demnach fester Bestandteil ihrer Vorgehensweise. Bei diesen „Rip-Deals“ handele es sich um eine besonders professionelle Form des Vorauszahlungsbetrugs, bei der Kriminelle die Verkäufer von hochwertigen Gütern wie Immobilien, Luxusuhren, Gold oder Kryptowährungen mit inszenierten Scheingeschäften um große Summen bringen.
„Während es bei früheren Vorfällen keine Todesopfer gegeben hatte, endete der letzte Fall tödlich“, bilanzierte ein Gerichtssprecher. Das Gericht sieht die Anklagepunkte der Mittäterschaft bei einem Tötungsdelikt (schwere Körperverletzung mit Todesfolge), des gemeinschaftlichen Raubes in fünf Fällen sowie des gemeinschaftlichen Diebstahls in einem Fall als erwiesen an.
Die Staatsanwaltschaft forderte Gefängnisstrafen von 25 und 24 Jahren für die beiden Angeklagten. Mit dem inzwischen bereits rechtskräftigen Urteil ist die Angelegenheit nun (vorerst) abgeschlossen. Mateo Z. (51) wurde zu 20 Jahren Haft verurteilt; er befindet sich seit seiner Festnahme in Bulgarien im Jahr 2022 in Haft. Sein Sohn, Daniel P. (33), erhielt eine Haftstrafe von 19 Jahren. Es ist jedoch fraglich, ob P. diese Strafe jemals antreten wird, da er sich seit nunmehr mehr als vier Jahren auf der Flucht befindet.
