Leverkusen – Wie gewohnt zur festen Zeit zog es die Manforter am Samstag zum Grünschnittcontainer auf dem Parkplatz an der Poststraße. Plastiksäcke lagen auf dem Radanhänger eines älteren Herrn. Damit kämpfte er sich durch eine Menschenmenge aus Gewerkschafts- und Parteimitgliedern, Vertretern der Kirchen, des Flüchtlingsrats und des Integrationsrats sowie der Initiativen „513 Nazifrei“ und Fridays for Future“.
Unter einem bunten Dach
Unter dem Dach von „Lev ist bunt“ bildeten sie ein Bollwerk gegen Rechtsextremismus, sagten Nein zu Hass und Hetze und Ja zu Offenheit und Vielfalt. Am Grünschnittcontainer, neben der Baugrube endete der Protestmarsch der Gegenseite, des „Aufbruch Leverkusen“. Die Baustelle für das geplante Kulturzentrum, verbunden mit einer Moschee des Marokkanischen Vereins Maghariba steht still. Die Polizei hielt die Gegendemonstranten mit bunten Transparenten und Trillerpfeifen in Höhe des Kreisels auf Abstand.
Redner aus Sachsen
Markus Beisicht, Rechtsanwalt und Ratsmitglied (vormals Pro NRW) sprach gegen einen Protzbau im „aggressiven Stil“ und schlug den Bogen von der Parallelgesellschaft bis zu Parkplatzproblemen. Dann gab er das Mikro an Redner aus Sachsen weiter. Ed der Holländer alias Edwin Wagensveld hatte schon in der Vergangenheit beim Leipziger Pegida-Ableger Legida mit Mief gegen den Islam gewettert.
Zwei Dutzend Teilnehmer waren zur rechten Kundgebung gekommen, die die Gegendemo von „Lev ist bunt“ mit gut 200 Mitstreitern überhaupt erst auf den Plan gebracht hatte. Von diesen zwei Dutzend kamen die wenigsten aus Leverkusen: „Ich habe mir die Teilnehmerliste angeschaut, die haben mit Manfort doch gar nichts zu tun“, ärgerte sich Anwohner Horst Hahn.
Manforter sehen noch Platz im Innovationspark
Kurze Zeit durfte er sogar am Grüncontainer sprechen, bis Beisicht ihn wieder wegschickte. Denn Hahn schimpfte: Das wild gewürfelte Völkchen aus Sachsen und Holländern sei ihm suspekt, es gehe ihnen um Angstmache vor dem Islam. Das, was die Manforter wirklich bewege, komme doch gar nicht zur Sprache. Als er zum Kreisel wechselte, um mit den Gegendemonstranten zu sprechen, waren seine Gesprächsversuche aber offenbar auch nicht von Erfolg gekrönt.
Hahn argumentierte, dass auf dem gegenüberliegendem Gelände des Innovationsparks, „auch Platz zum Bauen sei. Das könnte den Druck aus dem Bahnhofsgelände nehmen. Schon lange platze der Pendlerparkplatz aus allen Nähten. Dass die Stadt das Grundstück daneben verkauft habe, sei grundverkehrt. Die Bahnpendler würden bereits jetzt zum Parken ins Wohnquartier ausweichen. Zukünftig dürfte es nach Ansicht Hahns noch mehr Platzmangel geben. Auch wo die Mieträder am Bahnhof demnächst abgestellt werden, beschäftigt ihn. Hahn ist nicht der einzige Manforter, der zwischen beiden Lagern hin und her wechselt, sich die Argumente anhört, aber offensichtlich unglücklich ist, was für einen Verlauf die Debatte nimmt. Manfort, das durch die Schnellstraße in zwei Teile geschnitten wurde, bleibe als Stadtteil wieder auf der Strecke. Das wiederum wollen die Mitglieder des Vereins Maghariba durch ein neues Zentrum ändern. Es solle Anlaufstelle für alle werden, sagt ein Gemeindemitglied. Der 37-Jährige lebt schon seit 30 Jahren in Leverkusen. Dass seine Gemeinde aus Küppersteg nach Manfort zieht, um ein eigenes Gotteshaus zu haben, darauf freue er sich. „Jeder ist eingeladen und jeder, der was wissen will, kann kommen.“ Das widersprach ein bisschen dem, was der Maghariba-Vorsitzende Mohamed El Quriaghli auf die Fragen des „Leverkusener Anzeiger“ zum Fortlauf der Bauarbeiten erwiderte. Das solle nur der Sprecher der von „Lev ist bunt beantworten“.
Appell an Zivilcourage
Kenneth Dietrich eröffnete die ersten Kundgebung , um ein Zeichen gegen Hass und Hetze zu setzen, und dass das Bauprojekt nun instrumentalisiert wird. Vor die Johanneskirche stellte sich Oberbürgermeister Uwe Richrath und appellierte an die Zivilcourage der Leverkusener, die seiner Ansicht nach hätten zahlreicher kommen können. „Wir sind Nachbarn alle“, sagte Pfarrer Hans Höroldt, Leiter des Diakonischen Werks und Sprecher der Wohlfahrtsverbände. SPD-Bundestagsabgeordneter Karl Lauterbach sagte: „Ich persönlich habe kein Problem, wenn hier ein Kulturzentrum in angemessenen Rahmen gebaut wird. Das dürfen wir nicht kritisieren. Keiner darf wegschauen, wenn andere in unserem Beisein ausgegrenzt werden.“
Der CDU-Landtagsabgeordnete Rüdiger Scholz öffnet am Montag, 8. Juli, von 15 bis 16.30 Uhr sein Büro für eine Bürgersprechstunde. Eingeladen sind alle Bürger in die Friedrich-Ebert-Straße 96 in Wiesdorf. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
