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Zu Gast in LeverkusenWie Britta Heidemann einem Anzugträger das Fechten beibrachte

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Die Frau war lange nicht in Leverkusen: Britta Heidemann mit Uwe Richrath, Markus Grawe und Rainer Schwarz (von links).

Leverkusen – Der Sprung auf die Bühne ist nicht ganz so schwungvoll wie man sich das so vorstellt. Weiß sie selber. Britta Heidemann macht eine selbstironische Bemerkung, kommt aber sofort rhetorisch gut in Schwung. Die weltberühmte Degenfechterin erzählt, wie man Erfolg hat, dass das „eine Frage der Haltung“ ist.

Die Athletin macht das allerdings nicht im Stil einer Motivationstrainerin – mit so etwas wären Rainer Schwarz und Markus Grawe den vielen Gästen eher auf die Nerven gefallen. Die beiden Vorstände der Sparkasse aber wissen, was sich gehört auf einem Neujahrsempfang.

Britta Heidemann verlor den glauben an das eigene Erfolgsrezept

Heidemann erzählt, wie sie mal relativ ganz unten war und sich wieder vorgekämpft hat. 2011 war das, da mussten die erfolgsverwöhnten deutschen Degenfechterinnen tatsächlich durch die Qualifikation, um zu den Olympischen Spielen in London zu kommen. Zuvor war die Mannschaft in der Weltrangliste vom ersten auf den 15. Platz abgerutscht und Heidemann auf Rang 17. Woran lag’s? Die Athletin kam mit einer lustigen Liste: Mücken im Zimmer, Bauchweh, eine Handverletzung.

Ein schüchterner Blick auf die Bilanz

Sehr zurückhaltend äußerte sich Vorstandssprecher Rainer Schwarz am Donnerstagabend zum Geschäftsergebnis der Sparkasse Leverkusen im vorigen Jahr. Die Bilanz wird traditionell erst im Frühjahr vorgelegt; auf dem Neujahrsempfang vermittelt der Vorstand der größte Bank in der Stadt immer nur einen Eindruck: „Wir können noch von einem zufriedenstellenden Ergebnis sprechen“, hieß es. Das dauernde Zinstief habe die Bank weiter belastet. Eine dermaßen defensive Formulierung hat Schwarz noch nie benutzt. (tk)

Letztere war es dann wirklich, die aus der erfolgsverwöhnten Weltklasse-Athletin eine an sich selbst zweifelnde Sportlerin machten, die ihren eigenen, gerade erst in einem Buch veröffentlichten Erfolgsstrategien nicht mehr glaubte. Es folgte eine Phase der Besinnung – und die Olympia-Qualifikation in letzter Sekunde. Das sind Geschichten, die man gerne hört an einem Abend, der noch gemütlich werden soll.

Ein Anfängerkurs im Degenfechten

Eine Schrecksekunde müssen die Besucher aber noch bestehen an diesem Donnerstagabend. Britta Heidemann reicht es nicht, ihre Erfahrungen im Sport zu vermitteln. Sie will ihr Publikum auch eine Erfahrung vermitteln. Wenigstens zwei Gästen der Sparkasse. Also schnappt sich die 38-Jährige eine Frau und einen Mann, scheucht sie auf die Bühne, legt ihnen die Rüstung an und bringt sie allein dadurch schon tüchtig ins Schwitzen.

Auch das reicht nicht. Es folgt ein Anfängerkurs im Degenfechten. Die Waffen sind aus Pappe, was nicht heißt, dass Treffer nicht angezeigt werden. Erst recht heißt es nicht, dass es keine Finten gibt und keine Attacken. Heidemann gerät tüchtig in Fahrt, man muss Angst haben um ihre Absätze. Die halten das aber genauso aus wie den verkorksten Hopser auf die Bühne.