Klingentausch am Hindukusch: Der Bergneustädter Karl Hermann Menn hütet ein afghanisches Taschenmesser als Erinnerung an seine Weltreise im Jahr 1964.
SommerwettbewerbClanchef schenkte dem Bergneustädter sein Messer

Afghanische Handwerkskunst: An das Griffende des Messers ist eine filigrane Spitze geschnitzt, und auch in das Eisen hat jemand Ornamente geschlagen.
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Auf und zu. Auf und zu. Und wieder: auf und zu. Solch ein imposantes Taschenmesser hat der Mann mit dem prächtigen Bart noch nie gesehen. Es blitzt regelrecht, wenn die beiden Klingen das Sonnenlicht spiegeln. Der Stahl wiederum schneidet nicht nur unglaublich scharf, vor allem bewegt er sich mühelos in der Mechanik. Auf und zu – da hakt nichts. Mitgebracht hat das Messer ein Europäer, der am Vortag aus Richtung Dasht-i-Rewat in die Berge der afghanischen Provinz Panjshir gekommen ist – zusammen mit zwei Freunden und in einem hellen VW-Bus, auf dessen Seite eine Art Karte gemalt ist.
Der Mann mit dem noblen Messer, der in jenem Spätsommer 1964 am Hindukusch vorfährt, ist der Bergneustädter Karl Hermann Menn, begleitet wird er von Werner Wolf und Gerhard Valbert, die ebenfalls aus Bergneustadt stammen. Und richtig: Die Karte auf der Karosserie ihres Bullis zeichnet grob die Weltreise nach, für die das Trio Oberberg drei Monate zuvor verlassen und sich 40.000 Kilometer quer über die Kontinente vorgenommen hat – durch Jugoslawien und über Istanbul nach Asien, durch Iran und Pakistan nach Indien und von dort bis nach Ägypten und Gibraltar.
Oberberger wollen Sechstausender besteigen
Vor allem Afghanistan erscheint den Oberbergern wie ein Reich aus dem Märchenbuch. Noch dazu lockt die passionierten Bergsteiger Menn und Valbert die Aussicht auf die Erstbesteigung von einigen Sechstausendern. Das geht nicht ohne Ortskundige. Doch der Umstand, dass Gerhard Valbert als Arzt manche Wehwehchen schnell heilen kann, lässt eine Freundschaft zu den Sommernomaden der Region entstehen. Der Clanchef stellt eine Expedition aus Helfern und Pferden für die Gipfeltouren zusammen, die Nomaden versorgen ihre Gäste außerdem mit Tee, Joghurt, Butter und Rindfleisch.

Auf einer Reiseschreibmaschine haben Karl Hermann Menn und seine Begleiter ihre Erlebnisse niedergeschrieben. Bei ihrer Rückkehr umfasste ihr Reisebericht fast 240 Seiten.
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Als Karl Hermann Menn beim gemeinsamen Essen beiläufig sein Messer zieht, um Butter abzuschneiden, weichen die Augen des Anführers nicht mehr von dem glänzenden Werkzeug. „Es war noch nicht einmal ein besonderes Exemplar. Kein Schweizer Messer und kein Schnickschnack, nur zwei Klingen waren montiert“, erinnert sich Menn, heute 90 Jahre alt, noch genau.
Der Clanchef bietet schließlich einen Tausch an – Menns Messer gegen das seine – und greift in die Tasche. Das rustikale Modell erinnert optisch an ein Rasiermesser. Geöffnet ist es 23 Zentimeter lang, an das Griffende ist eine filigrane Spitze geschnitzt und auch in das Eisen hat jemand Ornamente geschlagen. Die eigentliche Schneide wurde offenbar sehr dünn gefertigt – etwa so, wie man es vom Dengeln einer Sense kennt. Per Handschlag geht der Bergneustädter damals sofort darauf ein. „Für so ein schönes Stück habe ich mein Messer leicht abgeben können“, sagt Menn.
Das Messer aus dem Hindukusch hatte in den vergangenen Jahrzehnten in Bergneustadt immer einen Ehrenplatz – übrigens zusammen mit einer hölzernen Darstellung von Ganesha, dem elefantenköpfigen Gott im Hinduismus, die der Oberberger ein paar Wochen später in Indien kaufte. Für Karl Hermann Menn bleibt es ein unersetzliches Erinnerungsstück an seine Weltreise vor 62 Jahren – und für die Jury wird es vielleicht ein Kandidat auf den Sieg bei unserem diesjährigen Sommerwettbewerb.
Urlaubsmitbringsel
Mit der Volksbank Oberberg haben wir Sie bei unserem Sommerwettbewerb 2026 nach Ihrem liebsten Urlaubsmitbringsel gefragt. Unsere Redaktion hat 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ausgewählt, deren Geschichten wir nun in der Zeitung erzählen.
Nach den Sommerferien bestimmt eine Jury, welche der Teilnehmenden es auf die drei vorderen Plätze schaffen und welche auf die Ränge vier bis 20. Im Herbst werden die Finalisten in der Volksbank Wiehl geehrt.
