Zwei Männer (35 und 40), die im November 2025 als Abholer für Trickbetrüger tätig waren, sind in dem Prozess angeklagt.
Prozess am LandgerichtBetrugsopfer aus Oberberg leiden bis heute an den Folgen der Taten

Der Prozess findet am Landgericht in Köln statt.
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Um die hochbetagten Opfer zu schonen und sie nicht zu retraumatisieren, hat die 23. Große Strafkammer am Kölner Landgericht darauf verzichtet, sie als Zeugen in einem Betrugsprozess vor Gericht zu laden. Dennoch sind die Aussagen von Geschädigten von immensem Wert für ein Gericht – unter anderem, um die Folgen einer Tat für ein Opfer einschätzen zu können. Folgen, die letztlich bei der späteren Strafzumessung eine bedeutende Rolle spielen.
So ist es auch in einem aktuellen Verfahren, bei dem zwei Männer (35 und 40), die im November 2025 als Abholer für Trickbetrüger tätig waren, angeklagt sind. Die Betrugsmasche: Eine angebliche Mitarbeiterin der Bankenaufsicht soll den Opfern am Telefon vorgespielt haben, dass es „verdächtige Geldbewegungen“ auf deren Bankkonto gegeben habe, denen man nachgehen müsse. Hierzu sei es notwendig, die entsprechende EC-Karte in einem Labor zu untersuchen, hatten die Betrüger den Opfern mitgeteilt. Statt in einem Labor landete die Karte jedoch beim 35-jährigen Angeklagten, der am nächsten Geldautomaten Abhebungen tätigte, von denen er den Großteil an seine Auftraggeber habe abliefern müssen.
Mitarbeiter des Ambulanten Sozialen Dienstes berichtete vor Gericht
Am Mittwoch berichtete nun ein Mitarbeiter (46) des Ambulanten Sozialen Dienstes in Gummersbach von seinem Besuch bei einem 85 Jahre alten Betrugsopfer in Wiehl. Der Mann war glimpflich davongekommen, weil die Polizei durch einen Tipp auf den laufenden Betrugsversuch aufmerksam geworden war und die beiden Täter hatte stellen können.
Trotz des glimpflichen Ausgangs, habe die Tat tiefe Spuren bei dem 85-Jährigen, vor allem aber bei dessen Frau, hinterlassen. Der Mitarbeiter berichtete von einem seiner Besuche bei den Senioren nach der Tat: „Die Frau war äußerst misstrauisch, wollte zunächst nichtmal die Tür öffnen.“ Sie habe ihm berichtet, „dass jemand diese Grenze überschritten hat und sie in den eigenen vier Wänden ausnehmen wollte. Das hat sie nachhaltig beeindruckt.“
Der 85-Jährige, der geistig und körperlich sehr eingeschränkt gewesen sei, habe sich an den Vorfall selbst kaum mehr erinnern können. Lediglich „an die Rauferei“ zwischen dem 35-Jährigen und dem plötzlich auftauchenden Polizeibeamten habe der Senior noch eine Erinnerung gehabt, berichtete der 46-Jährige dem Gericht weiter.
Ebenfalls nachhaltig negativ beeindruckt ist laut der Aussage einer Polizeibeamtin (57) eine 85-Jährige aus dem rheinland-pfälzischen Wissen, die im November von den Betrügern um 3500 Euro gebracht worden war. „Die Geschädigte sagte mir, sie hätte nie gedacht, dass sie auf so einen Trickbetrug reinfallen würde“, berichtete die Beamtin. Die Seniorin sei von der Anruferin jedoch so unter Druck gesetzt worden, dass sie „keinen klaren Gedanken mehr fassen konnte“. Heute nage die Scham, Opfer geworden zu sein, sehr an der 85-Jährigen. Außer mit der Polizei habe sie mit niemandem darüber gesprochen. Zudem leide sie unter Albträumen, in denen ihr der 35-jährige Angeklagte erscheine. Der Prozess wird fortgesetzt.
