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Deutsche Vize-Meisterin Sarah VillanuevaNach acht Jahren Rückkehr aufs Wiehler Eis

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Wiehl – Nach acht Jahren Pause stand Sarah Geppert Ende Oktober im Allgäu wieder auf dem Eis. „Ganz ohne Druck und Anspannung“, erzählt sie von ihrem 27. Geburtstag. Ihr Mann Oleg hatte ihr die Reise geschenkt und angeregt, dass sie die Schlittschuhe einpacken sollte.

Unter ihrem Mädchennamen Sarah Villanueva gehörte die Gummersbacherin zu den größten Eiskunstlauftalenten in Deutschland. So war sie deutsche Vize-Meisterin. Von Wiehl aus, wo sie unter Gaby Krakau das Eislaufen lernte, wechselte sie ans Landesleistungszentrum nach Dortmund und von dort aus an den Bundesleistungsstützpunkt in Oberstdorf. „Gestartet bin ich aber immer für Wiehl“, erzählt die junge Frau, die im Sommer geheiratet hat und in Engelskirchen lebt und arbeitet.

Kaum aus dem Allgäu zurück, rief sie Krakau an und fragte, ob sie nach Hause kommen dürfte. Gemeint war die Eishalle in Wiehl. „Eiskunstlaufen ist für mich wie Fahrrad fahren, das verlernt man auch nicht“, sagt sie lachend. Im vierten Training absolvierte sie die ersten Doppelsprünge, seit zwei Wochen springt sie sie schon dreifach. Für die Kinder und Jugendlichen auf dem Eis ist sie ein Vorbild. „Sie motiviert die anderen“, sagt die Trainerin. „Ich genieße die Zeit mit den Kindern und Jugendlichen“, erklärt die Sportlerin.

Dass Sarah Geppert trotz der langen Pause mit dem Eiskunstlaufen nicht abgeschlossen hatte, zeigte sich bereits im Februar. „Ich habe mir im Fernsehen das Eiskunstlaufen bei den Olympischen Spielen angeschaut und musste weinen“, spricht sie von einem „magischen Moment“.

Mit acht Jahren spürte die gebürtige Gummersbacherin erstmals die Faszination für den Sport. Die Eiskunstläuferinnen Oksana Bajul und Katarina Witt hatten es ihr angetan. „Die ersten Schritte habe ich bei Gaby Krakau gemacht, die mich sehr behutsam nach oben geführt hat“, blickt Sarah Geppert zurück.

Ihre Eltern unterstützten die Tochter sehr. Als sie ans Landesleistungszentrum nach Dortmund umzog, ging der Vater mit. „Dort habe ich die restlichen Dreifachsprünge gelernt.“ Nach zwei Saisons in Dortmund folgte der Umzug nach Oberstdorf, wo sie in einem Internat mit anderen Wintersportlern lebte.

„Das war eine schöne Zeit mit vielen Auslandsreisen“, sagt sie. Trotzdem fällte sie nach zwei Jahren den Entschluss aufzuhören und kehrte nach Dortmund zurück, wo sie ihr Abitur machte. „Ich wollte mir ein berufliches Standbein schaffen, und beides zu vereinbaren, ging nicht“, erklärt die 27-Jährige. Gemeinsam mit ihren Eltern und dem älteren Bruder traf sie diese Entscheidung – was nicht einfach war nach den vielen Jahren, in denen „ich nur Sport im Kopf hatte“.

Sarah Geppert nahm sich zunächst eine Auszeit, ging nach England und Frankreich, um dort die Sprache zu vertiefen beziehungsweise Französisch zu lernen. Zurück in Deutschland machte sie an einer privaten Schule in Potsdam einen kaufmännische Ausbildung mit dem Schwerpunkt Touristik und war anschließend als Flugbegleiterin unterwegs. Heute ist sie in einer Engelskirchener Firma beschäftigt und dort zuständig für die asiatischen Kunden.

Zweimal in der Woche ist sie beim Training in der Wiehler Eissporthalle und denkt auch schon wieder an Wettkämpfe. Doch dafür ist sie noch zu jung, denn erst ab 28 Jahren gibt es im Eiskunstlaufen Seniorenwettkämpfe. „Ich kann mir auch vorstellen, den Trainerschein zu machen“, sagt sie.

Kaum ist sie in ihrem Sport zurück, ist aber auch schon wieder Schluss: Wegen der Bauarbeiten am benachbarten Schwimmbad schließt die Eishalle in Wiehl in diesem Jahr schon Ende Februar.