Die meisten oberbergischen Gastronomen geben die Senkung der Mehrwertsteuer nicht an ihre Kunden weiter.
MehrwertsteuerNur in wenigen oberbergischen Restaurants wird's günstiger

Schnitzel auf den Teller: Am Preis fürs Leibgericht ändert sich in vielen Gasthäusern nichts. Eine Ausnahme ist das Brauhaus Gummersbach.
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„Jetzt ist Schluss mit den krummen Preisen“, verkündet Andreas Linneboden vom Brauhaus in Gummersbach und lacht. Kostete das Schnitzel hier bisher 16,77 Euro, so legen die Gäste jetzt nur noch 15,90 auf den Tisch. Den Neujahrstag hat der Geschäftsführer und Gesellschafter damit verbracht, das Kassensystem neu zu programmieren, die Speisekarten sind druckfrisch. Denn zum 1. Januar wurde die Mehrwertsteuer für Speisen in der Gastronomie von 19 auf 7 Prozent gesenkt.
„Die Hälfte der Einsparung geben wir an die Gäste weiter“, sagt Linneboden. „Mehr ist nicht drin.“ Die andere Hälfte brauche man, um Kostensteigerungen auszugleichen. Vor allem durch den gestiegenen Mindestlohn für seine 24 Aushilfen, die seit Jahresanfang statt 12,82 nun 13,90 Euro in der Stunde verdienen. „Ich gönne es den Leuten, aber wenn sie mehr verdienen, muss ich auch dem qualifizierten Personal mehr bezahlen. Sonst ist das ungerecht, da fehlt das Verständnis“, sagt Linneboden. „Denn wer hier als Aushilfe anfängt, kennt keine Tischnummern, kann kein Bier zapfen. Und trotzdem werden wir gezwungen, so viel zu bezahlen.“
Engelskirchener Brauhaus hätte sonst Preise erhöht
Das Problem trifft alle in der Branche. „Die Senkung der Mehrwertsteuer klingt erst mal gut. Aber im Grunde gleicht das nur die Kostensteigerungen vor allem beim Mindestlohn aus“, meint auch Corinna Lindner. 20 Aushilfen arbeiten bei ihr im Brauhaus „Gleis Eins“ in Engelskirchen. Außerdem steige der Bierpreis, der Einkauf sei erheblich teurer geworden. „Ohne die Senkung der Mehrwertsteuer müsste ich die Preise erhöhen“, stellt die Gastronomin fest. So bleibt auf der Speisekarte alles beim Alten.
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Ursprünglich wurde die Mehrwertsteuer zur Coronazeit von der Bundesregierung von 19 auf 7 Prozent gesenkt, um der gebeutelten Gastronomie zu helfen. Danach stieg sie wieder auf 19 Prozent, nun wurde sie angesichts der anhaltenden Proteste aus der Gastronomie wieder abgesenkt. Kritiker halten das für ein übermäßig großzügiges Steuergeschenk.
Im Grunde gleicht das nur die Kostensteigerungen vor allem beim Mindestlohn aus.
„Es ist ein Tropfen auf den heißen Stein“, seufzt dagegen Maik Vormstein von der Rengser Mühle. „Wir können alles hinten und vorn nicht mehr stemmen und wurschteln uns nur noch durch.“ Zu den Lohnnebenkosten kämen die gestiegenen Energiepreise und höhere Einkommens- und Gewerbesteuern. „Da können die Preise für den Gast nicht sinken.“
Das findet auch die Marienheiderin Etilena Tolo. Bei ihr in den „Heier Stuben“ kostet das Schnitzel mit Beilage weiterhin 15 Euro. Und auch Christian Kahl im Haus Kranenberg in Bielstein ist überzeugt, dass seine Gäste seine „guten Portionen Curry, Burger und Schnitzel zu fairen Preisen“ zu schätzen wissen – auch ohne Preissenkung. „Von 100 Gästen haben nur zwei danach gefragt.“
Gummersbacher Brauhaus in Nöten
Kahl vermutet übrigens: „ Manche Kollegen haben in der Aussicht auf die Mehrwertsteuersenkung vorher die Preise erhöht.“ Andreas Linneboden vom Gummersbacher Brauhaus seufzt: „Auch die Lieferanten sind schlau.“ So würden zusätzliche Energiekosten berechnet und Mindestbestellungen verlangt. Die Entsorger ließen sich nicht nur die Entleerung bezahlen, sondern auch die Mautgebühr.
Viele Gastronomen glauben zudem, dass die Leute weniger Geld haben. Das Ausgehverhalten habe sich verändert. „In den Großstädten ist die Situation eine andere als hier auf dem Land“, heißt es im Kirschbäumchen in Lindlar. Christian Kahl hat im Bielsteiner Haus Kranenberg festgestellt, dass die Gäste vor allem an Getränken sparen. Besonders der Bierkonsum sei eingebrochen. Auch hätten viele Firmen im Dezember, anstatt wie bisher ihren Mitarbeitenden ein üppiges Weihnachtsessen im Restaurant zu bescheren, lieber seinen Partyservice bestellt.
Unterm Strich blicken viele oberbergische Gastronomen eher pessimistisch ins neue Jahr – trotz der Mehrwertsteuersenkung. Die Gesamtkosten seien zu hoch. Es bleibe kaum etwas übrig, auch nicht für Reparaturen und Investitionen.
Nur eine positive Seite kann Andreas Linneboden der schwierigen wirtschaftlichen Situation abgewinnen: Es gibt wieder mehr Personal: „Die vielen Entlassungen in den Firmen machen sich bemerkbar. Nach der Coronazeit haben wir händeringend Aushilfen gesucht. Jetzt bekommen wir jede Woche Bewerbungen von Studenten und Schülern.“

