Flüchtling mit AusbildungAmadou Barry beendet Lehre als einer der Besten

Lesezeit 3 Minuten
Es ist geschafft: Alpha Amadou Barry (r.) aus Guinea hat seine Ausbildung zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik beendet, und das mit Bravour. Er dankt seinem Chef Peter Polke (l.) und dem Ausbilder Alexander Rode (M.). Jetzt studiert Barry.

Es ist geschafft: Alpha Amadou Barry (r.) aus Guinea hat seine Ausbildung zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik beendet, und das mit Bravour. Er dankt seinem Chef Peter Polke (l.) und dem Ausbilder Alexander Rode (M.). Jetzt studiert Barry.

Elsenroth – Die Koffer sind längst gepackt, der Mietvertrag ist gekündigt und gerade hat Alpha Amadou Barry die letzten Möbel in ihre Einzelteile zerlegt. Jetzt geht es nach Kassel, ein Studium ruft. „Und dafür muss ich das schöne Oberberg verlassen – leider“, bedauert der 29-Jährige, der vor mehr als drei Jahren in Deutschland ankam – als Flüchtling aus Guinea.

In Waldbröl hat Barry gewohnt, in Nümbrecht hat der Westafrikaner jüngst seine Ausbildung zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik beendet. Und das als einer der Besten seines Jahrgangs. „Deswegen verlieren wir ihn nun“, bedauert sein Chef, Peter Polke (65).

Elektronikfirma in Elsenroth

Er hatte Barry eingestellt und sich auf einen langwierigen, bürokratischen Marathon eingelassen, um dem jungen Mann in seinem Familienbetrieb eine Chance zu geben (wir berichteten). „Und das hat sich wahrlich gelohnt“, betont Polke heute. Seine Elektronikfirma hat ihren Sitz im Elsenrother Gewerbegebiet „Alte Ziegelei“.

Die Einsatzorte seiner Angestellten aber sind bundesweit zu finden, zum Beispiel rüsten sie derzeit das neue Polizeipräsidium in Wuppertal mit Technik aus. „Auch da habe ich gearbeitet und vielleicht am meisten gelernt“, blickt Alpha Amadou Barry zurück auf die Zeit mit Oberbauleiter Cristoph Biadatz, der ihn in praktischen Dingen geschult hat, während in Nümbrecht Ausbilder Alexander Rode dafür sorgte, dass auch die Theorie sitzt. Immer wieder hat er mit Barry geübt, ihn etwa Schaltungen aufbauen lassen.

Morgen beginnt Barry nun in Kassel ein Studium der Elektrotechnik am Fraunhofer-Institut dort, eine Wohnung ist schon gefunden. „Ich bin so unglaublich dankbar für alles, was ich hier in Oberberg gelernt habe“, erklärt er.

Denn auch sein Abitur hat er am Berufskolleg in Dieringhausen absolviert und jüngst mit der Note 2,3 bestanden. Und nicht nur das: Inzwischen ist er verheiratet: Ehefrau Bianca (35) kommt aus Kevelaer am Niederrhein und war zuletzt in Wipperfürth beschäftigt, sie wird ihren Mann nach Kassel begleiten.

Lehrzeit sogar verkürzt

Alpha Amadou Barry war Peter Polkes 58. Lehrling. „Aber erst der zweite, der seine Lehrzeit bei uns verkürzt hat“, schildert der Unternehmer. So habe die Ausbildung drei statt der gewöhnlichen dreieinhalb Jahre gedauert. „Barry war einfach super in allen Belangen“, verrät der Nümbrechter, der jederzeit weiteren Geflüchteten einen Lehrvertrag geben würde.

„Sofern die Motivation vorhanden ist und die Sprachkenntnisse ausreichen“, schränkt Polke ein. „Die Sprache ist der Schlüssel zu allem.“ So hätten ihn in der jüngeren Vergangenheit zwei Männer leider nicht überzeugt. „Barry aber war von Anfang sehr ehrgeizig und sich in alles hineingekniet, auch in den Sprachunterricht. Er hat uns alle beeindruckt, immer wieder.“

Auch in Politik engagiert

Barry nickt stolz und sagt: „Am Ende kannst du alle Übersetzungsprogramme auf dem Handy vergessen, sie bringen dich nicht wirklich weiter.“ Zudem sei es ihm wichtig gewesen, auch in der Freizeit Kontakte zu Oberbergern zu finden: So wurde Barry Beisitzer im Vorstand des grünen Kreisverbandes und half dabei, die Grüne Jugend wieder aufzubauen.

Bei Facebook gehört er zu den Gründern einer Gruppe, die sich „Immi-Help-Verein“ nennt und sich um Menschen kümmert, die ihre Heimat verlassen mussten. „Wir sind kurz davor, aus dieser Gruppe einen richtigen Verein zu machen“, kündigt Barry an. Hier wolle er Flüchtlingen helfen, in Deutschland Fuß zu fassen und sie an seinen Erfahrungen teilhaben lassen, auch beim Einstieg in eine Ausbildung.

2014 kam er nach Deutschland

Er selbst war 2014 in Conakry, der Hauptstadt Guineas, aufgebrochen, dann über Russland nach Deutschland gekommen, zunächst in Gummersbach gelandet und später dann in Waldbröl. „In Guinea habe ich als Lehrer gearbeitet“, sagt Alpha Amadou Barry, der Muslim ist und religiöse und soziale Gründe als Anlass für seine Flucht nennt. „In Guinea und in Afrika zu bleiben, das wäre für mich lebensgefährlich gewesen.“

Nachtmodus
Rundschau abonnieren