Oberberg – Die Infektionslage bleibt angespannt, das Gesundheitsamt erfasst immer mehr Fälle mit Virusmutanten. Am Mittwoch waren es gleich 17 weitere Nachweise der britischen Mutation, von denen nun insgesamt 43 festgestellt worden sind. Nicht nur um die aktuellen Entwicklungen ging es bis in den Abend während einer außerplanmäßigen Sitzung des Kreisausschusses für Gesundheit und Notfallvorsorge.
Landrat Jochen Hagt nahm zum umfangreichen Fragenkatalogen Stellung, mit denen SPD und Grüne vor allem die zum Teil unberechtigten Impfungen von Kreismitarbeitern aufgearbeitet wissen wollten. Hagt räumte Fehler ein: Es seien direkt zu Beginn der Kampagne Ende Dezember sieben Mitarbeiter des Amts für Rettungsdienst, Brand- und Bevölkerungsschutz geimpft worden, die nicht in die Prioritätenliste fallen. Zudem hätten in vier Fällen Familienangehörige von Kreisbediensteten eine Impfung erhalten.All das sei mit Blick darauf zu sehen, dass die Verantwortlichen des Impfzentrums völlig unerwartet Impfstoff übrig hatten, der zu verfallen drohte und binnen zwei Stunden verimpft werden musste. Hagt: „Aber den Eindruck, dass hier nach Gutsherrenart geimpft wurde, weise ich entschieden zurück. Niemandem ist Impfstoff weggenommen worden.“
Gesundheitsdezernent Ralf Schmallenbach habe in seiner Funktion als Leiter des Impfzentrums eine Impfung erhalten. Stand Montag wurden 268 Kreisbeschäftigte geimpft, darunter 228 aus dem Rettungsdienst. Das sind rund 88 Prozent dieser Mitarbeiter. Alle Mitarbeiter des Rettungsdienstes hätten zwischenzeitlich ein Angebot zur Impfung erhalten. Bislang geimpft wurden zudem 25 Mitarbeiter der Leitstelle, vier Beschäftigte im Impfzentrum und vier im Gesundheitsdezernat. Hagt stellte klar: „Der Rest der Kreisverwaltung ist nicht geimpft worden. Alles andere sind Gerüchte.“ Falsch sei auch, dass Schmallenbachs Vorzimmer eine Impfung erhalten habe.
„Einiges nicht funktioniert“
Ralf Wurth (SPD) hakte mehrmals nach: Warum gab es nicht rechtzeitig Listen für den Fall, dass Impfstoff übrig bleibt? Gab es weitere Fälle, in denen Verwandte von Mitarbeitern des Impfzentrums geimpft wurden? Der Landrat betonte, dass er sich dazu nicht äußern könne. Er könne nur über die Kreisverwaltung sprechen. Hagt verwies mehrmals auf die Lage am ersten Tag der Impfkampagne. „Sicherlich war es ein Tag, an dem einiges nicht funktioniert hat.“ Vor allem Vertreter von CDU und FDP nahmen die Verwaltung in Schutz. Tatsächlich habe sich die Situation um 180 Grad gedreht, erläuterte die Verwaltung: War die Knappheit von Impfstoff anfangs das Problem, stehe man nun vor der Herausforderung, den zur Verfügung stehenden Astrazeneca-Impfstoff überhaupt zu verimpfen. Der Ausschuss forderte eine bessere Aufklärung, dass auch dieser Impfstoff einen hohen Schutz herbeiführt.
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Eine schnelle Durchimpfung der Bevölkerung bleibt geboten, wie die Zahlen am Mittwoch zeigen: Bei 26 weiteren Corona-Fällen und 16 Genesenen stieg die Zahl der aktuell Betroffenen auf 289. Ein 59-Jähriger aus Morsbach starb. Die Inzidenz lag mit 73,9 weiter hoch über dem Landesschnitt von 56,1. Die 17 weiteren Fälle der britischen Virusmutante verteilen sich auf Gummersbach (3), Lindlar und Wipperfürth (je 2), Reichshof und Radevormwald (je 1) – gleich acht gibt es in Marienheide. Dort ist zudem das derzeit am stärksten betroffene Seniorenheim: Im Caritas-Zentrum St. Mariä Heimsuchung gelten derzeit 16 Bewohner als infiziert.



